Mittwoch, 11. April 2012

Oster-Momente

Auf dem Gehsteig liegt achtlos ein feines, rotes Bändelchen mit einem kleinen, gelben Glöcklein dran. Ich gehe daran vorbei und denke, dass Ostern nun schon wieder durch ist. Eben habe ich Thalia in den Kindergarten gebracht und mit ihr dort noch die ersten jungen Küken angeschaut, die im Brutkasten frisch aus dem Ei geschlüpft sind. Heute ist der 21. Bruttag und am 21. Tag schlüpfen die Küken. Pünktlich. Es gibt kein Übertragen. Die Natur ist da ganz genau. Klein und feucht torkeln sie aus dem Ei. Erschöpft sind sie, von der stundenlangen Arbeit, sich aus der Schale zu knacken. Und die Kinder dafür umso aufgeregter: Sie schlüpfen!! Drei Wochen lang haben sie die Eier mit Feuchtigkeit versorgt, geguckt und gewartet. Und zum Abschluss der Ostertage nun diesen spannenden Moment der Geburt. Morgen dürfen die Kinder die flauschigen, gelben Bällchen dann noch ein bisschen in den Händen halten, bevor sie wieder dem Bauer zurück gebracht werden. Neues Leben ist entstanden und die Kinder haben die Fruchtbarkeit der Natur hautnah miterleben dürfen. Was für ein urtümliches Ostererlebnis!





Als Thalia heute Nachmittag vom Kindergarten nach Hause kam, hüpfte sie mit Cosima und ihrer Freundin Lea daher, sie sangen "Kling, Glöcklein klingelingeling!" und ich hörte ein feines Glöcklein läuten. Ich wusste es! Und sah nur noch bestätigend, wie Thalia ein rotes Bändelchen freudig schwenkte.

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An Karfreitag waren wir am Grab meiner Schwiegereltern. Nicht, weil es Karfreitag war, sondern weil wir Zeit und Lust hatten. 




Am Grab Blumen pflanzen gehört zu unserem Familienritual, darüber habe ich auch schon erzählt. Wir haben Osterglocken ausgesucht und Cosima hat mit Christian zusammen gepflanzt, während Calista im Wägelchen ihre Siesta hielt und Thalia fragend in den Himmel winkte. Hallo, seht ihr mich? Ich bin's - eure Thalia! So pflegt sie ihre Beziehung zu ihren Großeltern, die sie nie kennen lernen durfte. Wir sprechen immer wieder von ihnen und diese Grabbesuche sind uns wichtig, weil es für die Kinder eine Möglichkeit ist, mit den Großeltern etwas konkreter in Kontakt zu kommen. Es ist dennoch abstrakt, doch so ist es nun mal. Die Kinder können Blumen bringen, die Finger in die Erde stecken und die Pflanzen hinein puddeln. Gießkanne holen und Wasser geben. Das sind reale Tätigkeiten, mit den Sinnen zu erfassen. Und sie tragen die Botschaft: "Ich mache etwas Schönes für meine Großeltern". Jeder von uns findet in dieser Zeit seinen eigenen Zugang zu den lieben Menschen, die uns voraus gegangen sind und denen wir viel zu verdanken haben.



Wie wir dann wieder langsam zum Ausgang zurück schlenderten,  entdeckten wir in einem kleinen Friedhofabschnitt, zwischen zwei Grabfeldern, ein scheues Reh...

Uns stockte der Atem.



Psst, ganz leise, keine schnellen Bewegungen! Das ist uns noch nie passiert. Ein Reh! Mitten in der Zivilisation. Ich roch es, es war dieser durchdringende Geruch von Wild. Und mir kam gleich die wunderbare Definition von einem Menschen mit Down Syndrom in den Sinn, die mir Oona kürzlich schrieb:

Ein Reh ist eine Seele auf vier Beinen.

Eine Seele auf vier Beinen, mitten auf dem Friedhof. Es war heller Tag und dennoch ein ganz mystischer Moment... Nein, es war kein Zufall. Sagt mir das Herz. Der Verstand schüttelt den Kopf und prahlt mit einer logischen Erklärung. Aber es ist dennoch kein Zufall, denn ein Reh ist eine Seele auf vier Beinen. Wir besuchten eben das Grab unserer Großeltern und dieses Reh übertrug die Botschaft: Wir leben!

Das war unser Karfreitag.



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Wie wir am Ostersonntag Schokoladeneier in uns hinein stopften und ganz verwundert den tanzenden Schneeflocken draußen zuschauten, kam Christian auf die Idee, ins Thermalbad zu gehen. G-E-H-E-N. Ja, gehen. Seit etwa einem Jahr haben wir ein solches Bad auf Fussdistanz von uns entfernt und wir waren noch nie dort.

Aber jetzt hätte ich Lust, wöchentlich dort ein Morgenbad zu nehmen... Für meinen strapazierten Körper und meine überreizten Sinne... Nur im Eingangsbereich habe ich mit dem Iphone ein paar Eindrücke eingefangen, danach blieb es im Kästchen verstaut und ich tauchte ab ins wohltuende Wasser. Sie haben die alte Bierbrauerei wunderschön umgebaut und atmosphärisch gestaltet. Beruhigend, sinnlich, verwöhnend. 




