Mittwoch, 9. Januar 2013

Alltag

Manchmal, da freue ich mich auf den Alltag. Dann bin ich froh, wenn die Ferien zu Ende sind und ich wieder Normalität und Rhythmus habe. Aber das ist nicht immer so. Manchmal möchte ich Verlängerung eingeben. Noch fünf Minuten Nachspielzeit, oder zehn... Nein, eine Woche, bitte!


Diese Weihnachtsferien waren sehr schön. Ich hätte gerne noch ein bisschen Verlängerung eingegeben, hätte um etwas mehr Familienzeit gebettelt. Ich hätte liebend gern noch mehr entspannte Momente mit Christian und den Mädchen gehabt. Ohne Zeitdruck, Aufgaben und Pflichten. Aber nun ist der Alltag wieder da. Er kommt immer, ob ich es mir wünsche oder nicht.

Einige waren nach meinem Post Fest der Liebe gespannt, wie wir unsere Weihnachten feierten.


Wir wollten am 24. in den Wald fahren mit unserem geschmückten VW-Bus, ein Feuer machen, kochen, fein essen und in den Wald lauschen. So kam es auch, aber anders. Wir fuhren viel später los als geplant und es begann bereits einzudunkeln. Der Waldplatz, den wir uns im Vorfeld ausgesucht haben, war nicht mehr zugänglich, weil der Regen die Tage zuvor einen kleinen Erdrutsch ausgelöst hat und die Waldstraße stellenweise zugeschüttet war. So mussten wir im Dunkeln umkehren und uns einen anderen Platz aussuchen. Das ist in der Schweiz schwierig, weil man eigentlich mit dem privaten Auto auf keinem Waldweg fahren darf. Wir fuhren etwas planlos herum, sahen nicht gut im dunklen Wald und hatten dabei stets Calista's Weinen in den Ohren, die seit zwei Wochen krank war und an Weihnachten immer noch Husten hatte. 


Sie wollte nicht im Autositz angeschnallt sein, sondern in meinem Armen, so, wie die hunderten von Stunden zuvor. Meine Arme und Schultern schmerzten pausenlos von all diesem Einkaufen-mit-Calista-in-den-Armen, Kochen-mit-Calista-in-den-Armen, Essen-mit-Calista-in-den-Armen, Abwaschen-mit-Calista-in-den-Armen, Auf-dem-WC-mit-Calista-in-den-Armen, Schlafen-mit-Calista-in-den-Armen. Sie tat mir leid, aber nach zwei Wochen tat ich mir auch leid. Sie hatte schon länger kein Fieber mehr, nur noch eine Erkältung am Ausklingen und wir dachten, wir könnten ihr einen Aufenthalt im Wald zumuten. Es war ja nicht sonderlich kalt. Doch nach halbstündigem Herumirren im Wald und Calista beim Weinen zu hören wurden wir unsicher über unser Vorhaben und waren kurz davor, wieder nach Hause zu fahren. Christian sagte: Komm, das macht keinen Sinn, lass uns nach Hause fahren und dort Weihnachten feiern. Und ich antwortete vorsichtig: Nein, ich möchte es trotzdem versuchen. 


Also fuhr Christian weiter, bis wir kurz darauf doch ein Plätzchen gefunden haben und unseren VW-Bus parkten, als ob wir hier campen wollten. Es wurde uns ganz heimelig-vertraut und wir wurden sogleich geschäftig: Machten ein Feuer, breiteten das rote Leinentischtuch aus, legten die warmen Schaffelle auf die Sitzbänke, dekorierten und deckten den Tisch festlich (und taten trotz Dunkelheit so, als ob wir es sehen würden) und ich begann in der Bus-Küche zu kochen. Christian entkorkte die Flasche Prosecco und wir tranken den ersten Schluck. Das brauchten wir zu diesem Zeitpunkt. Calista packten wir warm in ihren Wagen und schoben sie in sicherer Distanz zum Feuer, wo ihre Schwestern in die Flammen guckten. Ganz zufrieden war sie nicht, denn sie durfte noch nicht in meinen Armen sein. Cosima versuchte, im Dunkeln einen Tannenbaum zu finden und ihn mit Schokoladen-Tannzäpfen und Kerzen zu dekorieren. Vergeblich, unser Waldplatz hatte keinen Tannenbaum.

