Montag, 14. Mai 2012

Zum Muttertag - Teil 1

Gestern war Friede-Freude-Eierkuchen-Muttertag. 
Und heute das Gegenteil. Am Mittag stritt ich mich mit Cosima, bis sie heulte, und heute Abend dasselbe mit Thalia. Ich könnte die Wände hoch gehen im Moment wegen mir selbst, denn ich fühle mich als Versagerin, ziemlich machtlos meiner Wut, Ungeduld und Verzweiflung gegenüber. Einfach weil der Tag nicht so verlief wie er sollte, weil die Kinder, selbst auch müde, sich verschiedenen Dingen gegenüber schwer taten, wie zum Beispiel die Hausaufgaben wie abgemacht erledigen oder rechtzeitig ins Bett gehen und problemlos einschlafen. Aber genau heute brauche ich meinen Feierabend. Genau heute habe ich keine Kraft für besondere Bedürfnisse. Und genau heute gab's grossen Krach. Und ich sehe glasklar, dass die Ursache und Verantwortung der Situation ganz alleine bei mir liegt. An meiner Stimmung, an meinem Gefühlsdurcheinander das ich im Moment habe, das mit meinen Kindern nichts zu tun hat. Es hat mit anderen grossen Entscheidungen zu tun, die gerade anstanden. Die Kinder spüren solche Dinge ganz genau, sie haben feine Antennen. Dessen selbst nicht bewusst, sind sie verunsichert und suchen Mama's Nähe. Meistens dann, wenn man gerade Luft und Raum für sich bräuchte. 
Schwere Kombination. So ist eben auch Muttersein. Nicht nur gemalte Herzen, schlanke Kinderärmchen um den Hals und liebevolle, schmatzende Küsschen. Gestern war alles rosig und heute habe ich Halsschmerzen, weil ich so laut geschrien hab vor Verzweiflung. Ich erzähl's Euch ganz ehrlich, denn auch das gehört dazu. Es gibt nicht immer Zuckerstreusel aufs Brot, manchmal ist es eine dicke Salzschicht und das Gesicht verzieht sich beim Dreinbeissen. 

Muttersein ist eine tägliche Herausforderung, der man sich nicht entziehen kann. Die Kinder spiegeln einen schnörkellos, direkt und ehrlich. Sie holen ans Tageslicht, was im Dunkeln gärt. Und das zu sehen, muss man aushalten können. Man erkennt nicht immer Harmonie und Liebe im Gespiegelten.

Thalia hat eben im Schlaf noch geseufzt. Arme Kleine, sie scheint sich auch noch vom Streit zu erholen. Und ich sitze, während ich das schreibe, noch bei ihr im Zimmer auf dem Boden, den Rücken an ihr Bett gelehnt. Im Dunkeln. Endlich ist sie auch eingeschlafen, endlich habe ich meinen Feierabend. Ich habe mich wieder weitgehend beruhigt. Wir haben uns noch fest umarmt zuletzt und ich habe mich für meine Schreiphase entschuldigt und ihr ins Ohr geflüstert, dass ich sie ganz fest lieb habe und ich sie immer liebe, auch wenn ich wütend bin. Die Liebe ist in meinem Herzen, und wenn ich schreie, dann ist das der Kopf, das hat mit dem Herzen nichts zu tun. Das Herz liebt trotzdem, sowieso und immer. Sie nickte verstehend, richtete sich nochmals vom Bett auf und küsste mich auch auf die Backe. Ein feuchtes, zartes Kinderküsschen. Ich schmelze.

Eigentlich wollte ich andere Gedanken zum Muttertag aufschreiben. Gedanken, die mir gestern und heute durch den Kopf gegangen sind. Aber es ging nicht, ich konnte nicht einfach so über ein Thema philosophieren, nachdem ich heute als Mutter so an meine Grenzen gekommen bin, resp. die Kinder meine inneren Vibrationen so gespiegelt haben. Eigentlich sollte ich mich auch dafür bei ihnen bedanken, und nicht nur für die gestrigen Überraschungen... Heute war mein inoffizieller Muttertag. Ein Muttertag der anderen Art. (Den gibt es mehrmals pro Jahr.)

