Donnerstag, 8. Januar 2015

Die Legende vom vierten König




Wir feierten die drei Könige. 

Wir haben deshalb am 6. Januar drei Königskuchen gegessen und hatten dann zwei Könige. Königinnen. Nach Thalia wurde Cosima zweimal Königin. Beim zweiten Mal klaubte sie den kleinen, weissen Plastikkönig rasch aus ihrem Brötchen heraus und steckte es schnell bei Calista hinein, damit sie auch Königin werden darf. Calista gefiel es nicht, dass Cosima an ihrem Brötchen herum fingerte und warf es missmutig in hohem Bogen weg. Cosima beschwichtigte und motivierte sie, weiter zu essen. Als dann der kleine König hervor kam, jubelten die Schwestern, die erwartungsvoll links und rechts neben ihr gewartet haben und riefen: Du bist Königin geworden Calista! Cosima bog die goldene Papierkorne zurecht und setzte sie bedeutungsvoll auf Calistas Haupt. Calista war das zuviel, sie reagierte sauer, riss sich die Krone vom Kopf und warf sie auf den Boden. Das wars. Calista will keine Königin sein. Es trat eine enttäuschte Stille ein. Die Mädchen mussten das kurz verdauen. Ihr kleine Schwester nimmt die vorbereitete Überraschung nicht an, sie versteht nicht, was gespielt wird und freut sich nicht über ihre zugedachte Rolle. So blieb es dabei: Wir hatten eine Königin und eine doppelte Königin. Eigentlich freute sich Cosima darüber.

Am nächsten Tag habe ich den Kindern selbstgebackene Pausenbrötchen in die Schule mitgegeben. Strahlend kam Cosima nach Hause - Mama, ich bin wieder Königin geworden! Ich umarmte sie lachend.

Die Kinder wissen, dass es vier Könige gab. Der vierte König kam zu spät, deshalb fand er keinen Eingang in die Weltgeschichte. Aber nicht alle haben ihn vergessen. Bei uns ist es inzwischen Tradition, die Tage nach dem 6. Januar den vierten König zu feiern. Dann dürfen sie jeweils den liebenswerten, humorvollen Zeichentrickfilm von Ted Sieger schauen. Wir lieben ihn, den Film, den vierten König und dass er eben doch nicht vergessen ging - weil er manchmal verspätete Weihnachtsgeschenke mit bringt.

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Ich wünsche Euch von Herzen ein freudvolles 2015 mit vielen guten Tagen, schönen Stunden, glücklichen Momenten und Sternensekunden von Magie!

Iren, bei der zu Hause schon zum zweiten Mal innerhalb drei Wochen Angina einen Rundumschlag macht.




Samstag, 20. Dezember 2014

Frohe Festtage

Wir fahren heute für die Festtage in die Berge. Weihnachtskugeln und die übrig gebliebene Kekse sind im Gepäck, Geschenke und - die Skiern. Bis und mit für Calista. Wir wollen diese Tage zum ersten Mal mit ihr die sanften Hügelchen testen...







Entspannte Feiertage wünsche ich Euch allen von Herzen, 
feiert Euch fröhlich, 
Iren

Montag, 15. Dezember 2014

Calista war Glücksfee

Heute morgen ist Calista sozusagen mit Flügelchen am Rücken erwacht... Sie hat Zettelchen gezogen, eins nach dem anderen. Und als fünf Papierchen draussen waren, hat sie fröhlich weiter gemacht. Sie hatte Recht, sie wollte alle Zettelchen ziehen und ich würde so gerne allen ein Papa Moll Buch schicken...


Aber ich habe nur fünf Bücher. Und somit leider nur fünf Leser, die wir damit beglücken können. Herzliche Gratulation! Wer sich auf dem Foto unten liest, soll mir bitte über den Kontakt ein Email schicken mit seiner Adresse, damit das Buch noch vor Weihnachten zu Euch kommen kann.

Es grüsst Euch Iren, die auch nie jemals irgend etwas gewonnen hat. Und sich trotzdem vom Leben beschenkt fühlt...


Samstag, 13. Dezember 2014

Das Vorstellungsgespräch - The Interviewer




Von einer aufmerksamen Leserin habe ich diesen Link geschickt bekommen, den ich umgehend mit Euch teilen möchte. - Danke Dir, Tanja!

Herzliche Grüsse von Iren, die eben aus den Bergen zurück gekommen ist, ganz entspannt von Massage, Sauna, feinen Düften, Frischluft und lachenden Kindern im Schnee.

