Samstag, 23. Februar 2013

"Waggis"

Würde mir jemand sagen, wir seien etwas verrückt, dann würde ich zustimmend nicken. Das wurde uns auch gesagt. Und ich habe zugestimmt.



Es war eine spontane Entscheidung, aber von allen gleich motiviert getragen. Vergangenen Sonntagabend kamen wir von unseren Skiferien nach Hause. Wir packten das Auto aus und legten uns schlafen, um bereits kurz vor zwei Uhr nachts wieder geweckt zu werden von Cosima's schrillem Wecker. Wir kleideten uns an und stiegen ins Auto. Calista schlief dort weiter, doch wir anderen waren zu aufgeregt, um weiter zu schlafen. Wir fuhren zuerst durch unsere dunklen, leeren Quartierstrassen und waren sogar auf der Autobahn fast die einzigen, wie die Mädchen ganz erstaunt fest stellten. Aber mit jedem Auto mehr, das wir auf unserer Reise antrafen und das auch in unserer Richtung fuhr, waren wir überzeugt, es fährt auch nach Basel. Es gab keinen anderen Grund um bei diese Uhrzeit unterwegs zu sein: Nur der "Morgestraich" konnte einen so früh aus den Federn holen. Achtig! Morgenstraich! Vorwärts, marsch! Wie oft hat Christian den Kindern davon erzählt und vorgemacht, wie es in etwa tönt. Dazu hat er jeweils mit den Fingern auf den Tisch getrommelt und die ersten Klänge des Morgenstraich-Marsches dazu gesungen. Die Mädchen sind ihm bei seinen Schilderungen an den Lippen gehangen und er musste ihnen versprechen, einmal zusammen den Morgestraich zu erleben. Dieses Jahr fiel er ausnahmsweise in unsere Sportferien und diese Gelegenheit packten wir. Ab, nach Basel! Morgestraich! Vorwärts, marsch!



Um sechs Uhr morgens aßen wir unsere Portion traditionelle Basler Mehlsuppe, ein Stück Zwiebelkuchen, Fastenwähe und tranken Kaffee. So, wie tausend andere mit uns an diesem Morgen und den folgenden drei Tagen. Mehlsuppe zum Frühstück war stärkend und wärmend, es tat gut. Den Zwiebelkuchen aber aß Christian alleine.





Unterbrochen von einem Schnellschläfchen auf einer Raststätte und begleitet vom Sonnenaufgang fuhren wir wieder nach Hause und Christian zur Arbeit.


Um am nächsten Tag gleich wieder nach Basel an die Fasnacht zu fahren. Verrückt.

Die Mädchen wollten noch an den Kinderumzug, wo, nebst kleinen Konfetti-Schlachten, viele Bonbons und Süßigkeiten verteilt wurden... 


Thalia wollte sich als Hexlein verkleiden und Calista als Prinzessin, während Cosima keine Lust darauf verspürte. Sie war erkältet, hatte leicht Fieber und fühlte sich matt. Wir wollten deswegen zu Hause bleiben, doch Cosima weinte heftig und insistierte darauf, an den Umzug zu gehen. So gab ich nach und verabreichte ihr mit schlechtem Gewissen ein Paracetamol. Verrückt. (Worauf dann Thalia am Tag darauf Fieber bekam.)


Die bunten, starken Farben der Fasnacht taten uns gut. Das Auge war die fröhlichen Farben nicht mehr gewohnt, nach dem vielen Schwarz, Grau und Weiß des Winters. Dieses satte Leuchten war wie Medizin für die Seele und ich war den ganzen Nachmittag damit beschäftigt, diese Farbvibrationen in mich aufzusaugen.






Die Waggis-Figuren mit den imposanten Haaren und Masken haben es auch den Mädchen sehr angetan. Sie waren ganz fasziniert davon und wünschen sich jetzt auch so ein Fasnachtskostüm für nächstes Jahr. Für Zürcher etwas verrückt.

Wir trafen spontan noch Christians Patenmädchen und ihre Schwester und Mama, die am Umzug mitliefen. Zusammen genossen wir den ruhigen Ausklang mit einem Kaffee in der Wärme. Wer weiss, vielleicht werden wir nächstes Jahr auch aktiver und ziehen als "Waggis" einen Leiterwagen und verteilen Süßigkeiten. Wäre das was, liebe Bea, oder ist das auch verrückt?



Es grüßt Euch herzlich Iren, die dafür sorgte, dass die restlichen Ferientage ganz ruhig zu Hause in der guten Stube verbracht wurden.


Kommentare:

  1. Guten Morgen, Iren
    oh ja, das sind wirklich farbenfrohe Bilder, so schön! Ihr habt so viel Elan, auch wenn es vielleicht nach einer verrückten Idee klingt, es ist so wunderbar wie sehr Ihr "lebt"
    Dein Gedanke nach dem grau, weiss des Winters endlich viele Farben zu geniessen gefällt mir. So hab ich das noch nie gesehen, ich lass mich lang schon nicht mehr auf den bunten Fasching (was anderes haben wir hier nicht) ein. Das werde ich nun überdenken und im nächsten Jahr vielleicht doch endlich mal mit den Kindern auf einen Umzug gehen. Die Kinder würden sich ganz bestimmt freuen.....
    ich wünsche Euch noch ein schönes Wochenende, wir haben hier nur noch Schnee .... irgendwie sehnt sich jeder nach Sonnenwärme
    liebe Grüsse
    Elisabeth

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    1. Ja, Faschingblut hat man oder hat man nicht... Ich habe es nicht, dennoch freue mich mich jedes Jahr an die Basler Fasnacht zu gehen. Meine ausgehungerte Seele mag nach den Winterwochen die Farben so sehr!

