Montag, 7. Oktober 2013

Heimweh

Ich habe Heimweh nach Cosima. Liege Abends im Bett und denke an sie. Stehe morgens auf und denke an sie. Laufe den ganzen Tag hierhin und und dorthin und denke an sie. Ich könnte auch losheulen, würde ich es nur zulassen. Die erstickten Tränen machen mich schwerfällig. Wann nur ist Freitag?

Seit vergangenem Samstag früh ist Cosima in die Berge ins Trainingslager ihres Synchronschwimmclubs gefahren. Das erste Mal in ihrem Leben und sie freute sich. Wurde aber die Tage zuvor auch anhänglicher... Und wir sprachen übers Heimweh und dass es zu einem Lager dazu gehöre. Ich dachte dabei vor allem an ihr Heimweh. Ich erwartete nicht, dass ich mindestens so stark Heimweh nach ihr haben werde. Vermissen schon, aber so richtig Heimweh? Heute morgen dann schickte ich ihrer Trainerin ein SMS mit den Worten: Das Mamaherz möchte gerne wissen wie es Cosima geht...

Telefonieren ist nicht geplant, bei 29 Mädchen gäbe das abendfüllendes Programm jeden Tag. Mit dem Resultat, dass dann die meisten weinen, weil die eine die andere anstecken würde. Also werde ich sie erst am Freitag wieder sprechen können. 

Vergangenen Samstag und Sonntag arbeitete ich intensiv. Für eine Ausstellung habe ich mit vier anderen Kunst- und Kulturschaffenden 211 eingereichte Arbeiten von Künstler und Künstlerinnen juriert. Das tat gut, ich konnte mich gut ablenken. Jetzt aber habe ich eine Woche vor mir, die mir viele Gedankenreisen in die Berge zu Cosima zulässt. Wie geht es ihr jetzt, was macht sie gerade? Das frage ich mich immer und immer wieder. Loslassen ist schwer.  

Die Trainerin schrieb heute zurück, dass es Cosima super gehe, obwohl sie abends ein bisschen Heimweh habe... doch sie konnte bisher gut einschlafen. Die Mädchen trainieren alle viel und machen gute Fortschritte. Das Essen sei fein und die Stimmung super. - Diese Worte haben mich beruhigt. Und ich erinnere mich an die Lagererfahrungen aus meiner Kindheit und stelle mir vor, wie viel Spaß und tolle Momente Cosima erleben wird. Und dieses Gefühl, eine Woche lang ganz auf sich selbst gestellt zu sein, ohne Mama im Hintergrund. Ich freue ich für sie! Beim Abschied küsste ich sie und sagte, dass sie nun eine Woche weg fährt, aber ein Jahr älter zurück kommen werde. Sie guckte mich erstaunt an und verstand nicht ganz, was ich meinte. Doch so richtig verstehen wird sie meine Worte, wenn sie nach Hause kommt und den Fuß in ihr Zimmer setzt. Dann wird sie realisieren, dass sie nicht mehr der gleiche Mensch ist, den sie beim Verlassen des Zimmers noch war. Innerlich älter. Schwups, in einer Woche.

Ich zähle die Stunden bis Freitag. Schaffe ich das, noch vier Tage ohne Cosima - vor allem ohne mit ihr sprechen zu können?!? Es ist hart, ein voller Entzug. Ich habe Herzschmerz. Ich habe Heimweh.

Es grüt Euch, 
Iren,

(die mit Thalia heute im Puppentheater "Mein Vater" von Margrit Gysin war. Berührend schön! Sie tourt in der Schweiz, aber viel auch in Deutschland, mit verschiedenen Stücken. Wer kann, sollte hingehen! Es ist träumerisch, tiefgehend, poetisch, philosophisch, lustig... auch für Erwachsene. Oder vor allem?)

