Mittwoch, 30. März 2011

Papa-Abend

Ich ging aus gestern... Wir mussten zwei Geburtstage feiern; Zwei Mütter aus meinem Quartier haben diese Woche Geburtstag und wir verabredeten uns zum Abendessen. Ich und eine Hand voll Frauen, jene, die mich so großartig unterstützt haben mit zubereiteten Mahlzeiten, als Calista nach der Geburt im Spital war.


Für meine Mädchen bedeutete das Papa-Abend. Cosima freut sich immer, weil es dann die besten Gute-Nacht-Geschichten gibt. Christian kann phantastische Geschichten erzählen und wenn ich ihn bitte, nur schnell, fünf Minuten, zu erzählen und nicht zu spannend, damit sie bald gut einschlafen mögen, dann dauert es bestimmt mindestens eine halbe Stunde. Thalia schläft manchmal ein dabei, Cosima hört bis zum letzten Satz gebannt zu. Früher waren es die "Lang-Ohr-Hasen-Geschichten" und die liebt Thalia immer noch, doch für Cosima werden nun die "Captain-John-Stories" erzählt. Ich habe keine Ahnung, was er erzählt, denn ich bin dann nie anwesend. Doch gestern fand ich, dass er doch bitte anfangen soll, seine Geschichten aufzuschreiben.


Meine Mädchen unterstützen mich gerne, wenn ich mich schön mache. Da kommt Cosima mit ihren Parfum-Müsterchen und will mir Empfehlungen machen und ist mächtig stolz, wenn ich dann einer ihrer Düfte benutze. Thalia nimmt ihre Sammlung an Lipgloss, Lillifee-Lippenstifte und sonstigen Schminkutensilien hervor und ich darf auswählen. Da ich schon roten Lippenstift aufgetragen habe, suchte ich mir gestern den golden-glitzernden Lipgloss aus.


Gestern wollte mich Thalia nicht gerne gehen lassen, sie war traurig und hatte Tränen. Ich nahm sie in die Arme und bat sie, mir doch eine schöne Zeichnung zu machen und sie mir auf das Kopfkissen zu legen. Das tröstete sie, mir eine Freude bereiten zu dürfen.


Ich schwang mich also auf Christians Fahrrad, winkte und fuhr los. Acht Uhr abends, milder Frühlingsabend und ich trat kräftig in die Pedalen. Ich genoss den Wind in meinem Gesicht, das Gefühl über die Strasse zu schweben, einem fröhlichen Abend entgegen. Alleine unterwegs zu sein, selber das Tempo an zu geben, meinen Blick unabgelenkt schweifen zu lassen, mich für mich zu haben. 


Am Paradeplatz hielt in an und wartete auf Sophia und Francesca, die ich unterwegs an den Haltestellen warten sah. Ich wusste, sie werden hier aus dem nächsten Tram aussteigen. Es kam, hielt an und Fahrgäste stiegen aus. Die Stimmung war ruhig, die meisten müde von der Arbeit. Als ich schon dachte, dass ich mich geirrt habe, da stiegen, aus der hintersten Tür als Letzte, die beiden aus. Sie lachten und kicherten. Die einzigen auf dem ganzen Paradeplatz die lustig waren und ich musste schmunzeln. Sie wirkten wie zwei Teenies, die von den Eltern einen Ausgang erlaubt bekamen und sich nun wahnsinnig darüber freuten. Ja, so fühlte ich mich auch!


Gemeinsam gingen wir die letzten Schritte zum Restaurant. Da klingelte das Telefon. Cosima war dran und weinte. Mama! Mama, komm! Calista ist wach geworden und weint und nun weine ich auch. Und Thalia auch. Das waren die wenigen Sätze, die ich aus ihrem Geschluchze heraus hören konnte. Ohje! Das war nicht im Plan...
Ich redete ihr zu, weiss nicht mehr was, doch ich lullte sie mit meinen Worten ein und liess ausrichten, dass Christian mich anrufen soll, wenn er mich wirklich brauche. Tschüss, mein Schatz!