Freitag, 12. Dezember 2014

In der Weihnachtsbäckerei

Calista liebt unsere Weihnachtsbäckerei! Fast jeden Tag und bereits morgen früh fragt sie mich, ob wir backen wollen. Sie holt dann das grosse und kleine Wallholz hervor und ruft: Röllele, Mami, röllele! - Nein Calista, wir müssen zuerst den Teig machen. Und bevor ich das Backbuch hervor geholt und ein Rezept aufgeschlagen habe, sucht sich Calista eine Schüssel und Eier aus dem Kühlschrank und schlägt sie schon recht geschickt auf. Sie weiß. 





Mit viel Kraft und Konzentration rollt sie dann später den Teig aus, bis er ganz platt ist. Ich stoße ihn dann wieder ein bisschen zusammen, damit es uns gelingt, Kekse auszustechen. Sie schafft es inzwischen schon sehr gut alleine. Sie hält jeweils kurz inne: Super! lobt sie sich selbst und macht weiter. Und ich auch: Bravo, Calista! 

Ich bin wirklich stolz, wie selbständig sie sich schon an die Arbeit macht. Bald kann sie sich beim Nikolaus als Helferin bewerben. Er braucht sicher noch fleißige Hände...


Herzliche Grüße von Iren, die noch keine Dose mit Kekse füllen konnte, weil immer gleich alle weggegessen werden...

Montag, 8. Dezember 2014

Papa Molls Freunde - Integration und Inklusion...

Vor einigen Wochen ist ein Buch innerhalb der "Papa-Moll"-Reihe heraus gekommen, das sich für die bessere Integration von Menschen mit Behinderung und für Toleranz einsetzt. 


Die Geschichte beginnt mit Familie Moll und dem Dackel Tschips, die einen Ausflug in die Berge machen und dabei auf eine Gruppe Menschen mit Behinderung treffen. Als Papa Moll sich erschöpft vom Aufstieg an Peters Rollstuhl lehnt, kommt dieser ins Rollen und saust den Berg hinunter. Wie kommt Peter nun den Berg herunter? 

Weil Papa Moll sich entschuldigen möchte, besucht die Familie die Einrichtung, in der die Gruppe lebt. Papa Moll will seine Hilfe anbieten und bleibt vorerst mal bei diesen neuen Freunden. Zusammen  erleben sie typische Papa Moll Abenteuer, in denen Moll immer wieder viele sympathische Ungeschicklichkeiten passieren. Die Menschen mit Behinderung werden in verschiedenen Situationen gezeigt, in denen sie mal cleverer sind als Moll, phantasievoller oder verspielter. Mit Witz, Humor und Respekt wird ein lebendiges Heimleben mit ihren Bewohnern porträtiert. Dabei wirbt das Buch unterhaltsam und unaufdringlich für Toleranz. 


Bei der Entstehung des Buches wurde sorgfältig recherchiert und mit Spezialisten und Betroffenen eng zusammen gearbeitet. Die Idee zu diesem Band stammt von Menschen aus dem Arbeits- und Wohnzentrum in Kleindöttingen, welche das Buch mit Rat und Tat auch gefördert haben. Diese gelungene Zusammenarbeit spürt man beim Lesen und Anschauen der lustigen Bildern. 

Die Autoren des Buches wünschen sich damit eine bessere Integration von Menschen mit Behinderung in den gesellschaftlichen Alltag. Sicher hilft es für mehr Interesse und Toleranz, doch ich sehe den  Link zum gesellschaftlichen Alltag nicht gut... Da kommen meine persönlichen Fragezeichen. Denn es geht hierbei ja um das Leben in einem Wohnheim und Werkstätte. Die Menschen haben im ganzen Buch kaum Kontakt zur Gesellschaft außerhalb ihres Heimradius. Das spezielle Ereignis, dass Moll uns seine Familie zu ihnen ins Wohnheim kommen und seine Hilfe anbieten, ist der Aufhänger der Geschichte. Der Leser kann sich mit Moll identifizieren und vielleicht auf die Idee kommen, auch mal eine solche Einrichtung zu besuchen, zumindest an einen von ihnen organisierten Bazar zu gehen. Dennoch, die Menschen mit Behinderung bleiben eine Gesellschaftsgruppe unter sich, mit wenig Austausch zum öffentlichen Leben. Es bleibt ein eigenes Biotop.