Samstag, 28. September 2013

Wir ernten


Heute waren Christian, Thalia und Calista an der Apfelernte bei uns im Quartier. Die Bäume gehören der Stadt und jedes Jahr dürfen alle, die Lust haben, mithelfen, Äpfel, Quitten und Trauben zu ernten und dabei eigene Säcke voll mit nach Hause zu nehmen. 
Die Kilos von Quitten die Christian nach Hause trug ließen ihn an seine Eltern erinnern und er ging "Quittenmarmelade" googeln. Seine Mutter und später sein Vater waren große Quittenmarmeladenköche. Mit dem Ipad neben sich auf der Brotbox stand Christian am Herd und machte sich zu schaffen. Waschen, schneiden, wägen, mischen, aufkochen, rühren, pürieren, schlecken und umfüllen: Voilà! Wir haben nun zehn Gläser süßer Quittenmarmelade und einen Mann, der erfüllt und glücklich lächelt. Ernten tut gut.  
Mit den mitgebrachten Äpfeln buk ich derweil einen Apfelkuchen, wie ich ihn von meiner Mutter gelernt habe. Den gab es zum Abendessen mit heißem Kakao. Ein Samstagabend voller Nostalgie aus unserer Kindheit, für mich und Christian. Und zu meiner Freude liebten meine Kinder diesen Kuchen auch. Ich musste schon öfters erleben, dass meine Mädchen Speisen, die ich als Kind heiß geliebt habe, gar nicht mochten. Und ich war ziemlich enttäuscht, diese Geschmacksfreuden aus meiner Kindheit nicht mit ihnen teilen, meine Lieblingsessen nicht in eine Tradition setzen zu können. Aber diesen Kuchen fanden sie herbstlich köstlich lecker!

Ich bereite erst einen süssen Hefeteig zu mit 300g Dinkelruchmehl, 1 Ei, 2 EL Zucker, 3/4 TL Salz, Zeste einer Biozitrone und 1-2dl Vollmilch (soviel, bis der Teig die richtige Feuchtigkeit hat). Dann schäle ich 6-8 Boskopäpfel, schneide Schnitze und beträufle sie mit Zitronensaft. Ist der Teig aufgegangen, bebuttere und mehliere ich ein großes Backblech und walle den Teig darauf aus. Ich benutze kein Backpapier, damit der Teigboden knuspriger wird. Auf den Hefeteig lege ich in Reih und Glied die Apfelschnitze aus und ich bestreue die Schnitze mit Zitronenzesten von der zweiten Biozitrone und (Muscovado-)Zucker. Der Kuchen kommt in den Ofen für 25-30min bei 200°. 10 Minuten vor dem Ende kommt noch eine handvoll Rosinen drüber. Lauwarm essen und heissen Kakao dazu trinken. Uns fehlte nur noch ein Kaminfeuer...

Seit bei uns auf der Terrasse eine Himbeerestaude in einem großen Topf wächst, habe ich gelernt, dass man meine Lieblingsbeere nicht nur im Frühsommer für eine kurze Zeit ernten kann, wie zum Beispiel die Johannisbeeren, sondern über den ganzen Sommer lang bis in den Herbst hinein immer wieder eine handvoll reifer Beeren finden und naschen kann. Das gefällt uns! Meistens wird geteilt, jeder kriegt eine Beere in den Mund, dann müssen wir wieder ein paar Tage warten. Aber manchmal, da geht einer von uns heimlich zur Staude und erbittet sich eine Beere...



























Es grüßt Euch herzlich
Iren, die den Nachmittag mit einem Fotoworkshop verbrachte und hofft, dass sie da auch mal ernten darf...

Freitag, 20. September 2013

Zwischendurch mal...

...zwischendurch mal, da habe ich das Gefühl, ich habe etwas Luft. Zwischendurch mal, da fühle ich mich wieder mal gelassen und energetisiert. Zwischendurch mal haben wir ein bisschen freie Zeit, da denke ich sofort: Was könnten wir Schönes machen? 

