Dienstag, 3. Juli 2012

Wir stehen nicht im Regen

Sobald man weiß, dass man ein besonderes Kind erwartet oder bereits in den Armen hält, kommt auch rasch die Angst: Was denken die Anderen? Werden wir so noch akzeptiert oder eher freundlich gemieden? Lassen uns die Mitmenschen nun im Regen stehen?


Diese Gefühle kennen letztendlich alle, besonderes Kind hin oder her. Sie schüchtern uns ein und machen uns schwach und zaghaft. Aber was die Anderen tatsächlich denken, ist meistens nie das, was wir in sie hinein projizieren. Es ist also total müßig, unsere Kraft und Energie darauf zu verschwenden, heraus zu finden, was in den Köpfen der Andren vorgeht. Und es soll uns auch nicht beeinflussen. Diesen Regenmantel müssen wir uns anziehen.


Ich stehe öffentlich zu Calista und schäme mich keine Sekunde für sie, im Gegenteil sogar, ich bin stolz auf sie! Und ich habe bis anhin kein einziges negatives Feedback erhalten. Meistens sind die Menschen anfangs kurz unsicher, doch sobald sie merken, dass ich Calista ganz normal behandle und sie genau so mein Herzenskind ist wie die anderen, dann weicht ihre Unsicherheit rasch zu freundlicher Zuneigung. Die meisten wollen gerne mit Calista in Kontakt kommen, einige wünschen es sogar, so ein besonderes Kindchen mal in den Armen halten zu dürfen. Calista ist verwöhnt von positiver Resonanz und Zuneigung.

Gerade heute fand ich ein paar Zeilen bei mir im Briefkasten von einer Frau, die in unserer Nähe wohnt. Mit ihr hatte ich letzte Woche, sozusagen beruflich, kurzen Kontakt. Sie und ihren Mann, mein Vater und ich mussten Baupläne (nein, ich baue nicht ;-)) gemeinsam besprechen und ich hatte Calista dabei, die das Büro ein bisschen auf den Kopf stellte. Heute hielt ich also eine Karte von ihr in der Hand mit folgendem Wortlaut:

"Seit dem Treffen in unserem Büro bin ich immer noch tief beeindruckt von Ihrer außergewöhnlichen Tochter. Sie in den Armen zu halten, ihre Hingabe spüren zu dürfen hat mich nachhaltig berührt. Ich hoffe, wir sehen uns bald wieder."

Es war ein spezielles Geschenk, diese Worte zu erhalten und sie haben mich wiederum sehr berührt. 

Weshalb haben wir immer Angst, was die Anderen denken? Wovor fürchten wir uns eigentlich?

Nein, wir sind nicht im Regen stehen gelassen worden, denn wir haben auch keine Angst mehr davor.

 

Danke dir, meine Calista. x

Sonntag, 1. Juli 2012

SECHS!









Thalia ist sechs - und muss sich selbst noch daran gewöhnen. Am Vorabend ihres Geburtstages schlüpfte sie eifrig unter die Bettdecke, grinste mich beim Gute-Nacht-Kuss nochmals freudig an und sagte: Mama, ich kann es kaum glauben, dass ich schon sechs werde! Und dann blieb sie ruhig und wartete geduldig, bis der Schlaf kam, ohne noch einmal nach mir zu rufen.


Cosima hingegen zappelte bis abends um zehn auf ihrer Matratze herum, sie hat für Thalia's Geburtstag ihren letzen Jokertag in der Schule eingereicht und durfte an diesem Tag zu Hause bleiben. Sie freute sich sehr, Thalia in den Kindergarten begleiten zu dürfen und dort den Geburtstag mitzuerleben. 


Wir feierten schon zum Frühstück mit Schokoladenkuchen, den sich Thalia gewünscht, Christian gebacken und Cosima dekoriert hat.


Als Calista dann ganz aufgeregt ans Fenster klopfte und laut lachte, wussten wir, die Kinder sind gekommen und holen das Geburtstagskind ab. Jetzt kam Thalia's Moment, jetzt darf sie im Kindergarten im Mittelpunkt stehen - wie haben ihre Augen geleuchtet!



Da standen sie alle vor unserer Haustüre und sangen. Ich weiss nicht, wie Thalia sich dabei gefühlt hat, aber mir kam das Augenwasser. Diese Kinderstimmen zu hören berührte mich sehr: teilweise waren sie zart und fein, mitunter schüchtern, teilweise waren sie verschlafen, heiser aber auch kräftig. Sie begrüssten Thalia singend und luden sie ein, mit in den Kindergarten zu kommen.


