Montag, 11. August 2014

blowing in the wind

Gestern Abend sind wir mit unserem VW Bus lachend wieder in unsere Strasse eingebogen. Wir erlebten drei reiche Wochen, vor allem in Frankreich, und sind wohlbehalten und ohne Zwischenfälle wieder gut nach Hause gekommen. Ich bin dankbar dafür. 

Drei Wochen lebte ich ohne Internet und schaute kaum aufs Mobile. Dafür aber begleitete mich treu der Fotoapparat... Ich werde Euch bald ein paar Bilder zeigen, freue mich selber, die nun alle genauer anzuschauen.

Die Ferien habe ich ohne Tageszeitung verbracht, dennoch sind mir die grossen Headlines nicht entgangen. Während ich mit meiner kleinen Familie mein kleines Leben lebte und freie Tage genoss, sind im nahen Osten sehr traurige Entwicklungen weiter geschehen. Ich möchte dieses Lied für heute mit Euch teilen. Ein Evergreen, der mir speziell diese Tage ans Herz geht. Gesungen von der wunderbaren Katie Melua, die mich schon durch den ganzen Tag begleitet (und dabei das konstante, dumpf-grollende Geräusch der Waschmaschine und des Tumblers neben mir charmant übertönt).



Herzliche Grüsse von Iren, die dieses Jahr dennoch fröhliches aus ihrem kleinen Sommerferienleben erzählen wird...

Donnerstag, 17. Juli 2014

Nach dem Sommerregen






Wir fahren am Samstag für drei Wochen los, hungrig auf Abenteuer. Der VW-Bus wird morgen noch mit frischem Motorenöl versorgt, getankt und bepackt. Wenn ich Zeit dazu finde, backe ich noch Parmesan-Kekse zum Knabbern für die ersten Stunden unterwegs. Wir werden unsere Reise wieder in Frankreich beginnen. Erstes Ziel: die Atlantikküste bei Bordeaux. Dort werden wir auf die Familie aus Köln treffen, die wir letzten Sommer in Cornwall kennen gelernt haben; sie sind bereits dort. Wir werden wahrscheinlich noch der Küste entlang Richtung Biarritz fahren, und dann entweder ins Baskenland, oder in die Pyrenäen oder gemütlich durch das Périgord Gebiet (dort gibt es atemberaubende Höhlen mit Steinzeitmalereien) Richtung Marseille steuern. Dort könnten wir Richtung Nizza fahren und noch bei meinen Eltern hallo sagen, oder bei Marseille uns nach Korsika verschiffen. Wir könnten aber auch von Bordeaux aus wieder Richtung Bretagne fahren, weil wir dort noch vieles nicht gesehen haben. Und Cosima träumt davon, wieder nach London zu gehen...

Ich wünsche Euch allen wundervolle Sommertage, ich melde mich wieder in einem Monat.

Herzlich, Iren. 

Freitag, 4. Juli 2014

Thalia's 8. Ballongeburtstag

Die Ereignisse drängen sich in letzter Zeit eins nach den anderen und ich komme kaum zum durchatmen zwischendurch. Ja, die Zeit vor den Sommerferien ist für mich immer viel strenger als die Weihnachtszeit. All die Schulgespräche, Elternabende, Abschlussfeiern, Abschiedsfeste, Geburtstage etc, gepaart mit zunehmender Müdigkeit und Erschöpfung der Kinder. Und noch 8 Tage bis zu den Ferien, wir sind auf der Zielgerade...

Wie auch immer, Thalia's Geburtstag bekommt immer genügend Raum und Zeit. Ich möchte sie meinen Stress nicht spüren lassen. Einmal im Jahr wird nur sie besungen. Sie wird umarmt und geküsst und wir sagen ihr, wie froh wir sind, dass sie zu uns gekommen ist. Damals, vor acht Jahren.

Thalia wartet ungeduldig im Korridor, bis sie ins Wohnzimmer eintreten darf...


Am Vorabend ihres Geburtstages, ich war von meiner Vernissage und deren Vorbereitungen bereits müde und erschöpft und wollte möglichst vor Mitternacht ins Bett kommen, da bat mich Thalia, mich noch ein bisschen zu ihr hinzulegen. Ich stand bereits unter der Türschwelle und schaute Thalia im Halbdunkeln an, wie sie so in ihrem Bett lag und mich um Nähe bat und gleichzeitig wusste ich, dass ich noch einiges zu tun hatte, damit sie morgen einen schönen Geburtstags-Frühstückstisch erwartet. Die Familienfeier findet bei uns immer morgens am Frühstückstisch statt. Dann gibt es Kuchen und Geschenke, dann sind wir unter uns. Das ist ein wichtiger Moment. Cosima musste um neun Uhr bereits wieder im Schwimmtraining sein und es blieb uns also, trotz Samstag, nicht viel gemeinsame Zeit. Der Tisch musste noch am Vorabend geschmückt werden, die Geschenke eingepackt und der Kuchen fertig gebacken sein. 