Mit weissem Ton kneten! Es war Montag, Calista war in der Krippe und ich bat meine beiden grossen Mädchen, nach der Nachmittagsschule zu mir ins Atelier zu kommen. Wir wollen Eierbecher formen. 


Ein Buch meiner lieben Nachbarinfreundin und Ateliergenossin Iris hat mich inspiriert, zusammen mit dem Wunsch meiner Kinder, wieder mal mit Ton arbeiten zu dürfen. Bunte Tiere sollen es werden, die uns am Sonntagsfrühstückstisch die weich gekochten Eier halten, damit sie dann mit dem "Eier-soll-bruch-stellen-verursacher" geköpft und ausgelöffelt werden können. Schnecken, Hasen, Schlangen, Muscheln, Seesterne und Delphine sind entstanden. Sie trocknen nun an der Luft und werden noch bunt angemalt und lackiert.


Und zwischendurch machte ich heissen Kakao wie meine Mutter ihn früher mit Apfelkuchen servierte. Pro Tasse je ein Kaffeelöffel ungesüssten Kakao und Zucker mit wenig kaltem Wasser gut miteinander mischen und dann mit kochendem Wasser (für mich) oder heisser Milch (für Cosima) oder ein Gemisch davon (für Thalia) aufgiessen und schlürfend geniessen!


Ein anderes Zwischendurch, es war Dienstagmorgen und die Grossen in der Schule, da wollte ich was mit Calista machen. Ich holte die Bettlaken hervor, die ich zu einem Häuschen umgenäht habe, und die man über den Esstisch legen kann. Calista kriegte also ein kleines gemütliches Heim unterem Tisch, mit Herd und Sitzkissen. Sie kochte und knabberte und wir schauten Bilderbücher an.



Und zwischen den Zwischendurchs, da renne ich herum. Einkaufen, Kochen, Hausaufgaben, Elternabende, Sitzungen für die nächste Ausstellung "Das kleine Format", Schulung, immer wieder Fahrdienste ins Schwimmen, Fotoaufträge ausführen, nach feuchtem Keller muffelnde Winterkleider aus den Kisten holen und durchsehen, Sommerzeugs aussortieren, Christians Geburtstag feiern, Augenarztbesuch, Tierarztbesuch, Thalia's erste Klavierstunde, mit ihr Klavier üben, erste Synchronschwimmshow von Cosima beklatschen, staubsaugen, verstorbener Lemming begraben, Cosima in den Geigenworkshop begleiten, Muffins backen, Wäsche waschen und zusammenlegen, Herbstfest teilnehmen, nachts Hustenanfälle durchstehen, morgens früh Calista überzeugen, nochmals eine Stunde zu schlafen, grosser Schrank ausmisten und neu sortieren, Kindergeburtstagsgeschenke kaufen, Federkohl und rote Beete pflanzen, Schneckenkörner kaufen, wieder Federkohl pflanzen (weil der erste von den Schnecken gemampft wurde), immer wieder Nasen putzen, Füsschen massieren, mit Thalia erste Lesebücher lesen, mit Cosima Englischdiktat üben, in die Schule rennen und vergessener Turnsack bringen, verschiedene neue Schuhe mit Cosima kaufen, eine weitere Ladung Will-ich-nicht-mehr-haben ins Brockenhaus bringen, mit Beule Gassi gehen, Emails beantworten und - Zähne putzen.

Genau das steht nämlich gleich an. Ich muss ins Bett und hoffe auf ein baldiges neues Zwischendurch. Ein Zwischendurch, bei dem ich endlich die Fotos sortieren und über unseren Urlaub einen Post schreiben kann. Urlaub? Ach ja, wir sind einst losgefahren in der Absicht, Abenteuer zu erleben und uns dabei zu erholen...