Nach dem Lied durfte sie sich zuerst einen Kopfschmuck aussuchen.


Und dann setzte sie sich in den Leiterwagen wie eine Prinzessin und wurde von ihren Freundinnen in den Kindergarten gezogen. Heute wird Thalia gefeiert! Die ganze Delegation maschierte los, mit Calista und Cosima als Schlusslicht.



Im Kindergarten feierten sie gemeinsam mit verschiedenen Geburts-tagsritualen. Sie haben gesungen, geklatscht und getanzt, Thalia blieb immer im Mittelpunkt.


Thalia musste die Schatzkiste suchen, darin lag ein Pferdehalfter, dass ich, wie jede Mutter für ihr Kind, unter der Anleitung der Kindergärtnerin filzen durfte. Und Thalia bekam von sechs Kindern je ein Glöckchen, zusammen mit einen Geburtstagswunsch, geschenkt. Diese Wunschglöckchen kamen dann ans Halfter genäht.


Zur Musik des "Sechseläuten-Marsches" ist das Pferdchen Thalia dann mit wechselnden Reitern durch den Kindergarten galoppiert. Unter viel Lachen und Kreischen von allen. Es war ein Gaudi!

Der Höhepunkt war der Sandkuchen, symbolisch für den Sechseläuten-Scheiterhaufen (unser Zürcher Frühlingsfest). Thalia hat am Vortag den Sandkuchen dekoriert und am Geburtstag selber kam der feierliche Moment, bei dem sie das Zündholz hinhalten durfte. Alle hielten sie den Atem an und schauten gebannt.


Im feinen Klebesand sind Streichhölzer so eingesteckt worden, dass eine Feuerspur abbrannte bis an die Spitze des Sandberges, wo eine Wunderkerze auf das überbrachte Feuer wartete. Ist das nicht eine magische Idee? Die Kinder erleben es bei jedem Kindergeburtstag, und jedes Mal herrscht absolute Ruhe, alle Augen sind gespannt auf den Lauf des Feuers gerichtet. 





Nach diesem Schlussbouquet durfte Thalia die Zitronenmuffins, die sie sich von mir wünschte, allen Kindern anbieten und die Kindergärtnerin hat frische Früchte dazu gereicht. Ich begleitete die Kinder noch kurz nach draussen, ins freie Spiel, bevor ich mit Calista wieder nach Hause ging und die Küche aufräumte. Eigentlich nicht nur die Küche rief nach ordnenden Händen, das ganze Haus sah nicht sehr feierlich aus... Doch dafür hatte Thalia keine Augen. Sie spürte nur sich selbst und ihre immense Freude, Geburtstag zu haben.




Wie ihr seht, haben wir eine ganz tolle, wunderbare Kindergärtnerin! Sie erzählte mir, dass es heutzutage Kindergärten gibt, die nicht mehr jeden Geburtstag einzeln feiern, sondern nur noch Frühlingskinder, Sommerkinder etc. zusammen nehmen und pro Jahreszeit eine Feier machen. Ist das nicht sehr, sehr schade? Thalia tat es in der Seele gut, ein paar Stunden im Mittelpunkt zu stehen, einmal im Jahr gefeiert zu werden. Und zwar einfach so. Einfach so, weil sie da ist, weil sie geboren ist. 

Und müsste ich ein Geburtstags-Manifest schreiben, wäre der Wortlaut so: Jeder Geburtstag aller Menschen soll immer gefeiert werden. Denn an diesem Tag wird man gesehen in seinem "Sein". Ohne eine Leistung erbracht, ohne etwas erreicht zu haben darf man mit anderen Menschen zusammen an sich selber Freude haben. Gibt es eine andere Gelegenheit als am eigenen Geburtstag diese Beachtung zu finden? Mir kommt nichts Vergleichbares in den Sinn. Deshalb sind Geburtstage wichtig, immer, egal wie alt man wird. Und dabei geht es nicht um Geschenke, und eigentlich auch bei den Kindern nicht. Es geht um das bedingungslose "Sein", um das "Da-Sein" der Seele. Das ist wichtig und schön! So schön, dass man in die glänzenden Kinderaugen schauen muss, um sich das wieder voll und ganz bewusst zu werden. Da leuchtet die Seele in die Welt hinaus: Ich bin!

