Montag, 4. April 2016

Erste Kommunion

Heute ist noch alles anders. Der Esstisch und die Sofas stehen nicht an ihrem Platz. Bänke, Tische und Geschirr müssen wir noch den Nachbarn zurück bringen. Letzte Teller und Gläser waschen, Pfannen reinigen und zwischendurch einen Biss vom übrig gebliebenen Kuchen schnappen, oder den Finger nochmals in die Curryresten stecken und genüsslich ablecken. Zwischen dem Aufräumchaos ist der Alltag aber wieder da und geblieben sind süsse Erinnerungen.




Wir haben am vergangenen Sonntag bei uns Zuhause Thalias Erstkommunion gefeiert. Und Thalia und ich haben speziell noch gefeiert. Weil Thalia über Monate keine Erstkommunion machen wollte. Sie hat sich wochenlang dagegen gestellt und mich gebeten, sie abzumelden. Die Vorstellung, dass sie in einer vollen Kirche vorne stehen muss, Lieder singen und dann noch ganz alleine vor dem Mikrofon stehen und etwas lesen sollte, diese Vorstellung war zu angsteinflössend für sie. Ich hörte ihr jeweils zu, unternahm aber nichts; Ich meldete sie nicht ab. Es ist schade, Thalia, wenn du auf deine Angst hörst. Wenn du deiner Angst zu viel Macht gibst, dann wächst sie. Es war für mich dennoch eine Gratwanderung abzuschätzen, wie gross ihre Angst tatsächlich ist, wie sehr sie wirklich leidet. Es belastete sie sehr, das konnte ich sehen, wir sprachen auch viel darüber. Doch ich entschied, die Situation ganz nahe an sie heran kommen zu lassen, und dann spontan eine Entscheidung zu fällen. Zwei Wochen vor dem grossen Tag kam sie lächelnd nach dem Religionsunterricht nach Hause und sagte, sie freue sich ein bisschen…sie werde lesen. Mein Herz machte einen Hüpfer.














Thalia hat ihre Angst besiegt. Sie hat in der Kirche alles bestens gemeistert, war sichtlich stolz und erleichtert und freute sich über sich selber. Und ich, ich schloss sie mehrmals an ihrem grossen Tag zärtlich in meine Arme und küsste sie freudig auf ihre Wangen. Bravo, meine Seelchen, so schaffst du deinen Weg!

Herzliches von Iren, die jetzt gleich noch den Küchenboden feucht aufnimmt und bereits eine neue Hürde mit Thalia nehmen muss: In zwei Wochen soll sie Klavier vorspielen...

Donnerstag, 3. März 2016

Cosima's 12

Am 1. März feiern wir stets unseren Frühlingsanfang mit Cosima, die Sonnige. 
Wir feierten also vergangenen Dienstag unsere Große, die noch mit zwölf Jahren vor Aufregung über ihren Geburtstag um vier Uhr morgens erwachte, kaum mehr Schlaf fand und dann um sechs Uhr zu uns ins Bett kroch. Sie zappelte herum und noch vor sieben riss sie uns die Decke weg: Aufstehen, Mama, Papa! Heute habe ich Geburtstag! Wir lachten und erinnerten uns wie es vor zehn Jahren war. Damals, in London. Sie war zwei Jahre alt und erwachte, wie dieses Jahr auch wieder, um vier Uhr morgens. Nur war sie mit zwei Jahren nicht zu überzeugen, wieder zurück ins Bett zu gehen und zu warten bis es richtig Morgen war. Sie schaffte es also, dass wir um vier Uhr morgens aufstanden und die zwei Kerzen auf dem Kuchen anzündeten. Wir sangen und sie blies. Wir aßen und sie packte Geschenke aus. Sie war glücklich. Auf dem Erinnerungsfoto sieht man Christian mit müden Augen am Frühstückstisch sitzen, Cosima strahlend in die brennenden Kerzen schauend und die Uhr im Hintergrund zeigt zehn nach vier morgens. Cosima.







Am Mittag hat sie zwei Schulfreundinnen zu sich nach Hause eingeladen zum Sushi essen. Mit Edamame und Glückskeksen. Cosima solle mit guten Freunden wieder einmal entspannen, hieß es auf ihrem Zettelchen...



Cosima unsere Große steht an der Schwelle zur jungen Frau. Sie trägt bereits meine Schuhgröße und meine Kleider, die in der Wäsche etwas eingegangen sind, passen ihr perfekt. Sie benutzt meine Crèmes, mein Haarshampoo und hinterlässt im Bad manchmal ein Chaos. Immer wieder mal geht sie hinter meinen Schmuck und probiert an sich aus. Sie hat sich schon mehrmals aus eigener Initiative in der Küche zu schaffen gemacht und leckere Sachen auf den Tisch gestellt. Sie ist offen, neugierig und hat eine eigene Meinung. Sie gibt mir ehrliches, direktes und manchmal unbequemes Feedback in verschiedenen Dingen. Wenn Christian und ich uns streiten (was natürlich kaum vorkommt…) dann kommentiert und coacht sie uns. Bei Familiendiskussionen holt sie jeweils ein Kissen und sorgt so dafür, dass nur der spricht, der das Kissen in der Hand hält. Dies alleine bringt uns jeweils zum Lachen und erhellt so viele Situationen zu einem Spiel.