Ich verstaute das Telefon tief in meiner Tasche und entschied mich, Christian an der Macht zu lassen. Jetzt ist Papa-Abend. Ich stellte das Fahrrad an eine Strassentafel und nestelte mit den Schlüssel herum, bis ich den passenden fand. Schaute fragend das komplexe Fahrradschloss an und hantierte unbeholfen herum. Wir kicherten wieder. Mein Gott! Ich kann mit dem kleinen Finger den Kinderwagen lenken, gleichzeitig telefonieren und noch ein Eis dazu essen. Doch diese kleine Geste, das Fahrrad zu sichern, überforderte mich inzwischen fast.


Wir haben uns alle schön gemacht und begannen den Abend mit Drinks. Jetzt wollten wir Spass haben und uns nicht als Mütter, sondern als Frauen erleben. Weiblich, elegant, sexy. Ohne Unterbrechungen und nervösen Seitenblicke uns auf ein Gespräch ein lassen. Einander Dinge erzählen, die im Alltag unter gehen. Geschichten erzählen, Geschichten die das Leben schrieb. Und gleichzeitig schlemmen.


Um halb zehn erhielt ich von Christian ein Sms: alle schlafen. Ich schrieb zurück: Super-Papi! Und nahm die letzte Gabel meines fantastischen Chili-Koriander-Risotto mit Jakobsmuscheln. Beim Dessert angelangt, erzählten wir uns bereits Geistergeschichten. -Mit viel Gelächter, Schaudern und Ernsthaftigkeit. Wie zu alten Zeiten, als man als Teenager in einem Ferienlager sich gemeinsam im Waschraum versteckte und sich gruseln wollte.


Gegen halb zwölf setzte das allgemeine Gähnen ein und das Wissen um morgen ließ uns die Rechnung bezahlen. - Der nächste Geburtstag ist im Mai und wir fanden, wir könnten uns mal einen "High-Heel-Abend" gönnen. Schaffen wir das noch, einen Abend lang in unseren höchsten "Schtögis" herum tackeln?


Das lag auf meinem Kopfkissen. Gegen den Schlaf kämpfend, habe Thalia mir noch diese Zeichnung gemalt, bevor sie sich ins Bett legte.


Sonntag, 27. März 2011

Slipping Through My Fingers

Heute morgen sassen meine beiden grossen Kinder vor dem TV und guckten Mamma Mia. Ich wollte für meinen Vater einen Kuchen backen und duschen, inkl. Haare waschen. Ich dachte mir, wenn sie den DVD am Morgen schauen, dann habe ich mehr Ruhe für mein eigenes Programm. 
Als der Schokoladenkuchen im Ofen war, da setzte ich mich kurz hin und schaute etwas mit. - Ich habe ihn auch gerne, diesen Film, denn ich liebe die Musik. Da kommt die Szene, wo Donna ihrer Tochter Sophie hilft sich schön zu machen für die Hochzeit. Und wie Donna anfängt zu singen, da trifft mich das Lied plötzlich mitten ins Herz. Als ob ich es zum ersten Mal sehen und hören würde. Erst jetzt hat mich das Lied erreicht, erst jetzt habe ich es mit all meinen Sinnen richtig erfasst. Diese Lyrics sprechen mir aus der Seele...

Slipping Through My Fingers
 
Schoolbag in hand, she leaves home in the early morning
Waving goodbye with an absent-minded smile
I watch her go with a surge of that well-known sadness
And I have to sit down for a while
The feeling that I’m losing her forever
And without really entering her world
I’m glad whenever I can share her laughter
That funny little girl

Slipping through my fingers all the time
I try to capture every minute
The feeling in it
Slipping through my fingers all the time
Do I really see what’s in her mind
Each time I think I’m close to knowing
She keeps on growing
Slipping through my fingers all the time

Sleep in our eyes, her and me at the breakfast table
Barely awake, I let precious time go by
Then when she’s gone there’s that odd melancholy feeling
And a sense of guilt I can’t deny
What happened to the wonderful adventures
The places I had planned for us to go
(slipping through my fingers all the time)
Well, some of that we did but most we didn’t
And why I just don’t know

Slipping through my fingers all the time
I try to capture every minute
The feeling in it
Slipping through my fingers all the time
Do I really see what’s in her mind
Each time I think I’m close to knowing
She keeps on growing
Slipping through my fingers all the time

Sometimes I wish that I could freeze the picture
And save it from the funny tricks of time
Slipping through my fingers...