Wenn ich sehe, wie Calista sich weitgehenst "normalmenschlich" entwickelt, sich für die genau gleichen Dinge wie ihre Schwestern interessiert, sich über die gleichen Sachen freuen oder aufregen kann und ein Mädchen ist, dass aktiv und möglichst autonom ihre Schritte ins Leben macht. Wenn sie voller Freude ein hübsches Kleidchen anzieht, sich vor dem Spiegel dreht und zur Musik tanzt, wenn sie draußen mit anderen Kindern Roller fährt, Fußball und Verstecken spielen will, wenn sie wie die großen Schwestern eine Schultasche schnappen will und mir fröhlich "Tschüss Mama!" winkend zuruft, wenn sie frustriert ist über ein Missgeschick, wenn sie Restaurant spielen und mir Kaffee servieren will, wenn sie liebevoll mit ihren Puppen spielt und einen ganz sanften Blick bekommt, wenn sie ein Baby sieht. Wenn sie eine Aufgaben bekommen will, stolz ist, eine Verantwortung zu tragen, strahlt, wenn ihr etwas gelingt und jeden Tag neugierig die Welt ein Stückchen mehr erobert. Wenn ihre Lieblingssätze "Ich auch!" und "Ich will alleine!" heissen... dann gibt es für mich nur einen Weg: Die Inklusion. Es gibt für mich keinen überzeugenden Grund, warum Calista "ausgeschlossen" werden soll. Warum sie in einem Heim leben soll, wo sie sich ihre Mitmenschen und Betreuer nicht aktiv selbst aussuchen kann, wo sie immer fixe Essenszeiten und fremdbestimmte Menupläne akzeptieren muss. Ein  Ort, der Schlaf- und Weckzeiten vorschreibt. Eine Werkstätte besuchen soll, die eine Reihe von Tätigkeiten anbietet, aus denen sie sich etwas auszusuchen hat, und dabei etwas "Sackgeld" verdient aber nie einen richtigen Lohn bekommt. 
Warum soll Calista, die nun fröhlich und voller Lebenslust mitten unter uns lebt, gesellschaftlich "abgeschoben" werden? 


Inklusion ist in Thema, dass nicht nur für mich immer aktueller wird, sondern auf uns alle zu kommen wird. Schließlich hat die Schweiz (wie auch die EU und viele andere Länder) im April dieses Jahres die UNO-Behindertenrechtskonvention ratifiziert. Diese beinhaltet vor allem die größtmögliche, gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderung am gesellschaftlichen Leben. Die Schweiz hat sich somit verpflichtet, die Inklusion und Gleichstellung dieser Menschen in der Gesellschaft aktiv zu fördern. Natürlich sind mit diesem offiziellen Beitritt erst die Grundlagen geschaffen. Die konkrete, alltägliche Umsetzung muss von allen Gesellschaftsmitgliedern unterstützt werden, denn Inklusion entsteht nicht durch einen politischen Entscheid, sondern ist ein gesamtgesellschaftlicher Umdenkprozess. Und ein großer Lernprozess für alle.




Dass dieser Weg schwierig sein kann, haben wir diesen Sommer bereits selbst erfahren, denn die Krippe von Calista kam mit ihrer Entwicklung nicht zurecht. Sie haben sich viel zu wenig für sie interessiert, sie waren der Auffassung, dass Inklusion nur bedeute, ein Kind mit besonderen Bedürfnissen aufzunehmen und dann gleich wie alle anderen zu behandeln. So wird man aber einem solchen Kind überhaupt nicht gerecht. Ich suchte immer wieder kleine Gespräche mit den Betreuerinnen, doch es war wenig Gegeninteresse da. Unsere Heilpädagogin besuchte dann Calista in der Krippe und sah dringenden Handlungsbedarf. Sie erkannte sofort, dass man Calista helfen musste, ihr Sätze zur Hand geben musste, wie sie sich verbal in ein Spiel integrieren kann, wie sie Kommunikation aufbauen kann etc. Calista wurde aber in der Krippe diesbezüglich komplett sich selbst überlassen, sie musste deswegen sehr viel und sehr oft Frust einstecken und begann, Spiele der anderen zu stören, kleinere Kinder zu schlagen etc. Die Krippe wollte aber die Hilfe der Heilpädagogin nicht annehmen... Zwei Wochen später, als ich Calista eine Stunde früher als sonst abholte und spontan ins Spielzimmer lief, sah ich, wie sie auf einem kleinen Stuhl fixiert war und mit dem Gesicht gegen die Wand gedreht...!! - Ich fragte sogleich, ob ich die Situation richtig verstanden habe, dass Calista zur Strafe so behandelt wurde? Ja. Sie habe ein Spiel zerstört und ein kleines Kind mit einem Spielzeug auf den Kopf gehauen. - Ich nahm Calista per sofort aus der Krippe und meldete es der Krippenleiterin (welche mir gegenüber aber vor allem entschuldigende Gründe für ihr Team suchte...). Es war ein sehr schockierendes, aufweckendes Erlebnis. Seither darf Calista zweimal pro Woche in unserem Quartiertreff in die Spielgruppe gehen. Sie wurde voll Freude und mit viel Interesse  von der Leiterin aufgenommen. Unsere Heilpädagogin durfte wöchentlich kommen und Calista bei der Integration in die Gruppe unterstützen. Sie musste ihr vor allem die Sprache dazu anbieten. Es brauchte wenige Wochen, da war Calista gut in der Gruppe angekommen, sie haute nicht mehr und sie zog sich auch nicht mehr in eine Ecke zurück, wenn etwas schief lief. Calista blühte auf. In der Spielgruppe haben wir ganz tolle Menschen gefunden, die Inklusion ernst nehmen und bereit sind, ihren Teil dazu zu lernen. Es ist wunderbar! - Diese Erfahrung zeigte mir, dass Inklusion nur gelingt, wenn alle Beteiligten gut kommunizieren und zusammen arbeiten, wenn sie sich für Calista und ihrem Anderssein ernsthaft interessieren und ihre Bedürfnisse berücksichtigen. In diesen Wochen habe ich selbst auch sehr viel gelernt. Es war ein ankommen auf dem Boden der Realität. Eine Realität, die mir aber auch Mut macht und mich in meinem Vorhaben bestärkt. Trotz allen Schwierigkeiten und offenen Fragen, die noch auf uns zu kommen werden, suche ich für Calista den Weg der Inklusion. 