Erst als Calista bei mir auf dem Schoss sitzen durfte, ist bei ihr die Feststimmung etwas aufgekommen. Wir saßen auf unseren kuschligen Fellen am gedeckten Tisch im dunklen Wald, ein bisschen Kerzenschein ließ unsere Gesichter gespenstisch aufflackern und das nahe Feuer verbreitete einen Hauch von Wärme. Wir löffelten unsere "Sternensuppe" und knabberten dazu Schlangenbrot vom Feuer. Zum Hauptgang gab es Couscous mit, noch zu Hause im Ofen gebackenes, Gemüse mit Backpflaumen, Zimt und Mandeln. Für den Dessert legten wir mit Schokolade gespickte Bananen in die Kohle, sowie in Alufolie gepackte Bratäpfel. Es war für uns ein richtiges Festessen und hatte nach unseren Kriterien den Namen "Weihnachtsmenu" verdient. 


Während dem Essen grüßten wir zwei Hundebesitzer, die mit ihrem Vierbeiner noch eine Runde im Wald drehten und wünschten frohe Weihnachten. Ansonsten war wir alleine und es war sehr friedlich und entspannt. Christian schaute mich durch den Kerzenschein an und meinte, dass es sich gelohnt habe, hierher zu kommen. Die Kinder lauschten mit weiten Ohren den Geräuschen des Waldes und drängten sich immer mehr an mich und Christian heran. Sie suchten die Wärme, aber vor allem war es ihnen nicht ganz geheuer, nur zu hören und kaum was zu sehen. 


Als wir wieder zu Hause ankamen, da war das Christkind bereits vorbei gekommen und hat Geschenke unter unseren Tannenbaum gelegt und die Kerzen angezündet. Die Kinder freuten sich riesig und Cosima blinzelte mir heimlich zu. Ich blinzelte verschwörerisch zurück. 

Das waren unsere Weihnachten. Und nächstes Jahr werden wir wieder in den Wald gehen, weil es so schön war.

Jetzt ist erst mal der Alltag zurück und ich bin immer noch dabei, die Weihnachtsdekorationen abzubauen und in den Keller zu verstauen. Unseren Tannenbaum habe ich auf den Balkon gestellt. Ich werde ihn die kommenden Tage in einen grösseren Topf umpflanzen und gedeihen lassen. Ich hoffe, er wird uns die Treue halten.

Nach ein paar erholsamen Tagen in einem Berghotel genieße ich es auch, wieder selber zu kochen. Einfach und fein, wie die Ofenkartoffeln, die ich in der Input-Sendung mit Calista machte. Mögt ihr das Rezept dazu haben?


Ofenkartoffeln im Sesammantel

1 kg mehligkochende Kartoffeln
Olivenöl (nicht teures, da es im Ofen erhitzt wird)
Kräutersalz (ich liebe das Guarda-Älplisalz)
etwa 100g Sesamsamen

250g Quark, vollfett
180g Joghurt, nature
Kräutersalz
etwa 1/2 Bund Schnittlauch

Kartoffeln gut waschen und halbieren (nicht schälen), danach nochmals jede Hälfte dritteln. In eine Schüssel geben und mit Olivenöl bepinseln, leicht salzen. In einen vertieften Teller den Sesam geben und die Kartoffeln darin wälzen. Auf ein gefettetes Blech legen und im vorgeheizten Ofen bei 200° ca. 30 Minuten backen. Eventuell auch länger, die Kartoffeln müssen schön angebräunt sein. 

























In der Zwischenzeit Quark und Joghurt mischen, mit der Küchenschere klein geschnittener Schnittlauch dazu geben und mit Kräutersalz abschmecken.

Mit einem frischen Saisonsalat gibt das bei uns eine volle Mahlzeit und macht uns rundum satt und zufrieden. 


Ich grüße Euch herzlich zum neuen Jahr, möge gelingen, was wir uns vornehmen!

Iren, die sich unter anderem disziplinieren will, zu Hause die Sachen und Sächelchen nur einmal in die Hand zu nehmen und gleich an den richtigen Platz zu legen... 