Slipping through my fingers all the time

Schoolbag in hand she leaves home in the early morning
Waving goodbye with an absent-minded smile...


Diese Worte passen im Moment so sehr zu mir und Cosima. Zu meinem Gefühl für Cosima. Und sie drücken noch präziser das aus, was ich in Tschüüs Mama! empfunden habe. Meine Grosse ist ein Mädchen von sieben Jahren geworden und sie hat wieder einen spürbaren Entwicklungsschritt gemacht. Ihr Bewusstsein, ihren Geist haben eine neue Stufe erreicht. Es ist etwas passiert mit ihr. Es ist, als ob sie sich immer mehr selbst in Besitz nimmt,  sich an ihre Persönlichkeit heran tastet. Der Prozess hat schon früher angefangen, doch plötzlich nimmt man es ganz klar wahr. Und man spürt schmerzhaft, die Kinder sind da, um zu gehen. Naturgesetz.




Ja, sie ist noch da, meine Cosima. Wir teilen noch den Frühstückstisch und ich darf ihr noch einen Kuss geben zum Abschied und ihr winken. Doch ich spüre jedes Mal diesen Tropfen Wehmut. Es ist nicht einfach, sein eigenes "kleines" Mädchen alleine aus dem Haus gehen zu lassen. Sieben ist sie, zweimal sieben bleiben uns noch, in etwa. Ehrlich, ich könnte jetzt schreien, jetzt wo ich das aufschreibe. Slipping through my fingers... Was kann ich dagegen tun? Einfach nur lieben, oder? Sie in meinem Herzen immer annehmen und willkommen heissen und hoffen, dass diese Verbindung dann halten wird. Um den ganzen Erdball herum, wohin auch immer.




















Liebe Cosima. Wir haben noch Zeit. Zeit für gemeinsame Abenteuer, Zeit für gemeinsame Pläne. Und ich hoffe, ich kann dann mal sagen: most of them we did. And we loved.

Klar, du darfst noch in unser Bett kommen, wann immer Du es brauchst. Wir geben Dir unsere Geborgenheit, damit Du einmal warm umhüllt ins Leben hinaus gehen wirst.











Freitag, 25. März 2011

Zeit für Vorsätze

Heute ist es so schön und warm und sommerlich, wir haben beim Autofahren alle Fensterscheiben runter gelassen und ich habe die Musik ein bisschen lauter gestellt. - Ich fühlte mich gleich um zehn Jahre jünger...

Der Frühling ist meine Zeit, in der ich über Vorsätze nachdenken kann. Nein, nicht Neujahr. Das geht bei mir nicht. Aber der Frühling bringt so viel neue Energien mit sich, da fühle ich trotz Schlafmangel die Kraft und die Lust, etwas Neues oder etwas lang Gedachtes auszuprobieren.

Ich habe gelesen, dass ein neues, veganes Restaurant in Zürich aufgegangen ist. Ich lebe weder vegetarisch noch vegan, doch mir gefällt der Gedanke und die Küche trotzdem sehr und ich finde es erstrebenswert, sich beim Speisezettel immer wieder davon inspirieren zu lassen. So habe ich mir vor ein paar Jahren das schön illustrierte Kochbuch Natürlich vegan gekauft, leider aber noch nie daraus gekocht. Jetzt sah ich die Zeit gekommen, etwas daran zu ändern. 

Gestern hatte Cosima Mittagstisch in der Schule und so packte ich die zwei Kleinen ins Auto und fuhr los, ins neue Restaurant Vegan Kitchen and Bakery. Dieses Esserlebnis soll mein Kick-off werden für meine eigenen veganen Kochversuche. 
Das erste, was auffällt beim Reinkommen ins Lokal, ist Platz. Es hat viel Platz. Für Kinderwägen, für Herumkriechen, für sich Auszubreiten. Die Inneneinrichtung ist schlicht und geschmackvoll, mit Blumen und kleinen Liebeleien verfeinert.