Es grüsst Euch herzlich, 
Iren

(gestern Nacht geschrieben, heute morgen gepostet)

Montag, 2. September 2013

Das Apfelmüesli

Eben habe ich die, von meinem Schwiegervater geerbte, Körnerpresse hervor gekramt und Dinkelflocken gemacht. Ein WOW-Erlebnis! Das erste mal seit neun Jahren, das erste mal seit wir sie besitzen, drehte ich am Hebel und "zauberte" frisch geschrotetes Korn. Und warum wartete ich so lange, warum habe ich dies nicht schon viel früher gemacht? Fragte ich mich während ich mit Leichtigkeit die Körner zu Flocken presste. Ich suche nicht weiter nach einer Antwort, denn sie ist nicht mehr relevant. Ich habe diese Körnerpresse nun für mich entdeckt und erlebte, wie schnell sie montiert und in Gebrauch ist und wie leicht ich Flocken daraus pressen kann. 

Und wie ich mit den Fingern durch das frisch geschrotete Korn fuhr und es fasziniert durch meine Hände gleiten ließ, wusste ich auch gleich, was ich nun regelmäßig wieder frühstücken werde: Ein Apfelmüesli. Davon möchte ich nun erzählen...



























Es haben natürlich schon alle von Euch ein Müsli gegessen. Ein Birchermüsli. Ein Birchermüsli mit reichlich Haferflocken, Milch und Rahm, Joghurt, Zucker, Nüssen und Früchten. So kennen wir es, so essen wir es und so lieben wir es. Und denken, dass es sehr gesund sei. Obwohl es nicht ungesund ist, so ist es bei weitem nicht so gesund, wie es sein könnte. Denn Dr. Bircher-Benner hat dieses Müesli als Diätspeise "erfunden" und es ist in seinem Originalrezept im Grundgedanken recht anders, vor allem im Mengenverhältnis. Heute in original kaum noch anzutreffen, vor allem nicht in Restaurants und als Take-away.

Ich habe von Fränzi, einer lieben Freundin und manchmal "Ersatzmutter" von mir, vor vielen Jahren ein Büchlein geschenkt bekommen. Das Bircher-Benner-Handbuch mit dem Titel "Frischsäfte, Rohkost und Früchtespeisen". Es ist ein sehr interessantes, lehrreiches Buch, das man noch HIER beziehen kann. In diesem Handbuch steht:

"Im Grunde führte Dr. Bircher-Benner mit der "Früchtediätspeise" einen alten Brauch seiner Heimat wieder ein; denn es war in obstreichen Gegenden in der Schweiz früher Sitte gewesen, kleinere Mahlzeiten, namentlich das Abendmahl, einfach aus Obst, Kornmus und Milch bestehen zu lassen, wozu oft noch Nüsse kamen. Obst-Korn-Milch, die Komponenten des "Müesli", sind ein altehrwürdiger und auch ein überaus natürlicher Dreiklang in der Diätetik, mit den Nüssen zusammen ein Vierklang. Früher allerdings wurden diese Nahrungsmittel meistens unzerkleinert gegessen oder vielmehr mit den kräftigen Zähnen zermahlen und im Innern des Körpers, statt in der Küche, untereinandergemischt.
Am Ende des 19. Jahrhunderts fand Dr. Bircher-Benner nun eine ganz andere Situation vor. Der alte Brauch war fast vergessen und das Obst, namentlich das frische, in Verruf gekommen, so dass man es zum grössten Teil in Obstwein und Schnaps verwandelte und als einen puren Luxus ansah, höchstens als Nachspeise oder Näscherei und auch dann vorzugsweise gedünstet und gezuckert zu sich nahm. Leute mit heiklem Magen hüteten sich vor frischem Obst, als wäre es Gift gewesen, und doch bedurften ja gerade sie seiner am meisten. Dr. Bircher-Benner musste also einen Weg finden, das frische Obst den Menschen wieder zu einer liebenswerten täglichen Gewohnheit zu machen, und dies nicht nur für jene relativ wenigen Menschen, die noch kräftige Zähne hatten, sondern auch für die vielen mit geschwächter Kaukraft. Das "Bircher-Müesli" war dieser Weg. Es gefiel so sehr, dass Dr. Bicher-Benners Patienten es bei sich einführten, dass Freunde und Bekannte sie nach dem Rezept fragten, und dass es so in weite Bevölkerungskreise eindrang, lange bevor die Zubereitung zum erstenmal in dem kleinen, 1924 erschienenen Buche "Früchtespeisen und Rohgemüse" eingehend beschrieben wurde. Viele Gaststätten in der Schweiz führten das "Müesli" ein. (...) Es ist wieder so etwas wie eine Nationalspeise geworden. Das Müesli ist feiner und leckerer als die alte Bauernspeise. Warum nicht? - Es ist deswegen nicht weniger gesund. Die Zusammensetzung ist nach den Kenntnissen der modernen Ernährungsphysiologie erstaunlich erfrischend, rezent und rund, indem sämtliche Nahrungsbestandteile in gutem Verhältnis darin vertreten sind. (...) Ein gutes Birchermüesli zu machen, ist zwar im Grunde nicht schwer, und doch wird es so häufig ganz verkehrt und schlecht zubereitet."

