Mittwoch, 21. November 2012

schmierige Tastatur...


Die Handcreme ist schon fast aufgebraucht, doch meine rauhen Hände schmerzen noch immer. Den Kindern habe ich heute morgen, bevor sie wieder zur Schule und in den Kindergarten gingen, die Fingernägel geschnitten, damit sie nicht mehr so schwarze Ränder unter den Nägel haben. - Olivenernten ist harte Arbeit und hinterlässt seine Spuren. Trotzdem genossen wir alle die paar Tage freies Leben in der Natur. 
Onkel, Brüder und Schwiegerschwestern, deren Eltern und die dazu gehörigen Kinder, alle sind wir als Großfamilie zusammen gekommen und haben meine Eltern tatkräftig unterstützt. Als Großfamilie haben wir uns abends alle an einen großen Tisch gesetzt, fein gegessen, getrunken und diskutiert.

In den kommenden Tagen werde ich noch ein paar Bilder mehr zeigen von unserer Arbeit als Olivenpflücker und Olivenpflückerinnen. Ich putze nun meine Finger von der übrig gebliebenen Fettcreme frei, damit ich gut in die Tasten drücken kann. Denn für heute möchte ich mit Euch noch mein neues, kleines Glück teilen:

Ich habe gerade eben über den Blog little.lovley einen super tollen App entdeckt! Auf so etwas habe ich immer gewartet...ohne das ich es wusste, natürlich. 

Es gibt seltene Tage, an denen die Kinder mit Zeichnungen nach Hause kommen, die mich elektrisieren. Und dann denke ich an den Satz von Picasso, der sagte: "Ich brauchte ein Leben, um malen zu können wie ein Kind." Thalia hat vor ein paar Wochen mir solch eine Farbstiftzeichnung aus dem Kindergarten gebracht. Die habe ich wenige Stunden später gerahmt und aufgehängt. Diese Zeichnung macht mich glücklich, jedes Mal von neuem, wenn ich sie sehe.



Aber was mache ich mit all den anderen, tollen Kinderzeichnungen, die ich total süß, lustig, gelungen und schön finde, mich aber nicht elektrisieren? Die letzten Jahre habe ich diese Zeichnungen meiner Kinder jeweils mit der Kamera fotografiert und im Meer der anderen Fotos auf dem Computer gespeichert gehabt. Mit der Absicht, sie einmal zu sortieren und später für jedes Kind ein Buch mit ihren Kinderzeichnungen zu drucken. Doch ich nahm mir nie die Zeit, die Fotos den einzelnen Kindern zuzuordnen, vergessen noch sonst zu beschriften. Ich hoffte einfach, dass ich am Tag x, an dem ich ihnen das Buch drucken will, mich an alle wichtigen Dinge erinnern möge.

Und nun kommt dieser App: Artkive. Mit dem iPhone kann man super einfach und schnell die täglichen Kinderzeichnungen fotografieren und mit allen wichtigen Daten abspeichern. Mit der Möglichkeit, später ein Buch daraus zu machen oder die Fotos sonst weiter zu verwenden. Der App ist sehr ansprechend und funktional gestaltet und beinhaltet genau das, was ich schon immer wünschte. Und wisst ihr was? Gratis ist er auch noch. Für jede mit-dem-iPhone-in-der-Tasche-herumlaufende-Mutter ein kleines "must", artkive.

Seid herzlich gegrüßt
iren


Donnerstag, 15. November 2012

Fest der Liebe

Eben, als ich Thalia vom Kindergarten abholte, ist ein großer Lastwagen mit einem riesigen Tannenbaum aufgeladen, an uns vorbei gebraust. Ich bin erschrocken zurück gewichen und guckte diesem gefällten, stolzen Baum hinter her. Wie er so "auf dem Rücken" auf der Ladefläche lag, mit Seilen fest angebunden.

Während ich zuschaute wie er entschwand, dachte ich an all die unzähligen Tannenbäume und Tiere, die nun in den kommenden Tagen und Wochen gefällt und geschlachtet werden. Und dies für das Fest der Liebe. Ist das nicht zynisch?!