Thalia suchte sich gleich die Sofaecke aus, grünes Veloursofa, nahm sich den Fensterplatz und begann, ihre Tasche auszupacken und sich zu beschäftigen.



Ich ging in der Zwischenzeit an die Theke, wo ich von einer sehr freundlichen jungen Dame mit kecken rot-orangen Haaren bedient wurde. Cousous mit Ratatouille war das Menu, für Thalia nahm ich ein Birchermüsli. Ein veganes Birchermüsli, da war ich neugierig, ob sie das essen wird. Das war sozusagen der geheime Esstest.

Das Bestellte wurde dann an den Tisch serviert und Thalia war begeistert von der Dekoration: Dattel mit getrockneten blauen Blüten. Ich schaute sie gebannt an, als sie den ersten Löffel in den Mund führte und, - sie schluckte es runter und meinte: Mami, das isch fein! Meine Tochter isst ein veganes Birchermüsli, super! Ich und Calista fanden auch das Cousous sehr gut und spätestens als ich bemerkte, dass das ganze Essen noch im wunderschönen, edlen Geschirr-Mix von EnSoi serviert wurde, da wusste ich: ich komme wieder.

Zu hause dann nahm ich voller Elan mein Kochbuch in die Hand und nun möchte ich endlich ein paar Sachen ausprobieren. Ich habe es mir ganz fest vorgenommen.



Mir auch vorgenommen und gleich in die Tat umgesetzt, habe ich eine Pedicure. Das gehört auch zum Frühling. Ich zelebriere das meistens mit meinen Mädchen zusammen. Wir lieben es und nehmen uns immer viel Zeit dafür.

So sahen Thalias Winterfüße gestern aus:


Nach üblichem Programm wie Füße waschen, Nägel schneiden, Nagellack entfernen und sonstigen Reinigungen gibt es eine Fußmassage. Fußmassage mit meinem Rosenöl von Guarda Kräuter - das duftet so lieblich! 

Wir haben eine immer weiter wachsende Sammlung von Nagellacks. Es gibt laufend neue Töne und Vorlieben, da kommt man nicht drumherum das entsprechende Fach im Kühlschrank weiter aufzufüllen...


Und Thalia hatte die Qual der Wahl, die sie so löste, dass jeder Zehennagel eine andere Farbe erhielt. Da war sie sehr glücklich über die neuen Füße!



Und sie half mir, meine Nägel in einem Frühlingston anzumalen. Das durfte ich ihr nicht nehmen und ich ließ sie pinseln. Warum nicht. Die über den Nagelrand geratene Farbe geht spätestens beim nächsten Duschen weg, aus Erfahrung...


Et voilà!


Mittwoch, 23. März 2011

Calista's Eispremiere

Mütter mit mehreren Kindern wissen, die Süßigkeiten kann man den Geschwistern nicht so lange vor enthalten wie dem Erstgeborenen. (Und mein Ziel, bis Ostern keine Schleckerein, ist teilweise aufgegeben, seit der Basler Fasnacht...)
So will ich mal in die Runde fragen: Kann man diesem Blick widerstehen?



Dieser Blick, treuherzig und begierig zugleich. Staunen und dringender Wunsch. - Wir haben ihr das Eis nicht gegeben, sie hat es sich genommen. Bei mir haben die kleinen Händchen zugepackt, selbstbewusst und wissend, was man damit macht.




Und an alle, die vielleicht einen inneren Aufschrei unterdrücken müssen... ich habe ihr keinen Esslatz anziehen können. Ich konnte es nicht übers Herz bringen, sie bei dieser Freude zu stören. Ihr erste Wonne, ihren ersten Kontakt mit dem Eis wollte ich sie bedingungslos geniessen lassen. Hingebungsvoll, sinnlich und süss. Dieses reine, pure Geniessen - ich beneide sie darum.