Die Umkleidekabine ist wie ein Boudoir eingerichtet, mit Dämmerlicht und warmen Farbtönen.


Calista genoss das Sprudelbad und lernte widerwillig, dass man dort nicht kreischen darf vor Vergnügen. Sie plantschte in einem kleinen Wasserbottich und die grossen Schwestern liessen sich  im Unterwassermusik-Bad treiben. Eukalyptusdüfte zogen ihre Schwaden und Lichtkegel liessen das Wasser an den Wänden flackern. Bis ins letzte Detail wurde für Entspannung gesorgt. Schade nur, das wir nicht die Einzigen waren...


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Am Ostermontag kam uns nichts besseres in den Sinn, als in die IKEA zu fahren. Schliesslich braucht man ja noch dringend was. Und auch dort: wir waren nicht die einzigen... 

Doch ich konzentrierte mich auf meine Kinder und freute mich während unserer kleinen Verschnaufspause an ihrem Saisonstart im Eislecken. 


Halsweh und Schnupfen haben wir wieder alle zusammen. Ob das nun vom Wellnessen kommt, oder vom Schnee oder vom gemeinsamen Eislecken oder sonst woher, ist egal. Ich habe mich in der Apotheke heute wieder mit Schnupfen-geh-weg-Mitteln eingedeckt. Ja, der April hat es noch in sich.

Zum Schluss möchte ich mich nochmals feenherzlich bedanken für die Spenden, die bisher eingegangen sind, es sind über 200 Euros bisher zusammen gekommen. Hurraaa!!

Ich habe noch Herzen, und ich werde auch jederzeit neue aus Gips anfertigen können, für jene, die zu einem späteren Zeitpunkt eins erspenden möchten. Der Link "justgiving" gilt immer noch (unter Bemerkung "Fairy Heart" hinschreiben, wir freuen uns über jeden kleinen Beitrag. Ich verschicke übrigens gerne auch innerhalb Europas. Wenn ihr ein Gipsherz wünscht, passt das noch in ein Briefformat. Versand geht selbstverständlich auf meine Kosten. Einfach melden: write-me@fairybread.com.


Und auch an alle anderen lieben Leser, die hier kein Fairy Heart erspenden, danke ich von Herzen fürs Mitlesen und Mittragen der Inklusions-Philosophie: Die Türen und Herzen zu öffnen für alle Menschen. Inklusion means: we are all alike, and we are all different. Nobody is excluded.

Habt noch schöne Nach-Oster-Tage und geniesst eure Schokoladeneier!

Herzlich, iren x.

Kommentare:

  1. liebe iren, das reh auf dem friedhof beim grab unserer eltern, da kommen mir jetzt fast (was heiss hier fast :-)) die tränen, wie wunderbar....
    letztes mal, als ich dort war, haben sich zwei tauben auf den baum daneben hingesetzt und uns beim buddeln zugesehen und ich dachte ebenso, das ist kein zufall, eine seele mit flügeln.....
    vielen dank für diesen bericht und liebe grüsse
    deine bine

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  2. Liebe Sabine, oh, das wusste ich nicht mit den Tauben. Wie schön...!!
    Sei gedrückt, iren

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  3. Liebe Iren, ich komme erst jetzt dazu Dein / eurer Ostern zu lesen.

    Ja, Rehe sind so feine Geschöpfe die ihre Seelen auf zarten Beinen durch die Welt tragen.

    Diese Aktion mit den Küken ist ja wirlich so etwas von toll. Die sind bestimmt nach ein paar Tagen superflauschig. Was mich noch so entzückt, dass sind rosafarbende Ferkel. Quiek :O)

    Bei Ikea finde ich - wie bei Tschibo - viele Dinge, von denen ich vorher nicht wußte, das ich sie brauche... ähm... ja.

    Ich hoffe, dass es euch allen schon wieder besser geht.

    Herzlichst
    Oona

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  4. Ja, Ikea ist gefährlich... Darum gehe ich sehr selten dorthin... und Tschibo habe ich mir abgewöhnt ;-) ...
    Liebe Grüsse von Iren mit klebrigem Schokohasen-Mund

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  5. guten morgen liebe iren

    deine post ist hier angekommen. ich danke dir von herzen!

    schön, was ihr am krafreitag erleben durftet, das sind solche herzmomente!

    so ein thermalbad, das würde uns auch interessieren, ich werde mal googlen :-)

    ganz lieben gruss in den tag

    christina

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  6. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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    1. Liebe Christina - sind die Herzen alle intakt angekommen, sind sie von der Post gut behandelt worden....?
      Schau mal unter www.thermalbad-zuerich.ch. Ab Juli gibt es auch ein Mineralbad auf der Rigi (www.mineralbad-rigikaltbad.ch), das klingt auch verheissungsvoll!
      Ganz herzlich,
      iren

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    2. danke dir liebe iren für den tipp!
      den rigi hatten wir in der nachosterwoche als ausflugsziel in unserem schweizbesichtigungsprogramm mit unserer freundesfamilie aus deutschland, der fiel aber leider buchstäblich ins wasser..... ehm.......

      ich denke, wir werden nächstens das thermalbad in zürich besichtigen und geniessen, das lockt uns sehr!

      herzlichen gruss dir

      christina

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