Ich entschied mich, kurz seufzend, im Moment zu leben und legte mich neben Thalia ins Bett. Sie kuschelte sich in meine Arme und ich hielt sie fest an mich geschmiegt. In dem Moment spürte ich, dass Thalia mir ein Geschenk gemacht hat. Denn wir erlebten einen wunderbaren Moment von Innigkeit, Liebe und Ruhe. Ich hielt sie und flüsterte ihr zu, dass sie, Thalia, um diese Uhrzeit vor acht Jahren noch so eingekuschelt in meinem Bauch lag. Dass es zuvor ein ganz heißer Tag war und die Nacht immer noch angenehm lau. Dass Cosima bereits eingeschlafen war.

Um diese Zeit vor acht Jahren sass ich auf dem kleinen Küchenbalkon, schaute in die warme Nacht hinaus und telefonierte mit meiner Mutter. Ich plante meine erste Hausgeburt und sie war nervös. Sie wünschte sich, ich ginge ins Spital. Wir plauderten ein bisschen, ich war zwei Tage vor dem Termin, alles ruhig. Plötzlich beendete ich das Telefon, verabschiedete mich schnell und hängte auf. Ich sagte meiner Mutter kein Wort, dass ich während des Gesprächs nun eben die ersten Wehen bekam. Wenn sie gewusst hätte, dass ich in dieser Nacht gebären werde, dann hätte sie kein Auge zugedrückt. Ich rief sie dann am nächsten Morgen nach acht Uhr an, sie war bereits an der Arbeit, und erzählte ihr, dass am frühen Morgen Thalia zur Welt kam, Zuhause im Gebärpool. Eine rasche, einfache und unkomplizierte Geburt.

Mit diesen Gefühlen und Gedanken lag ich acht Jahre später mit meiner Thalia in ihrem Bett, spürte ihren Körper an meinem und war zutiefst dankbar. Ich weiss nicht, wie lange ich bei ihr lag, vielleicht eine Stunde? Sie war inzwischen glücklich eingeschlafen und ich erlebte einen Moment, der mir sehr kostbar war. Schlafmangel kann ich nachholen, nicht aber diesen Moment.


Wir feierten ihren achten Geburtstag mit einem Ballonfest. "Der rote Ballon" war meine Inspiration. Sind sie nicht wunderschön, diese roten Ballone? Ich mietete eine Gasbombe und füllte unzählige rote Ballone mit Gas. Die Kinder jubelten und freuten sich darüber, es war eine Freude, ihnen zuzusehen. Ich hätte eigentlich nichts anderes organisieren müssen als diese unzähligen roten Gasballone. Diese alleine machte die Kinder bereits glücklich.



Meine Freundin und Thalias Patin Anja. Sie kriegt auch immer eine Kindereinladungskarte, das ist Thalia wichtig.


Nach zwei lustigen Ballonspielen erhielt jedes Kind ein Zettelchen und einen Stift und wurde aufgefordert, einen Wunsch aufzuschreiben. Oder einen Gruß in den Himmel zu schicken. Eifrig wurde "gearbeitet" und untereinander ausgetauscht. Die Zettelchen banden wir an Ballone und ließen sie draußen alle gleichzeitig steigen. Es war ein toller Moment!



Wer sieht Calista's Füsschen...?

Calista's Wunsch oder Himmelsgruß.



Thalia schrieb ihrer verstorbenen Uroma.

Nach dem "Zvieri" und dem wunderhübschen Ballonkuchen von Anja zogen sich die Kinder um und wir machten draußen eine Wasserballonschlacht. Anja und ich schauten uns kurz vor Start an und wussten, eines der Kinder wird sicher weinen. Wasserballonschlacht. Das wird fies. Und so kam es. Doch zum Glück waren es Cosima und Thalia, und keines der Besucherkinder, die aus Spaß plötzlich ernst machten und aufeinander los schossen, bis beide kurz aufheulen mussten. 



Mit "Zuckergussleim" klebten Jellybean-Ballone auf den Tellern, die Schleckmaul Cosima hier weggenascht hat.



Wir haben zum Andenken ans Fest jedes Kind mit einer schwarz/weiß Polaroid in der gleichen Pose fotografiert. Sie durften dann den Ballon rot anmalen und ich schnitt ihren Umriss so aus, dass man ein 3D-Foto falten konnte. Ich liebe die Fotos mit diesem einfachen Effekt. Dazu bekamen die Kinder noch einen handgroßen Ballon aus Stoff mit nach Hause, der mit SUGUS (Fruchtkaramellen) gefüllt war.



Und nach der wilden Schlacht durften die Mädchen zum Abschluss noch den 30 minütigen Filmklassiker "Le Ballon Rouge" schauen, den sie fragten mich bereits, weshalb wir nur rote Ballon hätten...

... 

Weil sie so schön sind!

Mit luftrotem Herzgruß
Iren.

Montag, 30. Juni 2014

... und schnell vorbei!