Den Frühling zelebrieren bedeutet Eis essen. Aber auch ohne Jacken draußen sein, Rollschuh fahren, am Boden sitzen, mit Kreide malen, die Sonne im Gesicht haben und dies alles schon in den Morgenstunden. 
Anstatt Telefonante erledigen, einkaufen gehen und sonst was immer, habe ich heute das Mittagessen früher vorbereitet und mit Thalia und Calista den Frühling genossen, bis Cosima von der Schule nach Hause kam. 


Ich liebe die ästhetischen Zufälle, oder ist es einfach mein Geschmack, der sich bestätigt? Die Schuhe habe ich vor vier Jahren für Thalia gekauft, die Haarspange erst kürzlich. 



Seit Calista etwa 4 Monate alt ist, macht sie immer wieder mal diese Geste. Ich finde sie rührend!






Ich verabschiede den heutigen Tag mit den Worten: zelebriert den Frühling, geht raus, atmet tief ein und schenkt euch Freude!



Montag, 21. März 2011

Der Wildrosenstrauch

Heute ist der 21. März und endlich Frühlingsanfang!

Und heute ist der World Down Syndrom Day. Das Datum 21.3. repräsentiert das 3-fach vorhandene 21. Chromosom, welches für die Menschen mit Down Syndrom typisch ist.
Ich finde es wunderbar, dass dieser Tag zusammenfällt mit dem astronomischen Frühlingsanfang. Frühling bedeutet wachsen, austreiben und blühen. Gerne möchte ich heute die Geschichte des Wildrosenstrauchs Euch weiter geben. Ich weiss leider nicht, von wem sie stammt, finde sie aber wunderschön.


Der Wildrosenstrauch

Es waren einmal ein Mann und eine Frau. Die hatten sich ein kleines
Häuschen gebaut und daneben einen Garten angelegt.

Eines Tages kam der Eigentümer des Landes vorbei, schaute sich den
Garten an und stellte lächelnd einen kleinen Rosensetzling vor das
Tor.

Das tat er oft in seinem Land, doch sagte er nie dazu, um welche Sorte
es sich handelt und wie man sie pflegen muß. Die Rosenzüchter mußten
selbst die Bedürfnisse ihrer Geschenke erforschen.

Die Beiden freuten sich über den Setzling und pflanzten mitten ins
Herz ihres Gartens.
Dort begann er zu ihrer Freude kräftig zu wachsen.
Sie liebten ihren Rosenstrauch.

Doch bald schon war zu erkennen, daß er anders war, als die
Rosensträucher, die sie kannten.
Er wuchs schnell und wild in alle Richtungen.

Auch seine Blüten waren anders. Nicht so groß und voll wie die im
Nachbargarten, sondern klein. Man mußte genau hinschauen, um ihre
Schönheit zu erkennen. Aber dafür waren es hunderte!

Und der Duft- nur wer ganz dicht herankam, konnte ihn wahrnehmen. Aber
er war ursprünglicher und echter als alle bisher gekannten Düfte.

Sie hatten viel Arbeit mit ihrem Rosenstrauch. Ständig mußten sie
darauf achten, daß er sich selbst und anderen nicht schadete.
Sie mußten ihn zurückbinden, weil er den Weg zuwucherte, sie mußten
ihm Stützen geben, weil sein übermütiges Wachsen ihn in Gefahr
brachte, abzubrechen, sie mußten ihn manchmal hindern, den anderen
Blumen das Licht zu nehmen.

Und doch - sie liebten ihren Wildrosenstrauch.

All das war mühsam, aber sie taten es gern.
Doch immer öfter blieben die Leute kopfschüttelnd vor ihrem Garten
stehen. Sie murmelten sich zu: "Die sollten sich mal besser um ihren
Rosenstock kümmern! Wie der wächst, das kann man doch nicht zulassen!"

Erfahrene Rosenzüchter gaben ihnen Ratschläge. Die waren sicher alle
gut und richtig - nur auf ihren Rosenstrauch paßten sie nicht, daß
fühlten sie.

