Montag, 21. März 2011

Der Wildrosenstrauch

Heute ist der 21. März und endlich Frühlingsanfang!

Und heute ist der World Down Syndrom Day. Das Datum 21.3. repräsentiert das 3-fach vorhandene 21. Chromosom, welches für die Menschen mit Down Syndrom typisch ist.
Ich finde es wunderbar, dass dieser Tag zusammenfällt mit dem astronomischen Frühlingsanfang. Frühling bedeutet wachsen, austreiben und blühen. Gerne möchte ich heute die Geschichte des Wildrosenstrauchs Euch weiter geben. Ich weiss leider nicht, von wem sie stammt, finde sie aber wunderschön.


Der Wildrosenstrauch

Es waren einmal ein Mann und eine Frau. Die hatten sich ein kleines
Häuschen gebaut und daneben einen Garten angelegt.

Eines Tages kam der Eigentümer des Landes vorbei, schaute sich den
Garten an und stellte lächelnd einen kleinen Rosensetzling vor das
Tor.

Das tat er oft in seinem Land, doch sagte er nie dazu, um welche Sorte
es sich handelt und wie man sie pflegen muß. Die Rosenzüchter mußten
selbst die Bedürfnisse ihrer Geschenke erforschen.

Die Beiden freuten sich über den Setzling und pflanzten mitten ins
Herz ihres Gartens.
Dort begann er zu ihrer Freude kräftig zu wachsen.
Sie liebten ihren Rosenstrauch.

Doch bald schon war zu erkennen, daß er anders war, als die
Rosensträucher, die sie kannten.
Er wuchs schnell und wild in alle Richtungen.

Auch seine Blüten waren anders. Nicht so groß und voll wie die im
Nachbargarten, sondern klein. Man mußte genau hinschauen, um ihre
Schönheit zu erkennen. Aber dafür waren es hunderte!

Und der Duft- nur wer ganz dicht herankam, konnte ihn wahrnehmen. Aber
er war ursprünglicher und echter als alle bisher gekannten Düfte.

Sie hatten viel Arbeit mit ihrem Rosenstrauch. Ständig mußten sie
darauf achten, daß er sich selbst und anderen nicht schadete.
Sie mußten ihn zurückbinden, weil er den Weg zuwucherte, sie mußten
ihm Stützen geben, weil sein übermütiges Wachsen ihn in Gefahr
brachte, abzubrechen, sie mußten ihn manchmal hindern, den anderen
Blumen das Licht zu nehmen.

Und doch - sie liebten ihren Wildrosenstrauch.

All das war mühsam, aber sie taten es gern.
Doch immer öfter blieben die Leute kopfschüttelnd vor ihrem Garten
stehen. Sie murmelten sich zu: "Die sollten sich mal besser um ihren
Rosenstock kümmern! Wie der wächst, das kann man doch nicht zulassen!"

Erfahrene Rosenzüchter gaben ihnen Ratschläge. Die waren sicher alle
gut und richtig - nur auf ihren Rosenstrauch paßten sie nicht, daß
fühlten sie.

Besonders weh tat ihnen die Bemerkung eines Freundes, der selber noch
gar kein Rosenzüchter war.
Er sagte: " Ihr macht das ganz falsch, das sehe ich. Ich habe schon so
vielen Rosenzüchtern zugesehen, ich weiß wie das geht.
Ihr müßt diesen Strauch ganz kurz schneiden, bis auf die Erde herab.
Und wenn er dann wieder austreibt, dann schneidet ihr alles ab, was
nicht normal aussieht.
Ihr werdet sehen, dann vergehen ihm diese Flausen und er wird gerade
wachsen und vernünftige Blüten hervorbringen!"

Die Leute wurden traurig. Machten sie es wirklich so falsch? Sie
wollten doch nur das Beste.

Denn sie liebten ihn doch, ihren Wildrosenstrauch!

Sie gingen durch das Dorf und schauten in alle Gärten hinein. Da
bemerkten sie, was ihnen noch nie so aufgefallen war: es gab noch mehr
Wildrosensträucher.

Aber wie sahen die aus! Einige waren bis zum Verkümmern beschnitten,
andere wucherten völlig haltlos herum.
Viele waren aus dem Herzen des Gartens in einen dunklen, versteckten
Winkel verpflanzt worden.

Nur wenige konnten sich frei entfalten und bekamen doch die Stütze, die
sie brauchten.
Doch diese Wenigen waren von so einer wilden Schönheit, daß es ihr
Herz anrührte.
Sie sahen sich an und wußten, was sie tun wollten.

Und sie liebten ihn, ihren Wildrosenstrauch.

So pflegten und stützten sie ihn.
Genug, daß er Halt hatte und doch nicht so sehr, daß er zerbrach.
Sie hatten viel Mühe mit ihm und manchmal dachten sie, wie viel
leichter es mit einem anderen Rosenstrauch wäre.
Für dessen Blüten würden sie sogar noch Anerkennung bekommen.

Doch wenn sie sich auf ihre kleine Gartenbank setzten, über und um
sich tausen kleine Blüten und eingehüllt in einen wunderbaren Duft, da
wußten sie, daß es sich lohnte.

Oh, wie sie ihn liebten, ihren Wildrosenstrauch.

Eines Tages ging der Besitzer des Landes durch das Dorf.
Vor jedem Garten blieb er stehen und betrachtete die verschiedenen
Rosenträucher. Manchmal lächelte er, aber oft schüttelte er auch
traurig der Kopf und sah sorgenvoll aus.

Als er zum Garten der Beiden kam, blieb er lange stehen.
Dem Mann und der Frau war es etwas bange zu Mute. Waren sie wirklich
verantwortungsvoll mit dem Geschenk umgegangen? Sie hatten getan, war
sie für richtig hielten.
Aber war es das auch? Hätten sie nicht doch...

Der Betrachter am Zaun sagte kein Wort. Aber als er weiterging,
strahlten seine Augen und es schien ihnen, als pfiffe er eine vegnügte
Melodie.

Da wußten sie: Er liebt ihn, so wie er ist, ihren Wildrosenstrauch!


Und ich grüsse hiermit alle Wildrosenkinder und küsse meinen kleinen Strauch liebevoll auf seine zarte Stirn.












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