Aber diese ursprüngliche Absicht des Posts folgen im Teil 2. Ich hoffe, ich schaffe es noch vor Donnerstagmorgen, weil wir dann mit dem VW Bus unsere erste kleine Reise unternehmen werden. Und davon - ja davon werde ich auch berichten!

xxx iren, die Friedliche.

Kommentare:

  1. Eine ganz liebe Umarmung von Mutter zu Mutter, und danke für die Ehrlichkeit, auch im Namen deiner Töchter (wenn ich das so sagen darf)!!!!
    Gute Nacht!
    Gabriela

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    1. Diese Umarmung nehme ich gerne an, liebe Gabriela!

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  2. Ich kann dich so gut verstehen, die eigenen Kinder bringen Seiten in mir zum Vorschein, welche ich zuvor so nicht kannte - im Guten und im Schlechten? Und meistens liegt es an mir, wenn ein Tag so richtig mies läuft... Solange man Fehler vor den Kindern eingestehen kann und Streit wenn möglich vor dem Zubettgehen schlichtet ist das aber auch völlig okay, denke ich. Aber was schreibe ich da, du beschreibst das ja schon in wunderbaren Worten... Ganz liebi grüäss und schlaf gut! anja

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    1. Ja, sie bringen alles ans Licht, diese kleinen Wichtchen. Es zwingt einen, sein Selbst-Bild immer wieder mal zu revidieren...

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  3. Ach ja, das kenne ich, und viele andere sicher auch.
    Man genügt den eigenen, hehren, Ansprüchen nicht immer, und ist dann völlig frustriert.
    Ich bin manchmal grade so richtig in Fahrt, und habe dann einen ganz kleinen Augenblick, in dem ich neben mir stehe und denke: "Wer ist die Irre da?".
    Dann schäme ich mich, fühle mich schrecklich, schalte einen Gang zurück, und werde ganz still und erschöpft. Nervig diese Tage, aber es gibt sie halt auch. Der nächste Tag kann wieder so völlig anders sein, ich akzeptiere das mittlerweile einfach und ziehe mich daran hoch, dass es deutlich mehr gute als solche Tage gibt.
    In diesem Sinn, Kopf hoch, und viel Spass bei eurer Fahrt.

    Viele Grüße,
    Caroline

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    1. Dieses kritisch-neben-sich-stehen kenne ich sehr gut! Man schaut auf einen und schämt sich, dass man mit dieser Person verwandt ist... ;-))

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  4. Danke für deine Worte Iren. Ich spiegle mich selbst darin wieder und es tröstet mich, dass es auch andere Mütter gibt, die solche Tage erleben. Wir versuchen das Beste und sind trotzdem auch nur Menschen...
    Dafür werden die kommenden Tage umso schöner. Man geniesst das Glück mit den Kindern gerade umso mehr nach so einem Tag. Viel Spass bei eurem Ausflug!
    Susanne

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    1. Stimmt, man gibt sein Bestes und an gewissen Tagen ist das viel, und an gewissen Tagen eben nicht. Ich habe auch angefangen, an solchen Tagen den Kindern zu erklären (falls ich es erkannt habe), warum ich keine Nerven habe, gestresst oder traurig bin. Dann beziehen sie es nicht auf sich selbst, sondern sehen, dass in meinem Leben nebenbei auch noch Dinge geschehen, die mich Kraft kosten.

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  5. Ich danke Dir, dass Du auch einen nicht so "runden" Tag hier reinschreibst.

    Obwohl ich keine Kinder habe - aber Kind war - kann ich nur sagen, wie gut ich es finde, dass Du es trotz aller innerer Bewegung es geschafft hast Deiner Tochter zu sagen und zu zeigen, dass Du sie lieb hast. Egal was passiert. Das Wütend zu sein (und auch mal rumzutönen) nicht bedeutet, dass man einander nicht mehr weiterhin und beständig aus tiefstem Herzen liebt.