Auf Thalia wartete aber an ihrem grossen Tag noch das langersehnte Ereignis mit ihrer Patin "Gottianja". Anja versprach ihr, an ihrem sechsten Geburtstag zusammen Ohrringe stechen zu gehen. Das war für Thalia ein Initiations-Ritual, ein Meilenstein in ihrem Mädchenleben, auf das sie lange gewartet hat, wofür sie schon einige Tränen vergossen hat, weil sie glaubte, das nie erleben zu dürfen. Schaut Euch Thalias Gesichten an, wie sie mir ihre frisch gestochenen Ohren zeigt. (Ach, ich hätte ja gut noch ein bisschen zuwarten können...) Man spürt richtig, wie sie innerlich gewachsen ist. Ein Leben davor - und ein Lebe danach. So steht es um ihre Mädchenseele. 


Anja hat gut aufgepasst, dass die Blümchen schön in der Mitte des Ohrläppchens ihren Platz fanden und versicherte Thalia, dass sie sie fest kneifen dürfe, falls es schmerze. Aber das brauchte Thalia nicht, sie war mutig und schmerzfrei. Thalia und ihre Anja (eigentlich ist es ja meine Freundin, hüstel) sind ein abenteuerlustiges Paar, das immer wieder mal zusammen los zieht.

Spät am Abend, als ich ins Bett ging, da schlich ich noch in Thalia's Zimmer und guckte sie mir an. Dieses kleine Mädchen, das ich vor sechs Jahren zu Hause geboren habe, lag nun da mit frisch gestochenen Ohrringen. Ich strich vorsichtig ihre Haare aus dem Gesicht, aus Angst, sie könnten sich in den blauen Blümchen verfangen und eine Infektion hervor rufen. Dann flüsterte ich ihr ins schlafende Ohr: Happy Birthday Thalia, du bist nun sechs! Und ich glaubte, im Halbdunkeln ein lächelndes Zucken um ihre Mundwinkel gesehen zu haben.


Das nächste, worauf Thalia nun wartet, ist, auch endlich ein bisschen unter den Armen zu riechen...

Beeil dich nicht so, meine Thalia, mir wird sonst schwindlig!

Iren, x.

Montag, 25. Juni 2012

Nur noch dreimal schlafen!

Heute morgen, es ist bereits viertel nach acht und Cosima in der Schule, trete ich in Thalia's Zimmer.

Diese Stimmung fand ich so friedlich und das Licht floss so harmonisch über Thalias Bettrand, dass ich meine Mutterpflichten vergaß und die Kamera holen ging. Bitte, wird noch nicht wach, Thalia, es ist gerade so schön! Ich knipste und probierte aus, bis ich ungefähr das selbe Licht und die selbe Stimmung auf dem Display sah, wie ich sie erlebte. Das typische, leise Knacken des Auslösers hat Thalia sanft aus dem Schlaf geholt. 





Ich brauchte nichts zu sagen, sie hat von alleine angefangen, sich zu recken und zu strecken und ihre Äuglein zu reiben. 


Guten Morgen! 





Wie ihr Geist dann voll und ganz da war, stand sie schnell auf, holte ihr Notizbüchlein hervor, in dem ich ihr die Anzahl der Nächte aufzuschreiben hatte, die sie noch schlafen muss, bis sie Geburtstag hat. Mit dem Stift kreuzte sie wieder eine Nacht durch. 


Mama, juhuu!, ich muss nur noch dreimal schlafen!!





Sie streckte mir verschlafen ihre Stubbelhaare entgegen und darunter sah ich nur einen großen, lachenden Mund. Komm, Thalia, jetzt aber schnell in die Kleider, die meisten Kinder sind bestimmt schon im Kindergarten. Während sie sich anzog, schob ich ihr zwischendurch immer wieder einen Löffel Joghurt mit Granola in den Mund. Noch schnell das Gesicht waschen, die Haare kämmen und tschüss, der Papa wartet draußen schon mit dem Fahrrad - ab in den Kindergarten! 

Das war ein Schnellstart, wie wir ihn oft erleben diese Tage. Die Kinder sind müde am Morgen, sie mögen nicht aufstehen. Das Licht und oftmals die Wärme lässt sie abends noch lange im Bett herum zappeln, während ich ungeduldig auf meinen Feierabend warte. So ist das, wenn man im Juni noch keine Sommerferien hat. Aber bald sind wir in der Schweiz auch so weit, noch 19 Mal schlafen!