Als ich dann das Rezept las und zum ersten Mal selbst das original "Apfelmüesli" zubereitete, wusste ich beim ersten Mundvoll, dass ich in meinem Leben vorher noch nie ein echtes Birchermüesli gegessen habe. Ein neues Eßerlebis.

Im Buch geht es dann weiter:

"Das Müsli wird gut gelingen und seinen wertvollen Sinn erfüllen, wenn man folgende drei Punkte im Auge behält:

1. Man denke stets daran, dass es sich um eine Obstspeise handelt. (...) Beim Müesli ist das Obst durchaus die Hauptsache, alles andere Zutat. Man nehme also nicht mehr Haferflocken, als im Rezept angegeben ist: ein schwachgestrichener Esslöffel pro Person. Der Obstgeschmack darf in keiner Weise durch den Getreidegeschmack verdeckt werden. Das Müsli soll leicht und fruchtig sein, eine richtige Obstspeise. Der Löffel darf nicht darin aufrecht stehen bleiben!

2. Das Bircher-Müesli soll, wenn immer möglich, eine Frischspeise sein. Erstes Erfordernis ist, dass die Zubereitung immer ganz unmittelbar vor dem Essen erfolgt und dass man die Menge eher zu knapp als zu reichlich bemisst, um keine Resten zu haben. (...) Ein fixfertiges Schachtelmüesli im Schaufenster ist ein Widersinn.

3. Man beachte, dass das Müsli an den Anfang der Mahlzeit gehört und nicht ans Ende. (...) Die Frischwerte können nur am Anfang, bei frischem Appetit und nüchternem Magen, richtig zu Geltung kommen."

Seid ihr schon neugierig geworden, ja? Hier das Originalrezept:


Grundrezept für 1 Portion

1 gestr. El Haferflocken (oder Dinkelflocken,...)
3 El Wasser
1 El Zitronensaft
200g säuerlicher Apfel (das ist etwa ein grosser)
1 El Naturjoghurt (oder 1 EL Kondensmilch oder Rahm oder für Veganer ein Milchersatz)
kleine handvoll Nüsse (Baumnüsse, Haselnüsse oder auch Mandeln, vorzugsweise kurz geröstet)


Man weicht das geschrotete Korn mit 3 EL Wasser über Nacht ein, min. 12 Stunden. Wenn man feine Haferflocken kauft, ist das aber nicht mehr nötig, weil die schon anders verarbeitet sind. Aber so etwa 20-30Min einweichen ist auch da gut. Dann gibt man den Zitronensaft dazu und reibt die Äpfel mit der Bircher-Reibe (feine Reibe) rasch und kräftig dazu und mischt es gleich mit den Haferflocken. Dann gibt man den Joghurt dazu und zuletzt streut man die grob gehackten Nüsse darüber und - sofort geniessen! Hmmm...