    **

    Oh, eine weitere Reise. Wunderbar.

    Oona

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    1. Ich erinnere mich auch, dass ich in solchen Momenten mit meiner Mutter immer total überzeugt war, dass sie mich jetzt nicht mehr liebt. Deshalb erinnere ich meine eigenen Kinder gleichzeitig daran, dass ich sie dennoch liebe. Und mich selbst daran zu erinnern, entschärft auch für mich die Situation.
      Inzwischen reagiert Thalia meistens bereits vor mir und sagt dann: aber Mami, du liebst mir doch! Mit diesem Satz hat sie mich, da kann ich gar nicht mehr wütend sein...

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  6. auch ich danke dir liebe iren!

    christina

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  7. Liebe Iren,
    das war ehrlich! Und deshalb so sympathisch. Von den meisten Müttern
    kriegt man doch immer nur die heile Welt zu hören und wie lieb und
    toll und superschlau und höflich und angepasst ihre Kinder sind.
    Und stellt sich gleich und seine eigene Familie und Erziehung in Frage
    und nörgelt an den Kindern rum. Es entspannt mich ungemein, dass auch
    in anderen Familien nicht immer alles Friede-Freude-Eierkuchen ist.
    Aber dass die Liebe im Herzen (wie du schreibst) immer das wichtigste
    bleibt.
    Mit Grüßen von Ursula

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    1. Liebe Ursula, das habe ich inzwischen gelernt: die heile Welt gibt es nicht, bei niemandem. Wir sind da auf der Erde und nicht im Himmel :-))
      Und jene, die es vielleicht so offensiv demonstrieren müssen, die brauchen das vielleicht auch am Meisten...?

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  8. Liebe Iren,

    ganz genauso und nicht anders gings mir gestern auch..... lags an der Luft!?
    Viele Faktoren, die derzeit bei uns in der Familie zusammenkommen, viele Entscheidungen, viele Steine, die einem in den Weg gelegt werden... mitten im Alltag, der genau dann leider nicht läuft, wie er laufen soll...

    Aber wie Susanne schreibt, sind die komemnden Tage dann bestimmt umso schöner.... HOFFEN WIR ES - FÜR DICH, FÜR MICH, FÜR UNS ALLE...

    Viele Grüße
    Alexandra

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    1. Es waren also die Sterne! Bestimmt so eine Wichtige-Entscheidungen-stehen-an-Konstellation, die einen nervös macht und dies prompt von den Kindern noch verstärkt bekommt!

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  9. Und so ist es: wir haben es wieder viel friedlicher. Cosima hat mir ein Handzeichen vorgeschlagen, das ihre Lehrerin in der Schule auch macht. Ich solle dieses Zeichen schweigend machen, dann müsse ich nicht schreien und sie sehe es dann und werde folgen. Bis jetzt hat's funktioniert, Cosima gibt sich Mühe, dass ihr Vorschlag erfolgreich ist :-)) - Was das jetzt familienkonferenzmässig?

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  10. Liebe Iren!
    Deine Geschichte und vor allem aber auch deine Kommentare lassen mich vermuten, dass du eine der klügsten Menschen bist, die mir je (virtuell) begegnet sind! Wie selbstreflektiert du bist! Und du bewegst dich nach vorne! Der Vorschlag deiner Tochter ... tja, sie scheint nach dir zu kommen! Sie erkannte ein Problem und suchte nach der Lösung, um eure Harmonie und sich selbst zu schützen! Darf ich fragen wie alt sie ist?

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  11. Hallo Löwenzahn, Cosima ist acht , aber jedes Kind versucht, die Situation zu verbessern, wenn es danach gefragt wird. Alle Kinder sind sehr klug... Und von mir hat's Cosima bestimmt nicht! :-))

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