Iren x.

Freitag, 22. Juni 2012

Mal mir was...

... denn heute ist der erste Sommertag (inzwischen schon gestern...)!



Heute will ich das Bild aufhängen, welches Calista im Malatelier gemalt hat. Ich war  s e h r  stolz auf sie und habe es nicht erwartet, dass sie so konzentriert und ausdauernd mit dem Pinsel malen kann. Obwohl - ich hätte es ja wissen müssen, denn Calista liebt es, jeden Stift zu nehmen und alles anzumalen. Alles? Ja, alles.

Warum bin ich nicht früher auf die Idee gekommen, mit ihr ins Malatelier zu gehen?! Es gibt nichts Schöneres für sie, außer mit Wasser zu spielen. Aber das kommt ja beim Malatelier auch noch, am Schluss, wenn man unterm Wasserstrahl die Hände wieder sauber reibt.

Im Malatelier hat sie wie die anderen Kinder schnell begriffen, wie es geht: In jedem Farbtopf einen Pinsel, den man sich greifen kann und dann auf dem Papier schöne Striche fahren darf. Das weiße Papier von Calista war rasch bunt und ich musste gut aufpassen, dass sie nicht auch noch die Nachbarsbilder als ihr eigenes Malparadies verstand...


Ich erinnerte mich, wie ich vor gut einem Jahr mit Thalia da war. Da war Calista gerade mal ein Jahr alt und konnte kaum über den Tischrand gucken, wo die farbigen Töpfe stehen. Ich habe davon berichtet: Darum lieb ich, alles was so bunt ist... Und nun stand ich da mit Calista und beobachtete, wie sie gekonnt den Pinsel in der Hand hielt und übers Blatt führte. Ja, ich war begeistert von ihren Händen, speziell vom kleinen Finger.







Ich freute mich so sehr über Calista's Maleifer und fühlte in meiner Brust so viel Mutterstolz für meine Kleine, die nun schon so groß war! Erst ein Jahr ist es her.

Wie bei Thalia letztes Jahr, haben wir dort noch zu Mittag gegessen und auf dem großen Spielplatz herum geturnt. - Wie alle Kinder und wie Thalia letztes Jahr. Ich frage mal spontan: Ist Calista entwicklungsverzögert? Vielleicht, ja, in gewissen Dingen. Klar. Aber es ist nicht wirklich ein Problem. Ich kann mit ihr so viel unternehmen, wie andere Mütter mit ihren Kindern. Ich fühle keinen Unterschied. Calista ist mein Maßstab und alle anderen Kinder in ihrem Alter sind für mich einfach voraus. Nicht Calista hinten nach. Calista ist für mich richtig und normal. Sie ist meine neue Normalität. Und zurück zum Thema: ich komme wieder hier her. Es machte uns viel Spaß.



Ich liebe malende Kinder! Als ich kurz nach Calista's Geburt erfuhr, dass sie Trisomie hat, da war einer meiner ersten Gedanken: Dann werd ich mit ihr später einmal ein Malatelier führen. Und ich fühlte mich total entspannt dabei, ein wohliges Gefühl hat sich in diesem Moment in meinem Herzen breit gemacht und ich freute mich auf die Zukunft. Das Ganze war nur einen Augenblick, doch er war wichtig für mich, weil ich spontan eine neue Idee als Lebensentwurf hatte, die mir sehr freudvoll erschien.

Es kommt im Leben immer wieder anders als man denkt. Und das Annehmen der neuen Situation ist nicht immer einfach. Christian hat nach Calista's Geburt und ihrer Diagnose (vor allem die des Herzfehlers) folgenden Satz bezüglich unserer Familiensituation gesagt: Wir haben keinen Verlust, wir haben zu dem, was wir bereits hatten, noch etwas Neues dazu bekommen. Anders als wir es uns vorstellten, doch es ist dennoch einen Gewinn. Das machte uns stark. Es kann aber noch anders kommen. Und auch das kann stark machen. Sibylle hat uns ihre Geschichte aufgeschrieben und ist in der Reihe "AUS DEM LEBEN - Lilly" als neuen Beitrag zu lesen. Ich danke Sibylle sehr, dass sie ihre so wertvolle Erfahrung mit uns geteilt hat.