Iren, die sich bereits auf Morgen freut.

PS: Man kann natürlich auch andere Früchte/Beeren nehmen, ich persönlich mag aber das Apfelmüsli besonders gerne. Eine andere sehr feine Version habe ich kürzlich bei Green Kitchen Stories gelesen und ausprobiert, war auch sehr lecker! Dort habe ich einfach die Menge der Haferflocken auf die empfohlene Dosis (1 gestr. EL) von Dr. Bircher-Benner reduziert: Orange-Vanilla-Overnight-Oats.

Mittwoch, 28. August 2013

Mami?

Ich ziehe Calista gerade ihr rotes Jäckchen an, um zusammen nach draussen zu gehen, da sagt sie: Mami? - Ja, Calista? - Gääm!(gern) und sie umschlingt meinen Hals mit ihren zarten Kinderärmchen und lacht mir ins Ohr. (Und würde ich aus einer schmelzenden Substanz bestehen, wäre ich nur noch eine Pfütze gewesen...)


Beim Gute-Nacht-Kuss gestern Abend hat mich Thalia fest umarmt und mir versichert, sie werde nie, nie weglaufen! Ich gehe mich nur verstecken, und dann komme ich hervor, wenn du mich rufst. Ich vermisse Dich sonst zu fest. - Dann bin ich aber froh, ich vermisse dich sonst auch zu fest... Das war der versöhnliche Abschluss eines turbulenten Mittags, an dem die beiden Grossen so heftig und laut stritten, bis sie Calista aus dem Mittagsschlaf rissen (und ich war so stolz und froh, sie endlich wieder einmal in den Schlaf bekommen zu haben und habe mir schon die kühnsten Pläne ausgeheckt, was ich alles machen werde, wenn die Grossen nun gleich in die Schule gehen...) und ich dann wie Rumpelstilzchen sehr wütend und noch lauter als sie wurde und Dinge sagte, die nicht nett waren. Darauf hin hat Thalia verkündet, dass sie nun ausziehen werde, zur Tür ging und sie mit einem lauten Knall ins Schloss fallen liess. Als ich fünf Minuten später hinaus ging, um sie zu rufen, für in die Schule, da war es ganz still draussen und nichts rührte sich. Ich lief rufend in der Nachbarschaft herum und kriegte plötzlich Angst und glaubte doch, dass sie ernsthaft irgendwo hin gelaufen ist. Als ich dann wieder zu unserer Haustür zurück kam, erblickte ich dort ein kleines Mädchen mit eingezogenen Schultern und gesenktem Kopf, das mich unsicher anschaute. Ich eilte auf sie zu und wir umarmten uns ganz fest. Sie habe nur die Tür zugeknallt, sei aber drin geblieben und habe sich mit Bello (ihr grosser Stofftierhund) unter der Treppe versteckt... Bin ich froh, dass du nicht weggelaufen bist, mein Schatz! Ich bitte auch um Entschuldigung für die unnetten Worte...


Heute morgen kriegte ich von Cosima ein süsses Briefchen mit vielen Herzchen und sie gratulierte uns zu unserem Hochzeitstag. Später dann musste ich sie fest umarmen und mich entschuldigen, weil ich gleich los schimpfte, als sie fragte, ob sie Geld mit in die Schule nehmen dürfe. Ich wollte nicht, dass sie sich viel grösser fühlt als sie ist und glaubt, in der grossen Pause mit dem Geld in den nächsten Laden zu laufen und sich etwas kaufen zu können (wie es ältere Mädchen schon gemacht haben). Darauf hin schaute mich Cosima wütend an und sagte: Dann kaufe ich dir halt kein Geschenk! Geht ins Zimmer und schlägt die Tür zu. Voll daneben! Ich Doofkopf habe nur schlechte Gedanken in sie projiziert, dabei wollte sie mir nichts als Freude bereiten. Weil wir heute Hochzeitstag haben und Christian beruflich weg ist, in Südafrika. Es waren reine, liebliche Absichten.