Cosima, unsere Erste, feiern wir immer am Ersten. Sie ist Sonne. Und so ist ihr Geburtstagsfest immer auch ein Frühlingsfest.

Herzliche Grüße von Iren, die nun mit Cosima Wasserpflanzen für ihr lang ersehntes Aquarium aussuchen geht. 

Sonntag, 14. Februar 2016

Happy Valentine!

Es ist schon lange zu spät, euch frohe Weihnachten zu wünschen, ein gutes neues Jahr oder sonst was.
Viele Wochen ist es her, dass ich mich hier das letzte mal gemeldet habe… Und natürlich viel erlebt, passiert und überstanden. Der alltägliche Wahnsinn eben.

Aber heute ist Valentinstag und ich wünsche Euch allen viel Liebe im Herzen und um euch herum! Gebt und zeigt eure Liebe.


Wir sind am Packen und fahren in die Berge, ins Haus meiner Ahnen. Dort, wo liebe Menschen Familie gegründet haben und in Frieden zusammen lebten. Ich habe meinen Urgrosseltern viel zu verdanken und mein ganzes Leben ist zu einem Teil auf ihrem aufgebaut.

Meine Urgrosseltern waren sehr warme Menschen, die ihre Kinder sehr geliebt haben und es ihnen auch zeigten. Sie kauften als Bergbauern extra Land, damit die Mädchen nach der Schule nicht an fremden Orten arbeiten mussten bis zur Heirat, sondern Zuhause bleiben konnten, weil sie dort genug Arbeit und Essen fanden. Mein Urgrossvater brachte es nicht übers Herz, seine Mädchen in fremde Hände, in fremde Kost zu geben. Er hatte auch immer Tränen in den Augen, wenn eines seiner grossen, verheirateten Kinder nach einem Besuch bei ihm sich wieder verabschieden mussten. Es zerriss ihm das Herz, wenn seine geliebten Menschen entfernt von ihm lebten. Und meine Urgrossmutter hielt stets Ausschau, ob ein vertrautes, geliebtes Gesicht vielleicht den Weg hoch kommt und sie besucht.

Diese innige Liebe, die meine Grossmutter in ihrer Kindheit erfahren durfte, hat sie ihren Kindern - meiner Mutter - weitergegeben. Und diese warme Liebe durfte ich von meiner Mutter erfahren und prägte mein Aufwachsen. Von dieser Liebe genährt darf ich nun heute meine Kindern nähren. Jeden Tag. Das ist ein grosses Geschenk.

Herzlicher Gruss von Iren, die heute sehr dankbar ist. Und immerdar.


Montag, 14. Dezember 2015

Familienrunde

Gestern habe ich in familiärer Runde meinen 44. gefeiert. Thalia hat sich am Morgen ins Zeugs gelegt, um mir einen schönen Frühstückstisch zu machen, während Christian Cosima zu ihrem ersten Wettkampf der Saison fahren musste. Calista sass leicht fiebernd und kränkelnd am Tisch und beobachtete Thalias Treiben und freute sich, bald Happy Birthday singen zu dürfen. Sie liebt Geburtstage.







Die kleine Holzfigur hat Thalia mir geschnitzt. Sie hat mir voller Freude gezeigt, dass sie ein Herz auf der Brust habe... Es ist ihr erstes Schnitzwerk und sie wünscht sich nun ein gutes Schnitzmesser und sonstiges Zubehör. Wie ich in Thalia's stolzes Gesicht blickte und ihr Strahlen schaute, weil sie sah wie ich mich über alles freute, da war ich noch glücklicher. Ist es nicht so, dass geteilte Freude doppelte Freude ist?!

Meine Geschwister, Neffen und Nichten, Schwägerin und meine Eltern nahmen sich am Nachmittag Zeit und stiessen mit mir an. Genau so wünschte ich mir, mein neues Lebensjahr zu beginnen - mit meinen Liebsten!




Herzliche Grüsse von Iren, die am Abend auch noch eine zufriedene Cosima in den Armen halten durfte.

Samstag, 12. Dezember 2015

Eine kraftvolle Fotographie

Vor ein paar Tagen nahm ich ein Fotobuch des Schweizer Fotografen Hans Peter Klauser wieder zur Hand. Ich lag bereits im Bett und neben mir brannte ein kleines Nachttischlicht. Ich blätterte es durch und schaute mir die Bilder und Themen an. Klauser hat sich dem Leben gewidmet und zeigte die Menschen würdevoll in ihrem Kontext. Ob Arbeiter, Flüchtlinge, Bauern oder ganz normale Bürger. Ein sehr spannendes Dokument seiner Zeit. Plötzlich hielt ich inne und schaute mir eine Fotografie ganz genau an. Ich nahm das Buch und hielt es genauer unter das Nachttischlicht. Ist es richtig, was ich hier erkannt habe? 

