Mittwoch, 12. September 2012

Ein Fotoabend mit uns - Teil 2 - Kroatien

Wie ich heute der Straße entlang lief, hüpfte plötzlich ein leuchtender grüner Punkt fröhlich vor mir her. Ein Laserstrahl, von unsichtbarer Kinderhand geführt. Ich lächelte vor mich hin und dachte gleich an unsere Ferien zurück. In Baska, in Kroatien, wurden solche Laser an den Uferpromenaden verkauft, in Massen. Und nachts da trafen sich viele dieser Punkte am entfernten Hügel und sie tanzten miteinander. Niemand wusste, wer der andere war. Doch alle wussten, dass viele Kinder auf dem Camping mit so einem Stift in er Hand herum liefen. Der kroatische Ferienhit.


In Baska, auf der Insel Krk, blieben wir nicht lange. Es gab viele Ferienhits dort. Und wir konnten den Kindern nicht immer Nein sagen, zwischendurch gaben wir nach und sie durften mit machen, was all die anderen machten. 





Wir genossen hier erste Badetage am Meer, nachdem der erste Schock über den riesigen, eng besiedelten Camping überwunden war. Die baldige Bekanntschaft mit einem lebensfröhlichen Holländer, der mit seiner Frau und den beiden Kindern jedes Jahr mit Motorrad, Seitenwagen und Zelt durch Europa reiste, ließ mich mit dem XL Camping versöhnen. Nur dieses Jahr sei er erstmals mit dem Auto und Zelt unterwegs, weil die Kinder nun in der Pubertät sind und zu lange Beine haben, um zu zweit stundenlang im Seitenwagen zu sitzen. Was für eine abenteuerliche Familie!





Am dritten Tag, die Kinder erwachten und guckten verschlafen auf uns runter, da verkündeten wir, dass wir heute weiter fahren.

Christian und ich merkten, dass wir eher Fahrende sind, als Camper. Nach ein paar Tagen mussten wir wieder den Bus packen und weiter ziehen. 

Ich wusste noch nicht so recht und versuchte heraus zu finden, was die Menschen dazu bewegt, so lange auf einem so engen Camping Ferien zu verbringen, und dies oft jedes Jahr, am gleichen Ort. Noch absurder kam es mir vor, als eine Zigeunerin zwischen den Wohnmobilen herum lief, mit handbestickten Tischtüchern, und sie uns verkaufen wollte. Was mochte die wohl über uns denken? Wir, die für ein paar Tage im Jahr ein bisschen Zigeunerleben spielen?

Wir fuhren also weiter. Weiter mit der Fähre über die Insel Cres nach Medulin, auf die Halbinsel Istria.




Diesmal waren wir vorbereitet und der XL Campus von Medulin beeindruckte mich nicht mehr. Als wir den Plan anschauten wussten wir gleich, wir müssen auf dem keinen Zipfel am äußersten Ende des Campings einen Platz finden. Reserviert haben wir nicht. Nie.

Wir fanden einen Platz mit atemberaubender Meersicht. Sozusagen direkt am Wasser. Wir fühlten uns wie Familie König.




Hier, nachts bei Mondschein, haben die Mädchen zum ersten Mal nackt gebadet. Sie zappelten mit den Beinen und Armen an der gleichen Stelle herum und kicherten glücklich. Ich kenne dieses Gefühl. Es ist unvergleichbar schöner als mit dem Badekleid, das nass am Körper klebt. Sich mit dem Wasser mit bloßer Haut zu verbinden ist ein Naturerlebnis für sich.

Wir bauten die Hängematte auf, unverzichtbar für das kleine Glück, und legten uns schon in den ersten, windigen Morgenstunden hinein.



Drei Tage lang hatten wir den Wind Bora. Ein Wind, der jedem Windsurfer das Herz höher schlagen lässt.


Auch das von Christian. 

Er kriegte meinen Segen und ging los, sich ein Brett mieten. Wir diskutierten unsere Ferienvorstellungen im Vorfeld und ich betonte dabei, dass ich keine Surfferien mitmachen will mit drei Kindern am Strand und Papa, der nur Wind und Wellen im Kopf hat. Er verstand das, wenn auch nur mit dem Kopf. Doch als der Bora blies, da bekam er meine Zustimmung. 