Lange haben wir sechs Fotografen auf diesen Moment hingearbeitet und gebibbert. Wir planten eine Gruppenausstellung, um unser gemeinsames Projekt zu zeigen. Es war für fast alle das erste Mal, dass wir eigene Arbeiten öffentlich hängen. Wie ich bereits im letzten Post schrieb, habe ich dies als großer Unterschied empfunden. Ich war viel nervöser, weil ich vielen kritischen und neugierigen Augen etwas persönliches von mir anbot. Weil ich mich zeigte. Ich und meine Arbeit. Was meinen die Anderen dazu? Wirken die Bilder langweilig? Banal? Darf ich meinen Besuchern zumuten, sechs Stockwerke hoch zu gehen, um dann, etwas außer Atem, vielleicht nichts spannendes vorzufinden? - Ich hatte Angst...

Kurz vor der Vernissage haben wir draussen alle mit einem Glas Prosecco angestossen und uns etwas Mut gegeben...
Klar, es kamen meine Freunde und Familie. Sie waren von Anbeginn an wohlwollend. Und sicher haben sie mir nicht jeden Gedanken mitgeteilt, den sie gehabt haben... Aber - die Stimmung war gut, es gab noch viele andere tolle Arbeiten zu schauen und ich hoffe, dass es niemand bereut hat, vorbei zu schauen. Die Photobastei, ein Haus mit sieben Stockwerken voller Fotografie, ist immer einen Besuch wert.

Getragen habe ich am Schluss, nachdem das Bett mit hingeschmißenen Kleidern voll war, nichts mutiges: Ein Paar schwarze, enge Jeans, ein weißes Leinentop und verwaschene Turnschuhe. Christian fand die Turnschuhe nicht so toll, aber ich glaube, als er dann sah, in welchem kurz-vor-dem-Abbruch-Gebäude-mit-Indusrie-groove wir ausstellen, fand er es auch passend. Turnschuhe gehen in der Kunstszene sowieso immer. Das ist nie eine Fehlentscheidung.


Im roten Shirt Jürg, unser "Mentor-Fotograf", der uns in diesem Projekt toll unterstützt hat.
Seine kurze Ansprache...
Im Hintergrund mein absolutes Lieblingsbild der Ausstellung, von Matthias fotografiert, der uns links gerade den Rücken kehrt.
Das Thema, das wir uns gaben, war, je eine Person zu suchen, die wir möglichst nicht gut kennen, und sie über 6 Monate immer wieder zu treffen und zu porträtieren. Ich habe dazu Gabi angefragt und sie hat mir spontan zugesagt. Sie fügte aber noch an, dass sie sehr schwer zu fotografieren sei. Ich war davon mal nicht beeindruckt. Das sagen die meisten von sich. 

Es stellte sich für mich aber wirklich als eine große Herausforderung dar, von Gabi jene Bilder zu machen, die ich wollte und nicht die, welche sie von sich vorstellte. Gabi ist eine Frau, die stets in Bewegung ist, spricht, lacht und gestikuliert. Es ist sehr unterhaltsam mit ihr, doch ich wollte nicht diese Gabi zeigen. Ich wollte tiefer in sie eindringen und Bilder erhaschen, in denen sie etwas unkontrollierter, "nackter", sensibler oder stiller ist.

Zwei Bilder habe ich mit einer analogen Hasselblad fotografiert und dann einen Silbergelatin-Barytabzug machen lassen. Ich liebe diese alte Technik, es liegen, wenn man die ganze Nostalgie abschminkt, immer noch Welten dazwischen. Diese Tiefe, dieses Körperhafte, dieses Dreidimensionale, diesen Sog... Ich liebe es.

In analoger Fotografie zeigte ich von Gabi ein Diptychon: Kopf und Füße. Füße, das habe ich gemerkt, wird mit zunehmendem Alter weniger gerne gezeigt, möchte man lieber nicht fotografieren lassen. Gabi hat auch da spontan ihre Zustimmung gegeben, obwohl ihre gepflegten Füße an keinem Schönheitswettbewerb gewinnen würden. Aber es ist für mich mein allerschönstes Bild geworden. Ihre Fußsohlen erzählen ihr ganzes Leben. So, wie ihr Gesicht. Pur und ehrlich. Ich mag das.

Gabi wird in einem Monat 60 Jahre alt. Sie war im Vorfeld etwas kritisch, weil sie nicht so glücklich war über meine Wahl des Porträts. Doch als sie dann vor den Bildern stand, war sie total überwältigt. Positiv überwältigt, zum Glück. Mit Tränen in den Augen erklärte sie mir, dass unsere gemeinsame Arbeit sie in den vergangenen Monaten beim Prozess unterstützte, im jetzigen, aktuellen Alter anzukommen. Das ist Gabi. Jetzt und heute. Gabi, die auf den Bildern zuerst über ihr Alter erschrak, dann aber mit etwas Stolz und Freude sehen konnte, dass sie trotzdem immer noch schön ist. - Das war mein schönstes Feedback, das ich erhalten habe.

Gabi, meine Protagonistin.



Herzliche Grüße von Iren, die mit ihren Fotografenfreunden zusammen nun noch ein Magazin plant, weil sie alle aus Platzgründen nur einen Bruchteil der gelungenen Bildern zeigen konnten, die im Verlauf der vergangenen Monaten entstanden sind. Und die im nächsten Post von Thalias Geburtstag erzählt.