Dienstag, 18. Dezember 2012

Der Geburtstagskuchen

Vor ein paar Tagen hatte ich Geburtstag. Am Vorabend roch es in unserem Haus süß und schwer nach Schokolade, ich lag bereits im Bett und lächelte vor mich hin.

Christian und ich haben eine Tradition: Jeder backt den Geburtstagskuchen für den anderen. Das machen wir nun seit 16 Jahren, ohne Ausnahme. Es gibt schon einige Erlebnisse und Geschichten rund um diese Geburtstagskuchen. 

Die ersten Kuchen, die ich für Christian buk, die waren ein Häufchen Elend. Entweder geschmacklich sehr mäßig, oder sie fielen buchstäblich auseinander, wenn ich sie aus der Form lösen wollte. Ich musste lernen, dass man beim Backen nicht einfach improvisieren kann wie beim Kochen. Nein, als Backnovizin, die ich war, sollte man sich ans Rezept halten. Dieser Lernprozess musste ich schmerzlich machen. Christian hat aber immer großzügig darüber hinweg geschaut und sich über jeden Geburtstagskuchen wahnsinnig gefreut. Die Liebe war natürlich immer unter meinen Zutaten vorhanden und das hat er wohl gespürt.

Diesen Herbst waren wir einige Tage mit dem VW-Bus in den Bergen unterwegs, als Christian Geburtstag hatte. Das bedeutete: keinen Ofen. Ich war schon fast verzweifelt, da erinnerte ich mich an die Pfannkuchentorte von Findus. So eine wollte ich schon lange gern mal essen, die sieht bei Petersson wunderbar fein aus! Wir haben auf der Wanderung am Tag davor noch Heidelbeeren auf 2000m Höhe gefunden. Die Torte sah mit den blauen Beeren so richtig frisch und authentisch aus.


Habt ihr auch schon mal eine Pfannkuchentorte gebacken? Sie ist sehr, sehr lecker. Christian schwärmt noch heute davon.


Christian selber hält sich beim Geburtstagskuchenbacken in der Regel an mein "Aargauer Rüeblitorte" Rezept. Dieser Kuchen ist so gesund, den kann man bedenkenlos zum Frühstück essen. 

Vor ein paar Jahren, als Christian den Kuchen eben heiß aus dem Ofen holte, entstand kurz danach zwischen uns eine Diskussion, die in einen Streit mündete. Worum es ging? Hab' ich schon lange vergessen. Wohl irgendeine Alltagsbanalität, die ins Grundsätzliche abgleitete. Auf jeden Fall wurde  ich so richtig sauer auf Christian, meinen Geburtstagskuchenbäcker. Kurzerhand packte ich die liebe Geste von ihm, öffnete das Küchenfenster und warf die noch warme Rüeblitorte aus dem 2. Stock unseres Mietshauses mit viel Schwung in die schwarze Winternacht hinaus. Und schloss das Fenster. Das tat gut.

Wie es weiter ging, weiß ich nicht mehr genau, auf jeden Fall war der Streit damit beendet. Beide schwiegen. Und Christian ging schlafen, mit der Bemerkung, dass ich den Kuchen aufputzen müsse. Während er also im Bett lag und sich schwor, mir nie, nie, nie mehr einen Geburtstagskuchen zu backen, zog ich meine Schuhe an und ging ich nach draußen. Es war nachts viertel nach zwölf, ich hatte bereits Geburtstag und suchte zwischen den geparkten Autos nach meinem zerfetzten Geburtstagskuchen. Es war grotesk. Es war traurig und komisch zu gleich. Und während ich mich nieder beugte und meinen Kuchen teils an einem Auto klebend, teils auf der Straße liegend wieder fand, stopfte ich mir ein paar saubere Brocken in den Mund und wünschte mir einen frohen Geburtstag. Ein wunderschönes neues Lebensjahr mit viel Gesundheit, Freude und Liebe! Ich hätte weinen können, musste aber lachen. Still und leise lachte ich in den ersten jungen Minuten meines damaligen Geburtstages vor mich hin. Da sah man mich, eine gestandene Frau Mitte dreißig, nachts auf der Strasse und aß meinen, mit Liebe gebackenen und aus Wut zerklatschten Kuchen.  


Seither müssen wir uns immer zu zwinkern und necken, wenn Christian am Vorabend meines Geburtstages sich in die Küche begibt, um mir einen Kuchen zu backen. 

Dieses Jahr buk er mir ein riesengroßes Brownie in der Form eines Sternes. Köstlich. Ich blies die Kerzen aus, mit Hilfe von meinen Mädchen. Christian knipste Fotos und strahlte stolz. Und unsere kleine Welt war friedlich und freudvoll.

Es grüßt euch herzlich iren, die bis jetzt trotzdem jeden Geburtstag einen liebevoll gebackenen Kuchen von Christian bekam, auch wenn sie es eigentlich nicht mehr verdient hätte...

Kommentare:

  1. Liebe Iren, alles Gute nachträglich zu deinem Geburtstag!!! Herrlich deine Kuchengeschichte! Liebe Grüße Anja

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    1. Vielen Dank, der diesjährige Geburtstag kam ruhig und leise und legte ganz unspektakulär eine eins dazu...
      Lieber Gruss, iren

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    2. Und wie geht es deinem Mädchen? Warte auf ein Blog-update... Herzlich, iren

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  2. Liebe Iren
    War das noch in der alten Wohnung??? Habe damals gar nichts gehört vom runterklatschen des Kuchens, hi hi hi...Ach herrje, lang ists her, jetzt wohnen wir schon 3 1/2 Jahre nicht mehr in der Enge. Aber ich lese regelmässig Deinen Blog und freue mich über alles, was Du so schreibst.
    Liebe Grüsse
    Mirjam

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    1. Ja, das war in der alten Wohnung. Und du lagst einen Stock weiter oben im Bett und hast bestimmt geschlafen, um diese Uhrzeit... Hastvwohl keine Resten mehr gefunden am nächsten Tag... Vielleicht kam der Fuchs später in der Nacht noch und leckte die letzten Krümel auf! ;-))
      Liebe Grüsse an Euch alle, hoffe, es geht Euch gut! Hezrlich, iren

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  3. Tolle Geschichte! Und herzlichen Glückwunsch nachträglich!
    Jetzt will ich auch ne Pfannkuchentorte...:-D Gut, dass Herr Nilsson am Freitag Geburtstag hat...
    Liebe Grüße!

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  4. Was für eine Geschichte! Auch von mir alles Gute nachträglich! Die Pfannkuchentorte sieht köstlich aus!
    Ganz liebi grüäss, anja

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  5. Oh, ich liebe Findus. Muss doch mal probieren, diese Torte zu backen. Nachträglich noch alles Gute zum Geburtstag.

    LG
    Beatrice

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  6. Liebe Iren,

    nachträglich alles Gute zum Geburtstag.
    Mögen viele deiner Wünsche und Träume in Erfüllung gehen!

    Die Pfannkuchentorte sieht lecker aus.
    Ich habe auch schon mal die Schüssel mit der Masse für die Sahnecremetorte wütend durch die Küche geschleudert... aber es war kein Geburtstagskuchen. Ich weiß nicht, ob Herr seltenARTig da nicht doch sehr vergnatzt geworden wäre?! Wobei, mein Ehering ist ähnlich abhanden gekommen.... Pst!

    Liebe Grüße
    Nula

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