Wie schrecklich Mütter sein können.

Ja, die Kinder sind unsere Lehrer, jeden Tag - jeden Tag bekomme ich emotionale Lektionen. Danke! 

Iren (die auch heute wieder "Ja" sagt... zu Christian und zu allem.)

Nachtrag von heute Abend: Cosima und Thalia haben mir am Nachmittag Küchenverbot gegeben und spontan einen "Freestyle-Kuchen" gebacken, d.h. ohne Rezept... - dies zur Feier unseres Hochzeitstages (armer Christian, ganz alleine in Südafrika...). Er hat wunderbar nach Liebe geschmeckt und ich hätte noch viel mehr essen können, als auf dem Teller war! Thalia hat mir dann ganz begeistert das Rezept niedergeschrieben. Das kommt nun in mein Familienkochbuch:


3 Eier, 10 Löffel Mehl, 3 Löffel Puderzucker, halbes "Säcklein" Salz (?) und Schokolade.

Donnerstag, 22. August 2013

etwas Musik

Die Woche ist gestartet mit einer grossen Welle, die schäumend über mich schwappte. Ich bin noch dabei, in diesem Meer schwimmen zu lernen, ohne dauernd den Kopf unter Wasser zu haben oder mich zu verschlucken...

Unsere Mädchen sind gerade dabei, wieder Quantensprünge in ihrer Entwicklung zu machen. Schulanfang, neue Klasse, neue Lehrerinnen, neue Spielgruppe, neue Sportteams, neue Anforderungen. Es ist eigentlich eine sehr spannende Phase. Aber für mich bedeutet dies alles neue Stundenpläne, Musikstunden über Mittag, Sporttrainings an drei Abenden und natürlich Bringen-Holen-bringen-holen-bringen-holen... Ich habe noch überhaupt keine Routine, um einen mehr oder weniger harmonischen Ablauf hinzubekommen. Ferienrhythmus noch in den Knochen und Christian die ganze Woche weg - dies rundet unseren neuen Alltag von dieser Woche ab. Dieses Schuljahr ist von mir viel clevere Organisation gefragt, sonst werde ich im Hamsterrad laufen. Aber ich will es schaffen, für jedes einzelne Kind regelmässige Zeitnischen im Alltag zu finden, wie auch für mich und für Christian. Diese Zwischenräume sind sehr wichtig.

Meine Ärztin, die meine Eisenwerte regelmässig kontrolliert, hat mir heute Chinesische Kräuter und Tinkturen verschrieben, um mich körperlich zu stärken und seelisch wieder ein bisschen zu stabilisieren. Das tut mir gut und ich bin dankbar, dass sie eine  Ärztin ist, die sich fürs Zuhören und Aufmerksamsein noch Zeit nimmt.

Es tut mir auch gut, die Lieder zu hören, die wir in den Ferien viel gehört und gesungen haben. Zwei ganz unterschiedliche Liedermacher haben uns in diesen Sommerwochen musikalisch begleitet: Bosse und Mani Matter. Oft hat Christian die Gitarre in die Hand genommen und wir sangen Lieder von ihnen.

Mögt ihr mit mir ein paar Lieder hören? Meine Lieblingslieder, die mich an unsere Ferien erinnern und mir beim Anhören eine kleine Verschnaufspause geben?

"Kraniche" von Bosse:


"Der Sommer ist noch lang":



Ganz anders und auch aus einer ganz anderen Zeit, die wunderbaren, immer aktuellen Lieder von Mani Matter, leider wohl nur für meine Schweizer Leser und Leserinnen ein Ohrenschmaus wegen dem Dialekt... 

"Hemmige":

Weitere meiner Lieblingslieder von ihm sind:"Nei säget sölle mir" und "Lob der Faulheit". Und die Kinder selbst lieben "Ds Heidi":


Und nun gehe ich schlafen und Energie tanken... Gute Nacht!
Iren

Freitag, 16. August 2013

Wenn wir uns mitten im Leben meinen...