Besonders weh tat ihnen die Bemerkung eines Freundes, der selber noch
gar kein Rosenzüchter war.
Er sagte: " Ihr macht das ganz falsch, das sehe ich. Ich habe schon so
vielen Rosenzüchtern zugesehen, ich weiß wie das geht.
Ihr müßt diesen Strauch ganz kurz schneiden, bis auf die Erde herab.
Und wenn er dann wieder austreibt, dann schneidet ihr alles ab, was
nicht normal aussieht.
Ihr werdet sehen, dann vergehen ihm diese Flausen und er wird gerade
wachsen und vernünftige Blüten hervorbringen!"

Die Leute wurden traurig. Machten sie es wirklich so falsch? Sie
wollten doch nur das Beste.

Denn sie liebten ihn doch, ihren Wildrosenstrauch!

Sie gingen durch das Dorf und schauten in alle Gärten hinein. Da
bemerkten sie, was ihnen noch nie so aufgefallen war: es gab noch mehr
Wildrosensträucher.

Aber wie sahen die aus! Einige waren bis zum Verkümmern beschnitten,
andere wucherten völlig haltlos herum.
Viele waren aus dem Herzen des Gartens in einen dunklen, versteckten
Winkel verpflanzt worden.

Nur wenige konnten sich frei entfalten und bekamen doch die Stütze, die
sie brauchten.
Doch diese Wenigen waren von so einer wilden Schönheit, daß es ihr
Herz anrührte.
Sie sahen sich an und wußten, was sie tun wollten.

Und sie liebten ihn, ihren Wildrosenstrauch.

So pflegten und stützten sie ihn.
Genug, daß er Halt hatte und doch nicht so sehr, daß er zerbrach.
Sie hatten viel Mühe mit ihm und manchmal dachten sie, wie viel
leichter es mit einem anderen Rosenstrauch wäre.
Für dessen Blüten würden sie sogar noch Anerkennung bekommen.

Doch wenn sie sich auf ihre kleine Gartenbank setzten, über und um
sich tausen kleine Blüten und eingehüllt in einen wunderbaren Duft, da
wußten sie, daß es sich lohnte.

Oh, wie sie ihn liebten, ihren Wildrosenstrauch.

Eines Tages ging der Besitzer des Landes durch das Dorf.
Vor jedem Garten blieb er stehen und betrachtete die verschiedenen
Rosenträucher. Manchmal lächelte er, aber oft schüttelte er auch
traurig der Kopf und sah sorgenvoll aus.

Als er zum Garten der Beiden kam, blieb er lange stehen.
Dem Mann und der Frau war es etwas bange zu Mute. Waren sie wirklich
verantwortungsvoll mit dem Geschenk umgegangen? Sie hatten getan, war
sie für richtig hielten.
Aber war es das auch? Hätten sie nicht doch...

Der Betrachter am Zaun sagte kein Wort. Aber als er weiterging,
strahlten seine Augen und es schien ihnen, als pfiffe er eine vegnügte
Melodie.

Da wußten sie: Er liebt ihn, so wie er ist, ihren Wildrosenstrauch!


Und ich grüsse hiermit alle Wildrosenkinder und küsse meinen kleinen Strauch liebevoll auf seine zarte Stirn.












Sonntag, 20. März 2011

Parktag

Meine Müdigkeit hat dieses Wochenende ein Mass erreicht, das ich schon lange nicht mehr hatte. Ich glaube, es addiert all diese 6Uhr-hallo-Mama-ich-bins-Calista zusammen. Jeden Morgen um 6Uhr wach werden entspricht nicht meinem Biorhythmus. Eher bin ich spät abends noch wach und geniesse diese Ruhe im Haus und in meinem Körper und das Gefühl, ich kann jetzt stundenlang etwas für mich tun. Es ist einen Trugschluss, denn das, was ich für mich tun sollte, wäre früh ins Bett gehen.

Heute war es zwar sehr kalt, doch die Sonne war da und mir schien es, am Besten mit den Kindern in den Park zu gehen und die gemeinsame Müdigkeit, wir hatten gestern Abend noch eine Einladung, an der frischen Luft auszuhalten.