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  2. Hallo Iren,

    wirklich verrückt, was ihr so alles macht! Wir, die ja zu Fuss zum Morgestraich hätten gehen können, sind faul im Bett liegen geblieben und auch den Kinderumzug haben wir nur in kleinen Dosen am Rande mitgemacht.
    Und war irgendwie alles zu viel, zu laut, zu voll, und das werden die Kinder auch so gespürt und übernommen haben. Ich bewundere dich und euch, um euren Enthusiasmus! Und ich schneide mir ein Scheibchen davon ab ;-)

    Liebe Grüsse von Sabine

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    1. Wenn man den Morgestraich so nahe hat, dann ist es auch wieder etwas anderes, nicht? Das ist bei mir so mit dem "Sächsilüüte" und dem "Knabenschiessen". Ich war mein Leben lang noch nie am Knabenschiessen und habe schon als Kind viele Jahre bei Zürich gelebt... Aber es reizt mich einfach nicht so sehr. Aber die Basler Fasnacht habe ich inzwischen sehr gerne bekommen! ;-))

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  3. Hallo Iren
    Ich bin durch den Podcast von Srf3 auf Ihren Blog gestossen. Ihre Geschichte hat mich nicht mehr losgelassen, ich musste (wollte ;-)) alle Blogs durchlesen. In Ihrer Familie möchte man Kind sein, man spürt förmlich die Liebe und den Zusammenhalt. Es freut mich, dass ihr in meiner Heimatstadt Basel wart. Ich war ebenfalls an der Fasnacht. In einem Leiterwägelchen haben meine Schwester und ich die 3 Kinder meiner Schwester durch die Strassen gezogen und Sie verteilten Süssigkeiten. Vielen Dank für die schönen Beiträge, haben Sie (oder hast du) schon mal überlegt ein Buch zu schreiben? Ich würde es auf jeden Fall lesen wollen :-)
    So, genug geschrieben, du kannst das besser :-)
    Liebe Grüsse aus Basel, Michèle

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    1. Liebe Michèle
      Mich freut es sehr, dass du zu meinem Blog gefunden hast und nicht gleich wieder gegangen bist. - Eins möchte ich dir aber gleich sagen: Ich kann auch launisch, unfair und verärgert sein... Dann sagt Thalia manchmal: ich gehe jetzt zu einer anderen Familie! Wir sind keine perfekte Familie, aber ich arbeite daran, mich dort zu verbessern, wo es zu verbessern gilt, oder ich meine, wo es zu verbessern gilt. Mal schauen, welches Feedback ich in ein paar Jahren von meinen Kindern kriege ;-)!

      Ihr ward auch unter den "Waggis"? Wer weiss, vielleicht habt ihr ja meinen Kindern auch ein "Däfi" in die Hand gedrückt?!

      Liebe Grüsse
      Iren

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  4. Farbe und Licht braucht der Mensch. Da hatte ihr von der Farbe ja die volle Dröhnung :O)
    Möge der Frühling noch mehr Farbe in Gepäck haben.
    Grüße aus dem kalten, aber täglich heller werdenen Bremen
    Oona

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    1. Oh ja, die Ladung war vollgepackt und dicht. Ich zehre noch heute davon... Und nun freue ich mich auf die satten Farben der Tulpen!
      Liebe Grüsse, iren

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  5. Wow! Ganz klar: Verrückt. Wer packt schon mitten in der Nacht seine Kinder ein, "nur" für einen Fastnachtsumzug? Auch ganz klar: Verrückt im positiven Sinne. Ich liebe den Blog, gerade, weil Ihr nicht so unglaublich normal seid, sondern immer wieder so kleine Ausbrüche aus dem Normalen habt.
    Viele liebe Grüße von Milli

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    1. Liebe Milli, ich brauche diese Ausbrüche wie Luft zum Leben. Ich bin ein Schütze, der sehr freiheitsliebend ist. Das ist theoretisch nicht sehr familienkompatibel... aber ich habe meine Nischen und Ecken und Möglichkeiten gefunden, um immer wieder Freiräume aus den starren Strukturen des Alltags zu ergattern. Und sei es nur öfters fremdländisch zu kochen, damit ich mich kurz in ein anderes Land träumen kann...
      Sei bestens gegrüsst, iren

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  6. RE:
    Danke für das Rezept. Ohne Backpulver. Wunderbar!
    Ich kannte Madeleines gar nicht. Schöne kleine Alternative zum großen Kuchen. Man kann die Teigmenge ja entsprechende anpassen. Oder sie ein wenig in Konvertüre tunken...

    Vielleicht ist das ja eine Inspirationsquelle für Dich:

    http://www.latartinegourmande.com/categories/gluten-free/

    Liebe Grüße in die Schweiz
    Oona

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    1. DANKE für die Inspirationsquelle! Kennst du den Blog "Canelle et Vanille"? Der erinnert mich SEHR daran, auch die Art der Food-Bilder....

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  7. LIebeliebe Irene.
    Rebecca und ich waren waren ähnlich verrückt unterwegs wie Ihr!
    Auch wir waren dort, unser allererster Morgenstraich!
    Unvergesslich.
    Trommelwirbelgruss.
    Karin
    Auf ein sehr baldiges Wiedersehen.

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    1. Liebe Karin, schön dich hier zu lesen!! Oh - wie oft wollte ich mich bei dir melden, und nun haben wir uns am Morgestraich verpasst, so was! Aber vielleicht standen wir uns ganz nahe, ohne uns im Dunkeln zu erkennen? Lass uns bald sehen, xxx iren

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