Freitag, 9. Mai 2014

Freitagsblues

Als ich Cosima heute Morgen am Busparkplatz verabschiedete, hatte ich die Wahl: Weinen oder Lächeln. Ich entschied mich fürs Lächeln, winkte und sah, wie sie mir durch die getönten Scheiben auch zuwinkte. Es standen noch andere Mütter neben mir mit gehobener Grusshand und wahrscheinlich war allen etwas schwer ums Herz. 

Eine viertel Stunde später erhielt ich von Cosima ein SMS - Mami wir haben einen Regenbogen gesehen. Ich freute mich sehr über ihre Worte und schrieb zurück, dass dies ein Glücksregenbogen sei und falls sie vor dem Wettkampf nervös sei, solle sie an ihn denken. Viel Spass und Glück in Luxemburg!

Später war ich auf dem Markt einkaufen und traf auf eine lose Bekannte, die ich sehr gern habe und schon länger nicht mehr sah. Unsere Leben begegnen sich seit über elf Jahren immer wieder an ganz unterschiedlichen Orten und Schauplätzen und es entstehen immer schöne Gespräche. Ich freute mich sehr, sie wieder zu sehen. Sie erzählte mir nach wenigen Sätzen, dass ihr ältester Sohn vor zwei Jahren an Hirntumor verstorben sei. -

Er wäre heute so alt wie Cosima.

Als ich wieder nach Hause fuhr, wählte ich mein Lieblingslied von Jamie Cullum und drehte das Volumen auf, bis ich von der Musik ganz umhüllt war. Mein schweres Herz dehnte sich aus und ich liess es zu...



Ein Herzgruss ins grosse World Wide Web von Iren

Kommentare:

  1. Liebe Iren,
    erst einmal finde ich es süß, dass Deine Tochter an Dich denkt, wenn sie einen Regenbogen sieht. Wozu manchmal Handys gut sind. Das ein Regenbogen so viel Freude auslösen kann, dass es unbedingt geteilt werden muss. Schön.
    Meine Freundin brachte am Montag ihre Tochter (9) zur ersten Klassenfahrt an die Bushaltestelle. Sie sagte zu ihrer Mutter: "Mama, nur damit Du es weißt. Ich werde keine Zeit haben an Dich zu denken." Die verschmitzlächelnde Mutter antwortete: "P., mein Schatz. Es ist ganz in Ordnung, wenn Du nicht an mich denkst. Dann weiß ich, dass es Dir gut geht." Die Lütte überlegt: "Vielleicht denke ich an Dich vor dem Einschlafen."

    ***
    Manchmal trift man Menschen, die eine aus gefühlt heiteren Himmel dann Dinge erzählen/ anvertrauen, die uns kurzfristig so berühren oder treffen, dass wir innehalten müssen. Das kenne ich auch. Wie gut, dass Du diese Zeit während der Rückfahrt ihattest.
    Ein Kind zu verlieren... mein Mitgefühl gilt Deiner Bekannten und ihrer Familie.

    Ob es daran liegt, dass in meinem engsten Freundeskreis ein Säugling verstarb oder ich durch die Ausbildung zur ambulanten Kinderhospizlerin weiträumiger wahrnehme.... es kommt mir vor, dass soviel mehr Kinder sterben als ich dachte. Und eine gute und geschulte Hilfe tut so Not. Damit die Familien und nahen Menschen den Verlust so gut es eben möglich ist "verarbeiten". Ein abgenutztes Wort, merke ich gerade. Wie kann ein Mensch so einen Verlust "verarbeiten"? Ich glaube, eine kann versuchen damit weiterzuleben ohne innerlich aufzugeben.

    Ich grüße Dich herzlich und drücke der Sportlerin in Luxemburg weiterhin feste die Daumen!

    Oona

    (Übrigens ist das Video für deutsche LeserInnen nicht abrufbar. Aber wozu gibt es Internet * lach* )

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  2. Liebe Oona. Hab vielen Dank für deine geschriebenen Gedanken!

    Wenn man im Kinderspital sich mehr als ein paar Stunden aufgehalten hat, dann wird einem auch wieder klar vor Augen geführt, dass auch heutzutage, trotz aller Medizin und Diagnose, nicht alle Kinder gesund und glücklich auf den Spielplätzen herum tollen... Und nicht allen Kindern kann geholfen werden...

    Meine Bekannte hat mich kurz vor Calista's Herzoperation auf einem Spielplatz gesehen und mir teilnahmevoll viel Glück gewünscht... Ich habe ihr bei unserer ersten Begegnung bei mir in der Galerie Fotografien verkauft, später hat sie mich nach Cosima's Geburt "zufällig" als Hebamme im Spital beim Wochenbett betreut... Unsere Begegnungen sind nicht oft, aber immer irgendwie speziell und einander sehr zugetan...

    Ich finde es sehr schön und stark, dass du diese Hilfe den Eltern bietest!

    Herzliche Grüsse von Iren, die über das Kind Deiner Bekannten heftig schmunzeln musste

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  3. Tja, Iren, der Schmerz um den Verlust begleitet uns tatsächlich immer.
    Meine Zwillingen waren letzte Woche auf der Beerdigung einer Klassenkameradin, die nach 2- jähriger schwerer Krankheit im Alter von 18 Jahren verstarb. Unfassbar!
    Ich denke, deine Tochter wird schöne Tage haben.
    HG sendet Dir
    Birgit

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  4. Das ist so schwer ... wenn Kinder gehen ...
    und dann das Leben ... Regenbogenbunt

    Beides gehört zusammen auf dieser Welt. Beides .... immer und immerwieder.

    liebe Grüsse ohne viel Worte heute
    Elisabeth

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