Herzliche Grüße von Iren, die morgen noch das Auto packt und mit der Familie nach Frankreich an die alljährliche Olivenernte fährt. xxx


Samstag, 10. November 2012

Ein Fotoabend mit uns - 4. und letzter Teil

Calista geht es wieder besser. Noch nicht richtig gut, sie ist sichtlich geschwächt, hat merklich abgenommen und noch nicht ihren vollen Appetit zurück erlangt. Doch wir sind froh, dass das Schlimmste überstanden ist und es wieder bergauf geht. Soviel live aus unserer Stube...
Ich möchte nun endlich noch den letzten Teil unserer Sommerferien erzählen, bevor die Weihnachtstimmung aufkommt... Mögt ihr noch von unseren Sommer-VWBus-Feiern lesen, ja? Sonst einfach den nächsten Post abwarten.

Der alte VW Bus hat uns, zusammen mit Christian am Steuer, heil und sicher bis nach London gebracht. Die beiden haben sich in den Ferien gut eingespielt und schätzen gelernt. Christian ist ein Autoflüsterer. Ich staune immer wieder, wie er während des Fahrens genau hinhört und sofort merkt, wenn der Klang des Motors sich verändert hat oder sonst was nicht mehr so ist, wie es sein sollte. Sein sicheres Gespür hat uns schon manche Pannen erspart. 

Wir sind also aus dem Süden kommend an Paris vorbei gefahren, haben auf einer Raststätte übernachtet und sind am Mittwochmittag in Calais angekommen.


Fahrendes Frühstück mit warmer Schokolade für Thalia. Raststättenromantik... 
In Calais die Fähre zu nehmen ließ uralte Erinnerungen in mir aufkommen. Vor 37 Jahren war ich das letzte Mal dort, als kleines Mädchen von drei Jahren, das mit seinen Eltern auf dem Weg nach London war.

Dieser Blick gehört zu meinen frühsten und allerersten Erinnerungen, die ich von meinem Leben habe:

Ich saß damals meinem Vater auf der Schulter, meine Hände griffen in seine Haare und er hielt meine Füße. Dabei lehnte er sich über die Brüstung, um mit mir ins schäumende Wasser zu schauen.


Große Angst hatte ich, damals. Diese schwindelerregende Höhe, das wilde Wasser und die vorgebeugte Haltung meines Vaters ließen mich schaudern. Was ist, wenn mein Vater mich nicht mehr halten kann? - So beginnt mein erinnertes Leben.


Durch den Dunst erspähten wir die weißen Kalkfelsen der südenglischen Küste. Wir kommen! 

Während wir diesen Sommer mit dem Bus "nur" an die Olympiade wollten, fuhr ich damals mit meinen Eltern mit Hab und Gut nach London, um ein neues Zuhause zu finden.

Das erste, was wir diesen Sommer in London machen wollten, war über die Tower Bridge fahren und dabei das große Symbol der Olympiade begrüßen. Fahrend aus unserem Bus haben wir das "Beweisfoto" geschossen: 

Yes, we did it!!


Das zweite, was wir in London taten, war ein Soft Ice von einem fahrenden, bunten Verkaufswagen naschen. Diese Ice-cream-Verkäufer fahren seit Jahrenzehnten durch die Straßen und Quartiere Londons und künden ihre Präsenz stets mit einem "Ding-dang-dong"-Glockenklang an. Auch das sind Kindheitserinnerungen... Süße...

 Weiteres "Sightseeing" aus dem fahrenden Bus...

Aber eigentlich waren wir unterwegs zu Holger. Holger, ein guter Studienfreund von Christian hat uns eingeladen, bei ihm zu wohnen, während den drei Tagen die wir in London verbrachten. Er wohnt mit seiner Frau und ihrem Babyjungen in einer wunderschönen, kleinen Wohnung im Herzen der City. Wir waren aber nur kurz in ihrer Wohnung, um zu merken, dass es sehr unpassend war, mit unseren drei Mädchen bei ihnen aufzukreuzen. Auch wenn sie auf unseren Besuch insistierten, so wollten wir keine Freundschaft riskieren ;-). Nach einem gemeinsamen Abendessen in einem hippen Burger-Restaurant gleich ums Eck, begaben wir uns auf Hotelsuche.

Christian und ich haben sechs, resp. drei Jahre  gemeinsam in London gelebt und wir wussten genau, in welche Gegend wir fahren mussten, um ein passendes Hotel zu finden: Es musste zentral gelegen sein, günstig und einen Parkplatz für unseren Bus zur Verfügung stellen. - Da, geh' hier mal nachfragen, das sieht gut aus! Das erste Hotel war einen Volltreffer, wir fanden direkt hinter dem Hyde Park, bei Sussex Gardens, ein Hotel mit Parkplatz vor dem Haus und einem Familienzimmer für uns alle zusammen. Für total 120 Pfund pro Tag, reichhaltiges Frühstück inbegriffen. Wir freuten uns sehr über unser Glück!