Wer nun gerne das neue Bilderbuch "Papa Moll findet neue Freunde" haben möchte, darf bei meinem "ausnahmsweise-mache-ich-ein-Glücksspiel" mitmachen. Ich habe fünf Exemplare zu verschenken. Ich könnt mir ein Email schreiben, einen Kommentar hinter lassen, eine Sms... wie auch immer ihr einen Weg zu mir findet, gebt mir Euren Namen und ich werde Glückslose schreiben. Calista wird Fee spielen und fünf Namen aus dem Lostopf ziehen...


Herzliche Dezembergrüsse von Iren, die eigentlich noch so viele Post schreiben wollte dieses Jahr...

Freitag, 21. November 2014

Bäume hören

Thalia, gibt dieser Pflanze bitte regelmässig Wasser, denn wenn sie Durst hat, schreit sie. Du kannst es nicht hören, aber es ist wahr. Thalia schaut mich mit grossen Augen an. Hää? Wie meinst du, sie schreit? - Sie hat natürlich keinen Mund, aber es gibt Geräusche in ihr drin, die nur entstehen wenn sie Wassermangel, also Durst, hat. Es klingt wie poppende Pop-Corn. Ich stelle ihr das Farnkraut wieder auf den Fenstersims, einzelne Wassertropfen laufen noch runter, und schnappe mir den daneben stehenden Blumentopf. Ich schaue Thalia von der Seite an: Diese Blume hier hat auch Durst, fühl mal an der Erde. Thalia möchte Pflanzen im Zimmer haben, doch sie vergisst zu giessen.

Thalia, die jedem Ding und Gegenstand ein Leben und eine Seele einzuhauchen vermag, sogar einem müden, schrumpeligen Luftballon, hört mir interessiert zu und will mehr wissen. Eine Pflanze macht Geräusche? Das findet sie wunderbar - und ich auch. Ich nahm Thalia zu mir an den Computer und liess sie Aufnahmen einer Waldföhre hören. "Die leise Symphonie der Bäume" heisst die Arbeit von zwei ganz unterschiedlichen, sich wunderbar ergänzenden Forschern. Sie haben das stille Innenleben der Bäume nicht nur hörbar gemacht, sondern sie haben auch gelernt, die Geräusche zu verstehen. Sie lernen die Sprache des Baumes zu deuten und erhalten so wertvolle Informationen über ihr Wohlbefinden.

Wir sind fasziniert. Und auf die Frage von Thalia, ein paar Stunden später, ob es Engel und Zwerge und Feen gäbe, da meinte ich nur: Ich habe noch nie welche gesehen, aber das heisst nichts.

Ja, Thalia, nur weil wir etwas mit unserem beschränkten Hirn nicht wahrnehmen können, heisst es noch lange nicht, dass es nicht existiert. Denn bis vor kurzem wussten wir ja auch nicht, dass eine Pflanze nach Wasser ruft, wenn sie Durst hat. Jetzt haben wir es aber dank Mikrophonen und Technik hören können. Du weisst ja, dass Hunde viel, viel besser riechen als wir. Oder Fledermäuse mit Ultraschalllauten fliegen. Davon merken wir, ohne technische Hilfe, auch nichts.

Mit diesem Wissen, dass unser Hirn und unsere Sinne eigentlich arg beschränkt sind, fühle ich mich wohl. Es ordnet mich ein in die Natur und gibt mir einen Platz, der bescheidener ist, als wir es vielleicht manchmal gerne hätten. Das tut gut, nicht?


Grüsse von Iren, die Kleine.