Herzlichst, iren

Donnerstag, 14. Juni 2012

Neue Reihe: AUS DEM LEBEN...


Wenn man selbst mit einem kleinen "DS-chen" (wie ein betroffnener Vater diese Kinder liebevoll nennt) unterwegs ist, erlebt man immer wieder wundersame, bereichernde Begegnungen und berührende Geschichten werden einen zugetragen. Geschichten, bei denen auf irgend eine Art und Weise DS im Spiel ist. Wenn Calista mit ihrem umwerfenden Lächeln in die Welt strahlt, finde ich mit ihr zusammen leichter Zugang zu fremden Menschen. Und die Menschen öffnen einen schneller ihr Herz und erzählen aus dem eigenen Leben und ihren Erfahrungen. Leben mit Brüchen und Brücken, gebaut mit Bausteinen aus Liebe, Hoffnung, Versöhnung, Mut und Wunder. 

Mit Calista zu leben ist für mich, als habe ich plötzlich eine neue Farbe im Regenbogen entdeckt (zwinkern zu Conny's Beitrag) und ich sehe dadurch die Welt in einer anderen Stimmung. Irgendwie ausgeglichener, vollständiger, vollkommener mit all den Zwischentönen. Es ist für mich immer wieder ein großes Geschenk.

Ich möchte einige Geschichten und Begegnungen nicht für mich behalten, sondern sie weiter erzählen. Der Regenbogen soll mehr Farben bekommen! Auf meinem Blog möchte ich nicht nur von uns schreiben, sondern auch andere Menschen zu Wort kommen lassen. So plane ich schon länger, eine Reihe zu starten mit Geschichten rund um Down Syndrom.

Auf der rechten Seite, unter "DOWN SYNDROM - gut zu wissen" starte ich nun die neue Reihe: "AUS DEM LEBEN - ... " 

Heute beginne ich die Reihe mit einem Beitrag von der Fotografin Conny Wenk. Ich freue mich sehr, dass sie mit macht! Sie hat ihre Liste der zehn Dinge, die sie in den zehn Jahren mit Juliana gelernt hat, vorgeschlagen. Dinge, die wir uns alle zu Herzen nehmen sollten... 

Weitere Geschichten sind in der Pipeline und werden folgen. - Es ist nur eine Zeitfrage ;-). Wenn jemand von Euch mit einer Geschichte mit machen möchte, kontaktiert mich, ich freue mich sehr!

Ich schicke Euch allen einen Regenbogen... Iren, x.


Montag, 11. Juni 2012

Z wie Zirkus

Frühlingszeit ist Zirkuszeit! Dann kommt der große Nationalzirkus Knie in unsere Stadt, und unsere Kinder zeigen im Kinderzirkus Marotte ihre eigenen Kunststücke. So haben die letzten Wochenende im Zeichen des Zirkus gestanden.



Obwohl - dieses Jahr haben wir die Vorstellung des Nationalzirkus' Knie nicht im Zelt mitverfolgt, wir kauften keine Vorstellungkarten, sondern nur Zookarten. Damit kann man mit den Kindern die Zirkustiere hinter dem Zelt besuchen. Wir taten dies ungeplant, während einer Fahrradtour des Sees entlang stoppten wir beim grossen, blauen Zirkuszelt und entschieden uns für die Tiere. Es war ein spannender Zeitpunkt, weil gerade eine Vorstellung begann und wir hinter dem Zelt beim Artisteneingang stehen und beobachten konnten, wie die Zirkusnummern von hinten ausschauten.

Wir staunten, wie die kraftvollen, gelenkigen Akrobatinnen in ihrem Punk-Outfit behende hinten heraus traten, noch schwer atmend die erste Zigarette anzündeten und sich kurz über die eben gezeigte Nummer austauschten. Sie zogen sich rasch um und gingen zurück zu ihrem Wohnwagen, wo ihre kleinen Kinder auf sie warteten. Wir sahen sie später wieder, als wir nach Hause radelten, wie sie mit dem Kinderwagen einen kleinen Abendspaziergang machten und sich eine Portion Pommes holten.

Gleichzeitig habe die Helfer, die Männer in der stattlichen, roten Uniform, die große Sprungmatte wieder aus der Manege gezogen, mit vereinten Kräften zusammen gerollt und in die Holzkiste zurück gelegt.