Der Park ist unser Garten. Ich liebe ihn, denn er ist wunderschön, mit altem Baumbestand, sehr gepflegt und es gibt dort ein Kunstmuseum. Ich gehe zwar, seit ich Kinder habe, nur noch selten eine Ausstellung schauen, doch allein das Wissen, Kultur in meiner Nähe zu haben, ist bereichernd. Die Kunstluft zu schnuppern veredelt sozusagen den Parkbesuch. Das Museumscafé ist bereits für sich einen Grund, hin zu gehen. Die besten Blueberry Muffins gibt es da.

Ich habe also einer Freundin angerufen, Francesca, die das Wochenende alleine mit ihren zwei Kindern war, und wir trafen uns in der Sonne. Auf einer Parkbank sitzend streckten wir unsere Beine, hielten eine Tasse Kaffe in der Hand und schauten den Kindern zu, die mit ihren Fahrrädern ihre Runden drehten.



Beim Hingehen in den Park denke ich oft, ach, hätten wir doch etwas zum Spielen mitgenommen. Federball, Springseil, Seifenblasen, was auch immer. Aus Angst, den Kindern könnte es langweilig werden. Aber ich sollte es wissen, die Natur ist den Kindern nie langweilig, sie wissen immer irgend etwas zu entdecken, auszuprobieren oder zu sammeln. Deshalb ist ein Parkbesuch auch so entspannend. Es ist ein offenes Angebot ohne Spielvorgaben.



Die ehrwürdige Tanne neben dem Café lieben die Kinder heiss. Es gibt so viele starke Äste, die zum klettern einladen. Da üben sie sich in Geschicklichkeit und Selbsteinschätzung. Wie hoch komme ich ohne Schwindel, wie hoch komme ich, ohne stecken zu bleiben und wie klettere ich wieder runter? Zu zweit, zu dritt steigen sie hoch und machen sich gegenseitig Mut und geben Tipps für den nächsten Schritt. Sie besetzen Äste, besuchen sich gegenseitig, rivalisieren sich und helfen einander um wieder sicher auf den Boden zu kommen.

 




Und Du, kleine Calista? Sitzt noch zufrieden zu Mamas Füssen und entdeckst den Mikrokosmos um dich herum. Du leckst Kieselsteine, beobachtest und probierst, wie Erde schmeckt.





Und auch an einem Feuchtigkeitstüchlein darf mal gelutscht werden.




Mit Freuden entdeckten die Kinder gestern die ersten neugierigen Salatsprösslinge. Die Geduld lohnt sich und es braucht noch etwas mehr, bis der Salat geerntet werden kann... Schon faszinierend, diese Winzlinge sollen mal eine Schüssel füllen und uns satt machen?


Auch wenn es kitschig ist, aber bei den eigenen Blumen freut man sich über diese glitzernden Regentropfen wie wenn man es das erste Mal sehen würde und muss sie sofort fotografieren.



Ich wünsche Euch einen friedlichen Wochenstart!
Iren


Donnerstag, 17. März 2011

Drei geschenkte Stunden

Drei Stunden ohne Kinder, d.h. mit Calista, meinem Babylein. Drei Stunden "alleine" sind mir heute überraschend gegönnt. Das sind plötzlich geschenkte Stunden, die einen total verwirren. Was soll ich tun? Drei Stunden, nur für mich. Soll ich erst mal essen? Aufgeschobene Telefonate mit Freundinnen nachholen? Am Computer online Essen einkaufen? Die Briefpost erledigen? In einem Buch lesen? In die Stadt gehen? Den Keller aufräumen? Zu klein gewordene Kinderkleider aussortieren? Zeitung lesen? - Ich bin aber vor allem müde. Ich hab' keine Energie für aufräumen, sortieren, telefonieren, erledigen, einkaufen etc. Soll ich mich hinlegen? Soll ich erst mal was essen? Soll ich am Computer was erledigen? Soll ich doch telefonieren? Die Gedanken machen mich ganz wirr. So viele Möglichkeiten! Und alleine das schon geniesse ich. Diese Gedanken, ich könnte jetzt .... Soll ich mich nun für etwas entscheiden? Soll ich was erledigen oder soll ich einfach nur geniessen?