Der Titel der Fotografie ist lediglich beschreibend: "Arbeiter und Angestellte warten auf den Zug, Bahnhof Winterthur, 1938"


Der Titel ist in neutraler Sprache formuliert und versprach nichts aussergewöhnliches. Wenn man sich die Menschen aber genau anschaut, dann fällt einen etwas auf, das eigentlich wie der Titel nichts aussergewöhnliches sein sollte. Und trotzdem ist es bemerkenswert!


Habt ihr's erkannt? Da steht unter den Arbeitern ganz selbstverständlich ein gut gekleideter Mann mit Down Syndrom. Er wartet auf den Zug. Wahrscheinlich hat er auch einen Arbeitstag hinter sich, wie all die anderen Herren auch. "Arbeiter und Angestellte warten auf den Zug." Mehr gibt es zu diesem Bild nicht zu sagen. Doch für mich bedeutet es wahnsinnig viel!


Haben wir doch von der UN eine Behindertenrechtskonvention ratifiziert. Bemühen wir uns doch als Gesellschaft, nun die Inklusion zu leben, das heisst, die Menschen mit einer Behinderung nicht mehr auszuschliessen, sondern an unserem Leben teilhaben zu lassen. Habe ich doch selber ein solches Projekt ins Rollen gebracht, welches eine Fokusreihe zu diesem Thema in Planung hat, mit tollen Menschen u.a. aus der Film-, Radio- und Fotografiewelt, die sich daran beteiligen. Wollen wir doch möglichst viele Menschen auf jene Lebenswege sensibilisieren, die sich wegen einer Diagnose verengt haben. Und Betroffene zeigen lassen, wie sie nach ihren Möglichkeiten trotzdem mehr erreicht haben als gesellschaftlich erwartet wird, weil sie und ihr enges Umfeld Mut hatten, mehr zu wollen.

Und nun kommt an einem ganz normalen Abend, bei Nachttischlampenlicht, völlig unspektakulär, eine so kraftvolle Fotografie daher! - Genau so sollte es sein! "Arbeiter und Angestellte warten auf den Zug, Bahnhof Winterthur. 1938". Nichts anderes. Alles ist ganz normal. Ein ganz normales Bild einer ganz normalen Gesellschaft. 

Herzliche Grüsse von Iren, die genau eine solche Normalität sich von ganzem Herzen wünscht.

Donnerstag, 10. Dezember 2015

Unser Haus in Frankreich.

Ich gebe etwas Olivenöl über das gekochte Gemüse und hänge meinen Gedanken nach... Vor einer Woche sind meine Eltern von der Olivenernte aus Frankreich zurück gekommen. Sie hatten prächtiges Wetter und die Ernte war reich. Gerne wären wir auch dabei gewesen.
Doch unser altes, 300jähriges Haus brannte im Oktober. Wir hatten Glück, es brannte "nur" den schönen Eingangsbereich, wie auch die original antike, schwere Holtüre, die alte Treppe und das erste Zimmer oberhalb im 1. Stock. Aber das ganze Haus ist unbewohnbar. Verraucht. Schwarz. Russig. Geruchsschwer.




Die Bilder, welche mein Bruder und Neffe gemacht haben, lassen beim Betrachten mein Herz zusammenziehen. 

Traurigschön sind die Fotos. Mystisch, melancholisch, verträumt.  Ich schaue und schaue und die Bilder sickern in mich hinein. Schwere breitet sich in mir aus. Und ich verstehe, dass es ein Abschied ist. Ein Abschied von dem, was gelebt war. Ein Teil meiner Jugendzeit, meiner Familien- und Mutterzeit. Mein Wachsen und Erwachsen.

Wir werden das Haus wieder herrichten. Altes, verrauchtes entsorgen, Neues aufbauen. Es wird viel Arbeit geben und es wird nicht mehr so, wie es war. Aber ich verstehe auch, dass dies auch zur Geschichte des Hauses gehört. Es ist nicht der erste Brand, den das Haus erlebt hat. Es ist auch schon während eines Krieges ein Flugzeug hier abgestürzt. 300 Jahre... Viel ist passiert, hier und dort, in der Welt. Napoleon. Revolutionen. Weltkriege. Kriesen. All dies hat das Haus überlebt und den jeweiligen Bewohnern Schutz geboten. Und so wird es weiterhin sein. Das Haus lebt noch, es wandelt sich, doch es wird uns und allen kommenden weiterhin Schutz bieten. Die Geborgenheit wird wieder zurück kommen.








Herzlich, Iren in Gedanken