Wir sind eben aus den Ferien zurück gekehrt. Wir sind alle wieder da, heil und gesund und mit viel Erlebtem. Diese VW-Bus-Abenteuer-Ferien waren ganz anders als jene vergangenen Sommers. Wir waren in der Bretagne und in Cornwall. Und wie das Wetter in Cornwall täglich mehrmals von einer Minute auf die andere wechselte, von wärmendem Sonnenschein zu schweren, düsteren Regenwolken, so erging es uns mehrmals auch emotional. Mit bleibenden Spuren. Ich bin verunsichert. Das satte, lachende Leben hat wieder Risse und Brüche bekommen. 

Noch sehe ich das Gesicht des Motorfahrradfahrers vor meinem inneren Auge, der auf der Küstenstrasse neben seinem brennender Motorrad lag. Blut floss aus seinem Helm. Die Augen zu, die Gesichtsfarbe aschfahl. Leblos. Die Gesichter der herumirrenden Menschen, die mit groß aufgeschreckten Augen uns Heranfahrenden anschauten, mit den Armen herum fuchtelten und versuchten, den Verkehr zu regeln. 
Noch spüre ich den Schreck in den Knochen, noch höre ich meinen Schrei, als Thalia durch eine offene Luke im Boden der alten Fischerhütte direkt in den Keller hinunter stürzte. Haltlos. Aufprallte und gottlob gleich weinte... Meine Knien zittern heute noch, wenn ich daran denke, wie es auch noch hätte enden können... 
Und dann, ein Tag später, das SMS meiner Mutter, etwas Schreckliches sei passiert... Der Heimweg war für mein Herz schwer, denn er führte mich zur Beerdigung meines Onkels und Cousins, die vergangene Woche von ihrer Bergtour nicht mehr nach Hause gekommen sind. 300 Meter haltlos. Ich schliesse die Augen.

Tiefschürfende Bilder geprägt von Hilflosigkeit.

"Der Tod ist groß. Und wir sind die Seinen lachenden Munds. Wenn wir uns mitten im Leben meinen, wagt er zu weinen, mitten in uns." Rilkes Worte begleiten ihre Todesanzeige und können für mich treffender nicht sein. Wie habe ich das in diesen Ferien wieder zu spüren bekommen! Der Tod ist immer da, nur ein Millimeter neben uns. Es ist immer jederzeit möglich, das wir gehen müssen. Alle. Egal welchen Alters. Es gibt keine Reihenfolge.

Wir wissen es alle, und doch vergessen wir es jeden Tag von Neuem. Aber im Moment stehe ich da und meine Seele bebt. Ich schaue meine Liebsten an und in mir krampft es. Wie lange noch? Wie lange darf ich mein Glück genießen, meine Liebsten nahe bei mir wissen? In unseren Ferien mit dem VW Bus waren wir ganz nahe beieinander, schliefen gemeinsam auf wenigen Quadratmetern und kamen uns sehr nahe. Das war schmerzhaft schön. Wir saßen abends in unserem Bus, draußen wehte ein kühler Wind, Christian stimmte die Gitarre und wir sangen unsere Münder warm. Ich saß da und in mir bebte es, es schrie in jeder Faser meines Körpers, die Angst floss durch jede meiner Venen, aber ich hielt dicht. Lächelnd sang ich mit...

Ich benötige Zeit, um wieder in meine Mitte zu kommen, um wieder einen Halt zu finden in mir drin. Kraft und Zeit, um die permanente Präsenz des Tods wieder ignorieren zu lernen, um wieder mehr Vertrauen ins Leben aufzubauen. 

Bald kommt der Schulalltag und das wird mir helfen. Und wenn ich genug Abstand finde, werde ich auch von den schönen Erlebnissen unserer Ferien berichten; deren vieler waren.

Glücklich und traurig,
traurig und glücklich,
Eure Iren