Einzig die Suche nach freien Tickets, um live einen Wettkampf an der Olympiade erleben zu können, zeigte sich schwierig. Es war fast unmöglich. Online-Tickets, die immer wieder mal frei gegeben wurden, waren jeweils innert Sekunden ausverkauft, an den offiziellen Verkaufsstellen sind die Menschen zu hunderten angestanden und wir hatten einfach keine Lust, uns dort einzureihen. Zudem waren die Preise inzwischen recht hoch. Da fragte uns am nächsten Morgen die Receptionistin im Hotel, ob wir nicht Tickets für die Olympiade suchten? Eine Brasilianerin, die auch Hotelgast war, wollte einige zu fairen Preisen verkaufen!  Wir konnten soviel Glück kaum fassen, was für ein gelungenes Abenteuer unsere Reise nach London wurde!

Wir entschieden uns fürs Halbfinal der Männer im Volleyball. Aber nur Christian und Cosima gingen das Spiel schauen. Mit Calista passte es nicht und auch Thalia hätte sich nach zehn Minuten gelangweilt.

In dieser Zeit konnte ich in meine Lieblingsläden einkaufen gehen. In meiner Lieblingsmetzgerei "The Ginger Pig" ein Mittagessen holen und mit Thalia und Calista auf den Lieblingsspielplatz gehen - wo ich mit Baby-Cosima viel war - und sie dort herum turnen lassen. Am Abend trafen wir uns wieder im Hyde Park fürs Public Viewing. Wir wollten am großen Bildschirm Leichtathletik schauen.








Wer wird hier wohl so charmant angelacht? - Natürlich, Calista...

Am nächsten Tag haben wir uns mit Holger im Park verabredet. Ein Abschiedspicknick.




 Es war Zeit, den Heimweg anzutreten.


In dieser kurzen Zeit haben wir eine Stadt erlebt, die super vorbereitet und organisiert war für die grossen Spiele. Wir haben Menschen allen Alters und Rassen friedlich zusammen feiern sehen. Wir sind vielen hilfsbereiten und freundlichen Menschen begegnet und haben mit einem Wermutstropfen Nostalgie wieder süße Erinnerungen aufkommen lassen.



Wir, Christina, Cosima und ich haben diese Stadt lieben gelernt, denn hier haben wir unsere Familie gegründet. Cosima war zwei Jahre alt, als wir sie verließen. Diese Stadt hat zarte Fußabdrücke auf ihrer Seele hinterlassen und ihr die ersten Lebenserinnerungen gegeben. Das spürt sie. Sie will nie nach Hause, wenn wir in London sind. Sie ist dort glücklich und weint, wenn sie sich verabschieden muss. Ich will in London leben! verkündete sie im Bus, während wir aus der Stadt hinaus fuhren.



Nein! Sicher nicht! Ich will nach Haaausee! Meldete sich Thalias Stimme laut. Beide hielten sie ihre Kuscheltierchen fest, um ihr Herz wieder in Einklang bringen zu können.

Während wir uns in Dover auf die Fähre einschifften und auf die rauhe, verheissungsvolle Landschaft um uns herum schauten, entscheiden wir, dass wir nächsten Sommer die Südküste Englands mit dem VW Bus bereisen werden. Egal wie das Wetter mitspielen wird, wir kommen zurück.



Wir haben drei Wochen lang uns dem Rhythmus unserer Herzen und den Wellen unserer Sehnsüchte ergeben. Wir sind ohne festen Plan abgefahren, offen für Abenteuer und Unvorhergesehenes. Wir haben spontan die Entscheidungen getroffen und uns dabei auf unser Gefühl verlassen. Es hat funktioniert, weil die Kinder sich mit uns sicher fühlten, denn wir stritten uns nie über den weiteren Verlauf der Reise. Es hat funktioniert, weil wir beide, Christian und ich, den selben Reisemodus gefunden haben. Das haben wir neu aneinander entdeckt. Wir sind Vagabunden.

Und was kann ich Euch sonst noch sagen? Das Fazit unseres Abenteuers? Wer nichts wagt, der gewinnt nichts...

Kisses, iren

Zum Nachlesen: 1. Teil, 2. Teil und 3. Teil unserer Reise.