Ich lege mich mit Calista aufs Sofa und schaue mir zwei Jamie 30-Minuten Menu Sendungen an, die Christian vor einigen Wochen für mich aufgenommen hat. Die will ich jetzt sehen. Einfach so, am hellichten Tag. Das fühlt sich so richtig nach Freiraum an: Fernsehen um 13h. Calista spielt mit ihren neuen Bildkarten neben mir und zwischendurch nenne ich ihr die Wörter, die auf der Karte abgebildet sind: Baby, Ball, Kätzchen, Schuhe.


Calista wird müde, ich auch und die zwei 30'-Menus sind fertig gekocht. Ich nehme Calista in meine Arme und wir legen uns ins grosse Bett. Sie kuschelt sich an mich, stillt und schläft bald ein. Meine Gedanken kreisen immer noch um all die Möglichkeiten, die ich jetzt hätte. Zickzack-artig schiessen sie quer durch meinen Kopf und ich mahne mich immer wieder zur Ruhe. Ausatmen.


Irgendwann muss ich abgetaucht sein, denn die Uhr hat einen kleinen Satz nach vorne gemacht. Ich kann nicht lange geschlafen haben, vielleicht 10 Minuten? Egal, ich fühle mich erfrischt. Das kurze Loslassen hat mich regeneriert. Ich stehe auf und erledige Briefpost, sortiere die Dokumente, die ich dem Pfarrer für Calistas Taufe in Frankreich schicken muss. 


Ich bin zufrieden.

Mittwoch, 16. März 2011

Calista's Untersuchung

verlief heute sehr gut.

Vor einem halben Jahr hatte Calista ihre letzte kardiologische Untersuchung und wir erwarteten den Check von heute mit gemischten Gefühlen. Ihre Herzoperation vor bald einem Jahr (ich werde noch davon berichten) gelang eigentlich sehr gut, doch eine Herzklappeninsuffizienz ist geblieben. Sie zeigte aber keine klinischen Merkmale, sie schien gut damit leben zu können. Aber  wir wurden beim Austritt damals darauf hingewiesen, dass es evtl. in 1-2 Jahren nochmals zu einem Eingriff kommen könnte. Je nachdem, wie sich diese Insuffizienz in der postoperativen Phase nun entwickle.

Calista hat in den letzten Monaten nie den Anschein eines herzkranken Kindes gemacht. Im Gegenteil, sie war immer sehr lebhaft und konzentrierte sich auf ihre motorischen Fähigkeiten. Sie übte sich im Sitzen, Krabbeln und Aufstehen und freute sich immer riesig über die erreichten Fähigkeiten. Sogar die Treppen kraxelt sie inzwischen problemlos hoch. Hinunter, so dass es nicht weh tut, muss noch geübt werden...(habe Arnica stets zur Hand)

Aber ein Restgefühl von Unsicherheit und Zweifel blieb dennoch. Die Angst, sie nochmals hergeben zu müssen. Kein Eingriff ist risikofrei, auch wenn das Vertrauen in Dr. Prêtre und sein Team sehr groß ist.

Calista schien sich an die Untersuchungen erinnern zu können, denn sie hielt tatsächlich ziemlich ruhig...
Wie schon im ersten Satz vorweg genommen, war die Kardiologin heute sehr zufrieden mit Calista's Herz. Die Insuffizienz ist noch da, doch ihr Herz hat in den letzten sechs Monaten, als es keine Medikamente mehr zur Unterstützung erhielt, keine Probleme bekommen. Es hat sich nichts verschlechtert, alles ist gleich geblieben und Calista kann gut mit diesen Voraussetzungen leben. Mit Erleichterung hörte ich der Ärztin zu, wie sie abwinkte: es gibt keine Operation in 1-2 Jahren. Jupi-jupi-duu!! Lass uns tanzen!