Aber er surfte keine drei Tage, nur eine Stunde. Danach kam er zurück gehumpelt. Er ist bereits nach wenigen Minuten beim Raussurfen ins Meer, von einem Felsbrocken im Wasser überrascht worden, stürzte ins Wasser und stieß mit dem Fuß so unglücklich auf einen großen Stein, dass er sich eine Verletzung zu zog. Hartnäckig surfte er eine Stunde weiter, bis er nicht mehr konnte, dann gab er auf. Und mit jeder Stunde schwoll der Fuss mehr an.

Am nächsten Morgen fuhren wir in die nächste Stadt Pula ins Spital, um zu erfahren, ob der Fuß ernsthaft verletzt ist. Es dauerte über vier Stunden, bis Christian Bescheid erhielt, dass der Fuss nicht gebrochen ist und nach zwei Tetanus Spritzen wieder draußen war.

Wir ahnten lange Wartezeiten und so blieb Christian alleine im Spital. Ich spazierte währenddessen in der größten Mittagshitze  mit den Kindern durch die Altstadt von Pula. Fischmärkte, Kinderspielwarenladen, Eis schlecken, Überreste von sowohl sozialistischen Bauten wie auch römischen Bauwerken bestaunen. Es bot einiges.



Nach vielen zuckersüßen, venezianischen Palazzi lugte plötzlich am Straßenende etwas hervor.

Nicht den Neptun meinte ich, sondern das Amphitheater...

Ich war überrascht, dass Pula ein so schönes, großes, römisches Amphitheater besitzt. Das war für mich eine echte Entdeckung. Ich, die in Rom ein halbes Jahr lang immer wieder am Kolosseum vorbei gegangen bin.


Nach Medulin sind wir gefahren, weil Sibylle (sie hat uns von Lilly erzählt) mit Freunden auch dort campen kam. Sie hat uns den Camping empfohlen. Ein Tag nach uns sind sie angekommen und haben "zufällig" gleich einen Platz neben uns gefunden. Das war ein schönes Wiedersehen und Kennenlernen.


Die Kinder, es waren total neun, haben sich rasch angefreundet und sich in gemeinsame Spiele vertieft.




Am 1. August, am Schweizer Nationalfeiertag, feierten wir gemeinsam mit einer Grillparty. Es war auch unser Abschiedsabend, eigentlich.


Theo und Calista kennen sich vom Akrobatikkurs
Sibylle
Moritz, der grosse Bruder von Lilly, und Thalia haben sich sehr gut verstanden. Braucht es da noch mehr Worte?




Es waren fröhliche Tage. 
Das Wasser klar und blau. 
Aber es zog uns weiter. 

Wir blieben fünf Tage, weil es so schön war. Dann aber kitzelte es uns wieder, wir schmiedeten neue Pläne und packten den Bus.

Das Abenteuer ging weiter. Quer durch Italien, von Triest nach Alessandria und über die Grenze nach Südfrankreich.

Davon erzähle ich aber im dritten Teil.

Es grüßt Euch herzlich Iren,
die sich heute nicht umdrehte, um heraus zu finden, wer ihr da den grünen Punkt vor den Füssen her tanzen ließ.


Kommentare:

  1. So schöne Bilder, so gut eingefangen die vielen schönen, bezaubernden Momente.
    Danke für's Teilen!

    Liebe Grüße,
    Miriam

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  2. Ach, ich glaube, dass eure Töchter später voller Freude und Liebe an diese Ferien im Bus mit ihren Eltern zurückdenken. DAS sind Sommerferien und das pure Abendteuer. Ganz schön.
    Dazu diese Bilder. Die machen mir große Lust auf Urlaub.
    Grüne Leuchtstrahlen in die Schweiz sendet
    Oona

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  3. Wunderbare Bilder und Einblicke, echt! In Pula war ich auch einmal, Campen als Jugendliche. Sehr abenteuerliche Geschichten habe ich da erlebt - die Erinnerung daran kam mit deinen Bildern :-)
    Ganz liebi grüäss, anja

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  4. .. wunderbare Bilder und Urlaubserzählungen.... DANKE, dass Du uns teilhaben läßt! Ich kann mir richtig vorstellen, was ihr für eine tolle Zeit hattet.... und die Laserstifte wären für meine beiden Mädels auch der Hit!!
    Freue mich schon auf den 3. Teil!

    Liebe Grüße in die Schweiz
    Alexandra

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