Die Elefanten wurden vom Dompteur mit speziellen Zurufen auf den baldigen Zirkusauftritt eingestimmt und die großen, grauen Tiere "tanzten" bereits gemeinsam nach links und rechts, ließen ihre Rüssel synchron schwingen und man spürte, dass sie genau wussten, was nun kommt. Ob sie sich wohl darauf freuten? Oder den Auftritt einzig als Abwechslung zum eintönigen Herumstehen in ihrem Gehege willkommen hießen? Jene, die mich schon länger lesen, wissen, dass ich kein Fan von Zoos bin, mich schmerzt der Anblick von eingesperrten Tieren zu sehr... 


Wir haben noch die Zebras bestaunt und die Kamele, mit ihren grossen, eindrücklichen Höckern. Die Zebras haben Streifen, so erzählte mir Cosima, damit der Löwe nur noch ein nervöses Flackern vor Augen hat und die einzelnen Tiere nicht mehr richtig erkennen kann, wenn sie als Herde zusammen davon rennen. Aber hier im Zoo sind die Streifen eigentlich nur noch eine "Touristenattraktion"...  




Calista konnte nicht nah genug an die Tiere heran kommen und Christian war sehr damit beschäftigt, sie gut zu halten. Die kleinen Zappelbeinchen sind inzwischen sehr flink im Klettern und wir unterschätzen die Kleine immer wieder. Das Zebra Cosima hat sie dann Huckepack genommen und ließ sie ein bissen herum reiten. Solche Dinge liebt Calista sehr! Zu Hause versuchen die Grossen manchmal, eine Zirkusnummer mit ihr einzustudieren. Calista wäre sofort dabei, auch auftreten zu dürfen, doch soweit ist sie noch nicht. Zuerst sind Cosima und Thalia an der Reihe. Ihr großer Moment, die einstudierten Kunststücke zu zeigen, kam letztes Wochenende.
Dieses Jahr traten unsere Mädchen gemeinsam in derselben Nummer auf. Das war für uns sehr schön, denn das hieß: doppelter Elternstolz. Wir schauten doppelt so viel, bewunderten doppelt so oft und klatschten doppelt so stark.



Jede kam für sich an die Reihe, ihr Kunststückchen zu zeigen. Während Cosima auf der Kugel lief und voller Freude strahlte, schaute Thalia am Manegerand ganz ruhig und konzentriert zu.


Danach war Thalia an der Reihe. Sie lief mit geschickten Füßchen auf der Rolle und strahlte vor Glück. Cosima saß am Rand und schaute ganz konzentriert und ruhig zu.





Es gab weitere tolle, atemberaubende und poetische Nummern von anderen Gruppen. Die Tuchnummer ist besonders beliebt und Cosima möchte in ein paar Jahren gerne in die Tuchgruppe wechseln.
Calista schaute auf der anderen Seite des Manegerandes voller Interesse zu. Ja, sie würde auch gerne mitmachen, wie zu Hause im Wohnzimmer.







Bravo - bravo!

Wir klatschten doppelt so viel, strahlten doppelt so fest und hatten doppelt so viel Freude.

Bravo - bravo!

Wir freuen uns auf nächstes Jahr und sind gespannt, was die Mädchen in den kommenden Monaten Neues lernen werden. Es lebe der Zirkus!

Her - z - liche Grüße von mir, 

die euch noch rasch erzählen muss, dass Calista nicht nur am Manegerand stehen blieb, sondern in einem unbeachteten Moment, als die Kinder unter großem Applaus sich tief verbeugten, flink sich über den breiten Rand hievte und - wie einen Flitzer auf dem Fußballstadium - unter großem Gelächter des Publikums, sich in die Manege stürzte. Voller Freude, auch endlich dabei sein zu können. Cosima und Thalia grinsten über den gelungenen Auftritt ihrer frechen, kleinen Schwester. Das war ganz nach ihrem Geschmack.

Geduld, Geduld - sie wird auch noch an die Reihe kommen, in ein paar Jahren.

Iren, x.

Übrigens plane ich, demnächst vom kleinen Jungen Nils zu erzählen, der mit seiner Mama jedes Jahr ein paar Monate Zirkusalltag erleben darf. Ich habe sie in der Babygruppe von Insieme21 kennen gelernt und ihre Geschichte hat mich sehr berührt.