Mittwoch, 11. Oktober 2017

Kartoffel up date aus den Bergen

Sobald ich gestern Nacht die Augen schloss, da buddelte ich weiter. Meine Finger wühlten durch die Erde und wurden wieder fündig. Weissliche Knollen habe ich heraus geholt... Wohl die halbe Nacht.





Heute Morgen jedoch, da zeigte sich das Kartoffelfeld so, wie ich ihn gestern Abend verlassen habe: Die Hälfte der Knollen steckte noch im Boden. Ich streifte mir die Gartenhandschuhe über, griff zum Werkzeug und grub weiter. Bald gesellte sich Thalia wieder zu mir und gemeinsam arbeiteten und schwatzten bis wir ans Ende des Ackers kamen. Gemeinsam arbeiten macht Spass, es hat etwas Geselliges. Zwischendurch tauschten wir uns mit älteren Dorffrauen aus, die in den Gärten nebenan ihre Beete winterfertig machten. Und dann und wann musste ich Juno zurück pfeifen, weil er immer wieder versucht hat, die Nachbarskatze zu erwischen. Vergeblich. Beides.



Das Buddeln in der Erde und vor allem das Fündigwerden gab uns eine grosse Befriedigung. Selbst Thalia, die Kartoffeln eigentlich gar nicht so mag, blieb bis zum Schluss an meiner Seite und arbeitete konzentriert mit. Sieben alte Kartoffelsorten von ProSpecieRara haben wir ernten können. Wir haben nun ein paar Holzharassen davon, die wir noch aussortieren müssen: Die ganz winzigen kommen gleich diese Tage in die Pfanne, die kleineren werden als Setzligen für nächstes Jahr beiseite gelegt und die beim Ausgraben leicht verletzten kommen auch zur Seite, weil wir die zuerst verzehren werden. Und der grosse Rest kommt in den alten, dunklen Keller und wird uns das Jahr über nähren. - Mein Traum haben wir realisieren können und ich freue mich riesig über die reiche Ernte! Ohne Christian und die Hilfe der Kinder hätte ich es nicht geschafft. Aber auch der Nachbar der im Frühling beim Pflügen half und meine Verwandten, die mir die tollen Setzlinge gaben, haben entscheidend dazu beigetragen. Es ist also der Erfolg eines grossen Gemeinschaftsprojekts.

 



Mein zweites Projekt, das ich diese Tage noch umsetzen möchte, ist die Pflanzung von Ur-Obst. Ich habe Stauden von alte Himbeersorten, Brombeeren, Stachelbeeren, Cassis und Jostabeeren gekauft. Weisse Walderdbeeren auch, eine Erinnerung aus meiner Kindheit. Dazu noch Felsenbirnen und Kornellkirschen (Herlitze). Ich möchte alte Sorten wieder aufleben lassen, die in diesen Höhen gut gedeihen, schädlingsresistent sind und kaum Eingriffe des Menschen brauchen, also kein Schnitt und kein Dünger. Sie danken dann mit köstlichen Früchten, die anscheinend mehr Nährstoffgehalt haben als die (über-)züchteten Hybriden aus dem Gartencenter.

Zu diesem Thema habe ich ein Buch gekauft, denn Ur-Obst braucht bestimmte Bedingungen. Die Pflanzen müssen an einem artgerechten Standort gepflanzt und mit anderen passenden Pflanzen vergesellschaftlicht werden, das macht die Pflanze robuster, weil sie dann ihren eigenen Mikrokosmos hat. Auch Kleintiere und Insekten schätzen diesen Kosmos als Lebensraum. Dieses Ur-Obst-Thema ist völlig neu für mich und ich bin etwas unsicher. Doch ich weiss jetzt schon, dass die grösste Herausforderung das Wild sein wird, das im Spätherbst und Winter sich nachts in grossen Herden um unser Haus tummelt und alles essbare weg äsen wird... Wir planen einen Elektrozaun.

Herzliche Grüsse von Iren, die den brachen Acker nun mit Dinkel- und Roggengetreide ausstreuen wird, damit er einen "Wintermantel" und zugleich neue Nährstoffe bekommt.


Kommentare:

  1. Liebe Iren,
    ich freue mich über das Update! Das, was ihr dort mit vereinten Kräften verwirklicht, ist noch mein stiller Traum, aber wer weiß, vielleicht eines Tages...
    Liebe Grüße von N.

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  2. und danke für diese wunderbare Update aus den Bergen! En Guete!

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    1. Du, dieses Update habe ich wirklich nur wegen deinem letzten Kommentar geschrieben, weil du nachgefragt hast... du hast mich wieder angekickt :-))

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  3. Liebe N. - nicht aufhören zu träumen...bleib intensiv dran... plötzlich bietet sich eine Gelegenheit die man beim Schopf packen kann! Herzlich, iren

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