Kommentare:

  1. Oh Iren, ich bin ganz fest berührt und fasziniert. Du lebst etwas von meiner Sehnsucht, bloss dass ich sie nicht mit deinem Mut zu mischen weiss. Welche wunderschönes, unvergessliches Weihnachtsfest. Es ist förmlich zu spüren, wie es Spuren in den Kinderherzen hinterlässt. Ich hoffe, Calista sei wieder mamaarmentwöhnt und wünsche euch allen eine gute Rückkehr in den Alltag.
    Danke, dass du uns hier so reich beschenkst.
    Gabriela

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    1. Danke für deine lieben Worte!
      Ich bin überzeugt, dass du den Mut auch zu mischen weisst... Wenn Du Deiner Sehnsucht noch mehr Raum gibst, dann nimmt sie dich an die Hand. Meine Familie war nicht von Anfang an Feuer und Flamme, auch die Kinder wollten nicht die bisherige Tradition aufgeben, doch wir haben es ja gemischt: Zuhause wartete einen Baum mit Kerzen auf sie und die Geschenke lagen auch wie vertraut darunter. Nächstes Jahr möchte ich viel früher los, wenn es noch lange hell ist. Wir haben auch noch Vogelfutter selbst gemacht und in Tannenzapfen gestopft. Diese nahmen wir mit und wollten sie an den Bäumen aufhängen - als Weihnachtsfutter für die Vögel. Und irgendwo ein bisschen Heu hinterlassen für die Rehe... Aber es war schon so späte und dunkel, dass wir dies nicht mehr machten. Nächste Weihnachten wird es nachgeholt!
      Liebe Grüsse an Dich,
      Iren

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  2. Möge der Alltag gelingen.
    Möge das feine und kleine Schöne stets für Dich zu sehen sein!

    Herzlichst
    Oona

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  3. Ja, ich kann mich nur Gabriela anschließen....und hoffe, dass Calista wieder fiter ist - obwohl das Wetter ja hier nicht sein Bestes dazu tut.
    Gott sei Dank ist es ja bis zu den Osterferien nich mehr lange :)
    HG
    Birgit

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    1. Liebe Akaleia, am 9. Februar sind bei uns bereits wieder die Skiferien angesagt. 2 Wochen. So ist das bei uns "Bergvölkchen" ;-) Dafür haben wir im Sommer etwas weniger, nur 5 Wochen.

      Liebe Grüsse
      Iren

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  4. liebe iren

    vielen, vielen dank für deine posts!
    ich mag deinen blog sehr gerne, freue mich jedes mal wenn du etwas erzählst oder uns bilder zeigst. du berührst mit deiner offenheit, deiner liebe, deiner feinen art.
    ich habe eine frage an dich in bezug auf dein kartoffelrezept. wieviel olivenöl benötige ich dafür? verstehe ich dich richtig wenn die kartoffeln im öl in einer schüssel gedreht werden? kann ich sie auch einpinseln?
    ich werde dein rezept am sonntag ausprobieren und freue mich darauf :-)
    lieben gruss an dich
    christina

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    1. Liebe Amber - danke für die "Blumen", habe mich gefreut darüber!
      Zu den Kartoffeln: Ja, ich "pinsle" sie nur mit Olivenöl. D.h. ich giesse ein bisschen Öl über die Kartoffeln und drehe sie mit den Händen so lange, bis alle "bepinselt" sind ;-)) Ich hoffe, 100g Mengenangabe ist in etwa korrekt für den Sesam. Ich brauche viel Sesam, bis die Kartoffeln rundum damit bedeckt sind. Wir lieben den Sesam an den Kartoffeln und gesund ist er ja auch noch! Wenn man salzarm kochen will, dann kann man die Kartoffeln auch ohne Salz machen, schmeckt auch sehr lecker. (Ich nehme ja Kräutersalz, der ist auch milder).
      Oft lege ich noch anderes Gemüse aufs Blech, je nach Saison Karotten, rote Beete, Petersilienwurzel, Pastinaken, Fenchel, Paprika, Zucchini, Broccoli... Diese aber nur mit Olivenöl bepinselt. Viel Spass beim Kochen und Essen!
      Beste Grüsse
      Iren

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  5. liebe iren

    das war sooooo fein, unser samstagessen!
    danke dir noch einmal für dein erinnerungsrezept :-)

    eine gute woche euch

    christina

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